Heute ist sie aus dem oberösterreichischen Zentralraum kaum mehr wegzudenken: Die PlusCity in Pasching ist mit rund 70.000 Quadratmetern Verkaufsfläche und etwa 220 Geschäften ist das größte Einkaufszentrum Oberösterreichs – und feiert heuer ihren 37. Geburtstag. Ihre Geschichte begann aber eigentlich nicht 1989, sondern bereits 20 Jahre früher – mit einem Selbstbedienungs-Warenhaus vor den Toren von Linz. Aus einem Einkaufsmarkt wurde über Jahrzehnte eine eigene kleine Stadt für Shopping, Gastronomie und Unterhaltung.
1969: Alles beginnt mit einem Warenhaus
Die Wurzeln der heutigen PlusCity reichen bis ins Jahr 1969 zurück. Damals eröffnete Maria Pfeiffer in Pasching ein Selbstbedienungs-Warenhaus, das später als Plus Kaufpark beziehungsweise Plus Kaufland bekannt wurde.
Die Standortwahl sollte sich als goldrichtig erweisen. Der Raum südwestlich von Linz entwickelte sich mit zunehmender Motorisierung immer stärker zu einem Gewerbe- und Handelsgebiet. Pasching wuchs wirtschaftlich rasant, entlang der B139 entstanden immer mehr Geschäfte und Betriebe.
Aus dem ursprünglichen Verbrauchermarkt entwickelte sich Schritt für Schritt wesentlich mehr.
1989: Die PlusCity ist geboren
Der entscheidende Sprung erfolgte am 19. Oktober 1989. An den bestehenden Verbrauchermarkt wurde die neue PlusCity angebaut. Bereits bei der Eröffnung beherbergte sie mehr als 100 Geschäfte unterschiedlichster Branchen. Damit war eines der ersten wirklich großen Shoppingcenter des oberösterreichischen Zentralraums geboren.
Was heute selbstverständlich klingt, war damals ein völlig anderes Einkaufserlebnis: Statt Geschäft für Geschäft in einer Innenstadt abzuklappern, konnten die Kunden unter einem Dach einkaufen, essen und ihre Freizeit verbringen. Die PlusCity setzte damit früh auf ein Konzept, das Jahrzehnte später zum Standard moderner Einkaufszentren werden sollte.
Die PlusCity blieb nicht lange alleine
Nur ein Jahr später, im Oktober 1990, eröffnete wenige hundert Meter entfernt das UNO Shopping in Leonding. Entlang der B139 entwickelte sich in den folgenden Jahren eine der größten Einkaufsmeilen Österreichs. PlusCity, UNO Shopping und zahlreiche Fachmärkte machten das Gebiet zwischen Linz, Leonding und Pasching zu einem gewaltigen Handelsstandort. Zwischen PlusCity und UNO entstand dabei ein jahrelanger Konkurrenzkampf, den das UNO verlor, das Einkaufzentrum ist seit vielen Jahren geschlossen, hier soll ein Wohnviertel entstehen.
Aus dem Einkaufszentrum wird eine Freizeitwelt
Ein Grund dafür war, dass sich die PlusCity nie mit dem klassischen Konzept „Geschäfte plus Parkplatz“ zufriedengab. Gastronomie und Unterhaltung wurden immer wichtiger. Mit dem Hollywood Megaplex entstand unmittelbar beim Einkaufszentrum eine große Kinowelt. Restaurants, Cafés und Bars machten die PlusCity zunehmend zu einem Ort, an dem Besucher nicht nur einkaufen, sondern mehrere Stunden verbringen sollten. Parallel dazu wurde immer wieder erweitert.
Bereits Ende der 1990er-Jahre liefen Planungen für zusätzliche Verkaufsflächen und riesige Parkdecks. Behördenunterlagen aus dieser Zeit zeigen die Dimension: Alleine für eine Hochgarage waren zeitweise fast 2.000 Stellplätze vorgesehen. Aus einem Einkaufszentrum wurde nach und nach tatsächlich eine Art kleine Stadt.
2015/16: Der ganz große Sprung
Die größte Veränderung ihrer Geschichte erlebte die PlusCity schließlich ab 2015. Rund 140 Millionen Euro wurden in einen gigantischen Ausbau investiert. Rund 20.000 Quadratmeter kamen hinzu. 72 neue Geschäfte entstanden im Erweiterungsbereich, die Verkaufsfläche wuchs auf rund 70.000 Quadratmeter. Auch das Hollywood Megaplex wurde komplett in das Einkaufszentrum integriert. Das alte Kinogebäude machte Platz für zusätzliche Parkmöglichkeiten.
Für die neue Parkgarage wurden auf neun Geschossen mehr als 2.100 Stellplätze geschaffen. Ende August beziehungsweise Anfang September 2016 wurde die neue PlusCity schließlich eröffnet. Die Dimensionen waren gewaltig: Rund 220 Shops, Dutzende Gastronomiebetriebe und etwa 3.500 Arbeitsplätze machten das Einkaufszentrum endgültig zu einem der bedeutendsten Handelsstandorte Österreichs. PlusCity-Chef Ernst Kirchmayr bezeichnete das Konzept damals sinngemäß als eine selbst gebaute „Erlebnisstadt“. Und der Ausbau hatte noch einen anderen Hintergrund: das Internet.
Der Onlinehandel setzte den klassischen Einkaufszentren zunehmend zu. Die Antwort der PlusCity lautete deshalb: Einkaufen alleine reicht nicht mehr. Kino, Gastronomie, Unterhaltung und Erlebnis sollten Dinge bieten, die Amazon & Co. nicht liefern können.
Mit der Bim zur PlusCity
Einen weiteren Schub brachte die Straßenbahnverlängerung nach Traun: Seit Februar 2016 fährt die Linie 3 direkt zur PlusCity, seit September 2016 weiter bis Traun. Damit bekam das Einkaufszentrum erstmals eine direkte Straßenbahnverbindung mit Linz. Heute fahren die Linien 3 und 4 zur PlusCity – und machten das Shoppingcenter auch ohne Auto wesentlich leichter erreichbar..
2019: Ernst Kirchmayr übernimmt komplett
Auch bei den Eigentumsverhältnissen kam es zu einer historischen Veränderung. Die Familie Pfeiffer, mit deren Warenhaus 1969 alles begonnen hatte, hielt noch 57 Prozent der PlusCity. Ernst Kirchmayr besaß die übrigen Anteile. Im Juli 2019 verkauften Maria Pfeiffer bzw. ihre Familie ihre Beteiligung an Kirchmayr. Damit wurde Ernst Kirchmayr Alleineigentümer jenes Einkaufszentrums, dessen Entwicklung er über Jahrzehnte maßgeblich geprägt hatte. Bis dahin waren seit 1989 laut Kirchmayr rund 420 Millionen Euro in Aufbau und Infrastruktur der PlusCity investiert worden.
Während früher die Linzer Innenstadt das nahezu unumstrittene Einkaufszentrum der Region war, entstand über die Jahrzehnte wenige Kilometer außerhalb der Stadtgrenze ein mächtiger Konkurrent – mit tausenden kostenlosen Parkplätzen, Straßenbahnanschluss, Kino, Gastronomie und hunderten Geschäften. Das Kuriose daran: Die PlusCity liegt zwar nicht in Linz. Für Generationen von Linzern gehört sie trotzdem längst zur Stadt. Heuer feiert die PlusCity ihren 37. Geburtstag, die Gerüchte über einen Verkauf an einen ausländischen Investor kamen vor einigen Jahren auf und reißen seitdem nicht ab.















