Heute auf den Tag genau vor einem Jahr gewann Dietmar Prammer die Stichwahl zum Bürgermeister der Stadt Linz. Er siegte gegen seinen größten Kontrahenten Michael Raml (FPÖ) überraschend klar mit 77,1 zu 22,9 Prozent. Am 6. Februar 2026 folgte die Angelobung durch Landeshauptmann Thomas Stelzer. Bereits in 20 Monaten – beim nächsten regulären Wahltermin im September 2027 – muss sich Prammer erneut der Wahl stellen. Ob dann an Prammers Thron gerüttelt werden wird? Zumindest aktuell spricht wenig dafür.
„Farblosigkeit“ und „zu wenig Bekanntheit“ wurden Didi Prammer im Vorfeld der Bürgermeisterwahl medial immer wieder attestiert. Aber es kam ganz anders: War der Sieg Prammer im ersten Wahlgang mit 40,2 Prozent der abgegebene Stimmen bereits beeindruckend, gab es in der Stichwahl gegen Michael Raml (FPÖ) zwei Wochen später sogar einen echten Kantersieg: Über 77 Prozent der Stimmen trotz Gegenwind aus der Bundespolitik haben ihm nicht mal Parteifreunde zugetraut.
„Prammer grenzte sich zwar in vielen Bereichen von seinem geschaßten Vorgänger Klaus Luger ab, echte Akzente, Ecken oder Kanten ließ er jedoch vermissen.“
Ein Jahr später macht sich zumindest teilweise Ernüchterung breit: Prammer grenzte sich zwar in vielen Bereichen von seinem geschaßten Vorgänger Klaus Luger ab, echte Akzente, Ecken oder Kanten ließ er jedoch vermissen. Den so dringend nötigen (und versprochenen) Sparkurs für Linz hat er zumindest heuer abgesagt – und es ist schwer vorstellbar, dass es im Wahljahr 2027 zu irgendwelchen diesbezüglichen Maßnahmen kommen wird. Heißt: Damit passiert weitere zwei lange Jahre nichts Elementares in Sachen maroder Stadtfinanzen…
Prammers Gesamt-Performance als Bürgermeister? Das, was viele von einem Stadtoberhaupt erwarten: Keine Zaubereien, wenig echte Höhepunkte, solide … manche sagen auch trocken. Prammer sitzt nicht nur darum fest im Sattel: Innerparteilich droht ihm wenig Konkurrenz – die beiden neu ernannten SPÖ-Stadträtinnen & Vizebürgermeisterinnen Karin Leitner und Merima Zukan erwiesen sich bislang als handzahm, waren weder große innerparteiliche Gegenspielerinnen noch suchten sie bislang das ganz große Bühnenlicht.
„Der strategisch versierte Didi Prammer wird bis 2027 keine Dummheit wie sein Vorgänger oder allzu großen Fehler begehen, der ihn vom Thron stürzen könnte – er steht für Verwalten statt Gestalten.“
Thematisch kam von den beiden neuen Damen ebenfalls wenig Innovatives. Auch Vorgängerin Karin Hörzing war ein ähnlicher Typus SPÖ-Frau: Zwar ein innerparteilicher Beweis, dass man es als Frau (fast) bis an die Spitze schaffen kann, kam auch sie im politischen Wirken nie über den Status der nett-sympathischen und unverbindlichen Harmlosigkeit hinaus. Irgendwie hat das bei der Linzer SPÖ System, denn auch die politisch abservierte Tina Blöchl ließ man nicht wirklich ganz oben mitspielen. Einzig dem ebenfalls neu eingestiegenen Stadtrat Thomas Gegenhuber traut (oder gesteht) man zu, mittelfristig auch noch höhere (SPÖ-)Ämter zu bekleiden.
„Einen möglichen politischen Umsturz wie im Landhaus wird es in Linz zumindest am Bürgermeistersessel 2027 wohl nicht geben.“
Und von den anderen Parteien? Da droht Dietmar Prammer wenn überhaupt nur sehr überschaubares Ungemach. Zu groß war der Abstand bei der Bürgermeisterwahl im Jänner 2025 – Martin Hajart (ÖVP) und Michael Raml (FPÖ) holten damals im ersten Wahlgang gemeinsam weniger Stimmen (38,5%) als Dietmar Prammer (40,2%). Und der strategisch versierte „Didi“ wird bis 2027 auch keine Dummheit wie sein Vorgänger oder allzu großen Fehler begehen, der ihn vom Thron stürzen könnten – wie auch, wenn eher Verwalten statt Gestalten seinen politischen Kurs prägt. Einen möglichen politischen Umsturz wie im Landhaus wird es in Linz zumindest am Bürgermeistersessel 2027 wohl nicht geben.
Titelfoto: Antonio Bayer / Land OÖ




























