„Mit der Öffi-Offensive investieren wir so viel in den Ausbau des öffentlichen Verkehrs wie noch nie zuvor. Damit schaffen wir attraktive Alternativen zum Auto, verbessern die Mobilität und entlasten die Straßen. Gleichzeitig müssen wir auch die Situation für Autofahrer verbessern und insbesondere beim Parken für Entlastung sorgen. Ziel sind mehr und leistbare Parkplätze für Linz“, sagt Vize-Bürgermeister Martin Hajart. Bislang war die Stoßrichtung eher dahingehend, dass Linz Parkplätze abbaut. Grundlage für diese neue Stoßrichtung: die Stadt wächst und damit auch die Anzahl der Autos. Aktuell gibt es 107.000 PKWs in Linz, alleine im letzten Jahr stieg der absolute Wert um 660.
In Linz wächst die Anzahl der Autos (+0,6%) stärker als jene der Einwohner (+0,4%). Auf 1.000 Linzer kommen 503 Autos – generell kann man sagen: Je kleiner die Städte, desto mehr Autos gibt es. In Wien sind es nur 363, in Graz 467 und in Wels 624 Autos pro 1.000 Einwohner. Pro Haushalt kommt Linz auf 1,2 PKWs, nur 13% der Haushalte in Linz hatten laut letzter Bürgerbefragung von 2017 kein eigenes Auto.
All diese Zahlen veranlassen die Linzer ÖVP, das Thema Parken neu anzudenken. „Linz braucht eine neue, ganzheitliche Parkraumpolitik“, sagt Martin Hajart, in dessen Ressort das Thema hauptsächlich (aber nicht alleinig) fällt. Ein großes Thema dabei seien „leistbare Bewohnerparkplätze“, so Hajart. Gelingen soll das mit Quartiersgaragen, die erste entsteht derzeit in der Petzoldstraße, wo Bewohner um 39 Euro im Monat parken können – allerdings nur außerhalb der Bürozeiten, da die Garage tagsüber den Mitarbeitern der Tabakfabrik zur Verfügung stehen soll.
Sehr nachlässig sei man auch mit der Stellplatzverordnung bei Neubauten umgegangen. Grundsätzlich sieht die oö. Bautecknikverordnung pro Wohneinheit einen Stellplatz vor. Diese Rechnung ging aber nicht mehr auf, denn in Linz wurde alleine zwischen 2014 und 2024 die Errichtung von über 6.200 Stellplätzen nachgesehen. „Hier braucht es eine Trendwende, die Parkplatzprobleme dürfen nicht auf die jeweilige Umgebung abgewälzt werden“, sagt ÖVP Linz-Geschäftsführer Michael Obrovsky. Grundlage für das Nachsehen ist meist eine vorhandene, entsprechende Öffi-Anbindung. „Dabei wird aber übersehen, dass die Menschen trotzdem ein Auto haben wollen.“
„Wir wollen in dieser schwierigen Lage keine zusätzlichen Gebühren einführen.“
Aufgrund der nicht mehr strikt eingehaltenen Stellplatzverordnung mussten in der Vergangenheit vermehrt Bewohnerparkkarten ausgegeben werden, was den allgemeinen Parkplatzdruck erhöhte. Wohl auch ein Problem: die Preisgestaltung bei den Bewohnerparkkarten, die es nirgendwo sonst so günstig gibt wie in Linz – in Graz und Wien sind die Tarife dreimal so hoch, gleichzeitig sind die Einnahmen aus dieser Position mit 440.000 Euro/Jahr verschwindend gering. An eine Verteuerung denkt Hajart aber nicht: „Wir wollen in dieser schwierigen Lage keine zusätzlichen Gebühren einführen.“
Auch die Tarife in den Kurzparkzonen müssten eigentlich längst angehoben werden. Die letzte Verteuerung liegt bereits 13 Jahre zurück – damals wurde versprochen, dass es fünf Jahre lang (also bis 2018) keine Erhöhung der Tarife gibt. Aktuell gäbe die Inflation sogar eine ziemlich runde Erhöhung her: Laut Teuerung wurden aus zwei Euro im Jahr 2013 aktuell 2,92 Euro – drei statt zwei Rio für eine Stunde Parken, was immer noch relativ günstig wäre.
Eine Tarifanpassung würde aber auch deswegen wenig Sinn machen, weil es bei der letzten Erhöhung 2013 ein Parkstunden- und damit Einnahmen-Minus von 25 Prozent gegeben habe, so Hajart. Auch eine Ausweitung der Gebührenzone sieht Hajart kritisch: Trotz Ausdehnung seien die bezahlten Parkstunden von über 5 Millionen (1999) auf 3,1 Millionen Parkstunden im Jahr 2024 zurückgegangen.
„Die Vertreibung der Autofahrer als Einkaufskunden ist für die Stadt kontraproduktiv.“
97 Millionen Euro Netto-Gewinn aus der Parkraumbewirtschaftung
In den letzten 20 Jahren hat die Stadt Linz aus der Parkraumbewirtschaftung einen Netto-Gewinn von 97 Millionen erwirtschaftet – oder knapp 5 Millionen pro Jahr – eine überschaubare Summe angesichts des enormen Platzbedarfs der Parkplätze. Den Einnahmen aus Parkgebühren und Parkstrafen von rund 152 Millionen Euro standen Ausgaben für Überwachung, Strafgeldbearbeitung und Automaten von 55 Millionen Euro gegenüber.
Auch für die Wirtschaft brauche es wieder mehr Parkplätze: „Wir wollen wieder mehr autofahrende Besucher, die in die Stadt kommen und nicht aus der Stadt hinausfahren, denn die Vertreibung der Autofahrer als Einkaufskunden ist für die Stadt kontraproduktiv.“ Hajart denkt dabei an den Ausbau von Park & Ride Anlagen. Zudem müsse das Handyparken günstiger werden, aktuell zahlt man in Linz für jeden Parkvorgang zusätzlich mindestens 55 Cent „Servicegebühr“, in Wels sind es nur 20 Cent. Dazu wurde im März auf Initiative der Linzer VP vom Gemeinderat einstimmig der Auftrag an Finanzstadtrat Gegenhuber für niedrigere Servicegebühren und mehr Wettbewerb dem Wirtschafts- und Finanzausschuss zugewiesen.












