In Linz sorgt die geplante Bebauungsplan-Änderung beim Straßenzug „Am Teich“ am Auberg für heftige Diskussionen. Kritiker – allen voran LinzPLUS – werfen der Stadtpolitik vor, Investoreninteressen zu bevorzugen und das öffentliche Interesse außer Acht zu lassen. Befürworter sehen hingegen eine notwendige Nachverdichtung und zusätzlichen Wohnraum im Stadtgebiet.
Ein Verdichtungsprojekt sorgt am Linzer Auberg für Aufruhr: Auf einem relativ schmalen Streifen, der an Gärten angrenzt, soll ein dreistöckiger Wohnblock mit Eigentumswohnungen errichtet werden. Kurios: Obwohl die dazu nötige Bebauungsplanänderung noch gar nicht im Gemeinderat behandelt wurde, wurde das Projekt bereits für den Verkauf beworben.
„Die Fläche ist bereits versiegelt, es werden also keine neuen Flächen verbraucht“, unterstützt Bürgermeister Dietmar Prammer das umstrittene Investoren-Objekt beim Straßenzug „Am Teich“ am Auberg. Dort, wo es früher einen großen Teich gab und wo seit mehreren Jahrzehnten ebenerdige Garagen stehen, soll ein großer, dreistöckiger Block mit Anlegerwohnungen hineingesetzt werden. Das betroffene Areal wurde Ende 2021 um rund 400.000 Euro verkauft. Durch die geplante Umwidmung würde sich der Grundstückswert Schätzungen zufolge auf das Dreifache erhöhen.
„Die geplante Bebauungsplan-Änderung ist nicht im öffentlichen Interesse und hat keinerlei städtebauliche Grundlagenforschung.“
Für Stadtentwickler Lorenz Potocnik (LinzPLUS) ist das ein klarer Hinweis auf immobilienspekulative Motive: „Mit minimalem Aufwand und dank guter Kontakte soll maximaler Gewinn erzielt werden.“ Potocnik fordert daher eine „Notbremse“ und die Ausweisung des Areals als Neuplanungsgebiet, um das Verfahren zu stoppen. Laut Potocnik seien SPÖ und ÖVP bereits im Vorfeld übereingekommen, die Planänderung im nächsten Gemeinderat zu beschließen. Eine öffentliche Diskussion habe kaum stattgefunden, obwohl 330 Anrainer eine Petition gegen das Projekt unterzeichnet haben. „Das öffentliche Interesse wird ignoriert.“
„Offenbar haben SPÖVP dem Spekulanten längst alles zugesagt. Im Hinterzimmer. Anders ist es nicht zu erklären, dass die Bebauungsplan-Änderung „Am Teich“ (Auberg) schon in der nächsten Gemeinderatssitzung durchgeboxt werden soll.“
Die ÖVP hatte in Presseaussendungen zuvor gefordert, den Gestaltungsbeirat einzubeziehen und für Transparenz im Verfahren zu sorgen. Für LinzPUS sei das jedoch eine rein symbolische Maßnahme: „Es geht nicht um Fassadendetails, sondern um die grundsätzliche Frage, ob und wie dicht gebaut werden darf“, so Lorenz Potocnik.
Das Projekt steht auch im größeren Kontext der Nachverdichtung in Linz, einem städtebaulichen Ziel, das zunehmend kontrovers diskutiert wird. Während Stadt und Politik auf innerstädtisches Wachstum statt Zersiedelung setzen, warnen Kritiker vor Bodenversiegelung, Verlust von Grünflächen und Preisspekulationen. Potocnik bezweifelt zudem, dass hier „leistbarer Wohnbau“ entstehen könne: unter 8.000 Euro pro Quadratmeter sei am Auberg nicht zu rechnen.
„Die Bebauungsplan-Änderung (drei Geschosse Wohnbau statt eingeschossiger Garage wären dann möglich) steigert den Wert des Grundstücks schlagartig auf das Dreifache. „Nur darum geht es dem Spekulanten. Mit minimalem Aufwand und dank guter Kontakte soll maximaler Gewinn erzielt werden.“
Ob die Bebauungsplan-Änderung tatsächlich beschlossen wird, entscheidet sich in der nächsten Gemeinderatssitzung. Die Stimmen von SPÖ und ÖVP dürften auf jeden Fall fix für die weitere Verbauung des Aubergs sein. Für viele Linzer gilt der Fall „Am Teich“ als Gradmesser dafür, wie transparent und ausgewogen Stadtentwicklung künftig gestaltet wird – zwischen dem Druck zur Nachverdichtung und dem Anspruch auf öffentliche Teilhabe und Erhaltung des grünen Charakters des Aubergs.



















