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Land Oberösterreich beantragt Umwidmung für IT:U-Campus

Umstrittene Fläche beim Biologiezentrum Urfahr soll verbaut werden

6. März 2026
in Land, Linz, Politik
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Das Land Oberösterreich hat bei der Stadt Linz einen Antrag auf Änderung des Flächenwidmungsplans für das Areal zwischen Johannes-Kepler-Universität (JKU) und Biologiezentrum in Linz-Auhof gestellt. Die bestehende Widmung „Bauland Sondernutzung Museum“ soll in „Bauland Sondernutzung Universität + Museum“ geändert werden, um die Ansiedlung der neuen Digital Universität (IT:U) zu ermöglichen. Während Landeshauptmann Thomas Stelzer und Bürgermeister Dietmar Prammer den Schritt als wichtigen Impuls für Wissenschaft und Innovation begrüßen, stößt die geplante Bebauung auf scharfe Kritik bei den Linzer Grünen.

Der heute eingebrachte Antrag markiert einen konkreten planerischen Schritt in der langjährigen Standortdebatte um die IT:U, Österreichs neue öffentliche Universität für digitale Transformation. Die IT:U, die seit ihrer Gründung dynamisch wächst und internationale Kooperationen sowie Forschungsprojekte ausbaut, soll auf dem betroffenen Grundstück ihren zentralen Campus erhalten. Das Land sieht darin die Schaffung langfristiger Rahmenbedingungen für Wachstum in Forschung, Innovation und Entwicklung.

„Der Antrag wird von der Stadt Linz nun sorgfältig geprüft und bearbeitet. Gleichzeitig ist er ein wichtiger Schritt, um den Hochschul- und Forschungsstandort Linz weiter zu stärken.“
Bürgermeister Dietmar Prammer

Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) betonte: „Mit dem heute eingebrachten Antrag schaffen wir die wesentlichen Rahmenbedingungen, damit Innovation, Forschung, Wissenschaft und Entwicklung in Oberösterreich langfristig wachsen können.“ Auch Linz’ Bürgermeister Dietmar Prammer (SPÖ) würdigte den Vorstoß: „Der Antrag wird von der Stadt Linz nun sorgfältig geprüft und bearbeitet. Gleichzeitig ist er ein wichtiger Schritt, um den Hochschul- und Forschungsstandort Linz weiter zu stärken.“

Die geplante Flächenwidmungsänderung würde die rechtlichen Voraussetzungen für eine Bebauung schaffen, die das Areal als Erweiterung des JKU-Campus und Standort für die IT:U nutzbar macht. Das Biologiezentrum selbst bleibt erhalten; die Erweiterung soll jedoch auf angrenzenden Flächen erfolgen, die derzeit als Grün- oder Sondernutzungsfläche gewidmet sind.

„Mit dem heute eingebrachten Antrag schaffen wir die wesentlichen Rahmenbedingungen, damit Innovation, Forschung, Wissenschaft und Entwicklung in Oberösterreich langfristig wachsen können.“
Landeshauptmann Thomas Stelzer

Kritik an „grüner Wiese“-Standort und Verstoß gegen Grüngürtel-Schutz
Deutliche Ablehnung kommt von Umweltstadträtin Eva Schobesberger (Grüne Linz). Sie bezeichnete die Entscheidung als „vertane Jahrhundertchance“: Die IT:U auf der grünen Wiese zu errichten sei kurzsichtig und verschenke Potenziale für eine urbane Integration. „Die IT:U könnte mit dem vielfältigen wirtschaftlichen Leben verschmelzen und zum neuen, pulsierenden Zentrum unserer Stadt werden“, so Schobesberger. Stattdessen wähle man einen Standort ohne Entwicklungspotenzial und ignoriere einen Gemeinderatsbeschluss vom Ende 2024, der den Grüngürtel rund um die JKU mit breiter Mehrheit  dauerhaft schützen soll.

„Ich darf daran erinnern, dass es einen aufrechten Gemeinderatsbeschluss gibt, den Grüngürtel rund um die Johannes-Kepler-Universität dauerhaft zu schützen. Der Antrag wurde Ende 2024 mit einer breiten Mehrheit von allen außer der ÖVP beschlossen.“
Umweltstadträtin Eva Schobesberger

Die Grünen hatten in den vergangenen Monaten wiederholt alternative urbane Standorte – etwa in der Innenstadt oder in Bestandsgebäuden wie der Post City – gefordert und argumentiert, dass eine Ansiedlung auf unversiegelter Fläche Bodenverbrauch fördere und Synergien mit Stadt und Wirtschaft mindere. Kritiker werfen dem Projekt zudem vor, artenschutzrechtliche und naturschutzfachliche Belange unzureichend zu berücksichtigen.

Problematische Verkehrs- und Erschließungssituation
Die geplante Erschließung des Campus könnte zudem über bestehende Nebenstraßen erfolgen, die teilweise einspurig ausgeführt sind und in einer verkehrsberuhigten 30-km/h-Zone liegen. Kritiker halten es für schwierig, die erwarteten rund 5.000 Studierenden und Mitarbeitenden zusätzlich zum bestehenden Verkehr der Johannes Kepler Universität (JKU) über dieses Wegenetz abzuwickeln, schreibt die Bürgerinitiative „Retten wir den Grüngürtel“ in einem offenen Brief.

„Der aktuelle Vorstoß von LH Stelzer und Bgm. Prammer folgt exakt dem Muster des gescheiterten Projekts beim Autobahnanschluss Auhof. Erneut wurde eine nahezu wortgleiche Presseaussendung von Stadt und Land veröffentlicht, was die Befürchtung schürt, dass hier eine politische Entscheidung über fachliche Expertise gestellt wird. Die Initiative warnt: Wer die Fehler der Vergangenheit ignoriert, provoziert ein erneutes juristisches und ökologisches Scheitern“, heißt es in einer weiteren aktuellen Aussendung. Es dürfe „keinen Versiegelungswahn geben, nur weil politische Entscheidungsträger schnelle Lösungen suchen. Die Initiative fordert eine Rückkehr zur Vernunft und die Prüfung von Alternativstandorten, die keine geschützten Naturräume vernichten. Der Grüngürtel ist das Erbe der Linzer Bevölkerung und darf nicht für kurzfristige Prestigeprojekte geopfert werden.“

Nächste Schritte und offene Fragen
Der Antrag der Stadt Linz liegt nun zur Prüfung vor. Das Verfahren zur Flächenwidmungsänderung umfasst in der Regel eine öffentliche Auflage, Umweltprüfungen und die Einbindung von Fachstellen sowie eine Beschlussfassung im Linzer Gemeinderat. Wann mit einer Entscheidung zu rechnen ist, hängt vom Fortgang des Verfahrens ab. Die IT:U plant ihren Campus schrittweise bis etwa 2036 fertigzustellen.

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