39,3 Grad gemessen beim Linzer Hauptbahnhof – diese Zahl ging in den vergangenen Tagen durch zahlreiche Medien. Der auch von Klimastadträtin Eva Schobesberger vermittelte Eindruck inklusive reißerischer Schlagzeilen: Linz habe einen neuen Hitzerekord aufgestellt – und das sogar um über 1° mehr als des seit Mitte des 19. Jahrhunderts gemessenen Höchstwerts. Doch dieser vermeintliche Rekord hat einen entscheidenden Haken.
Denn: Gemessen wurde der Wert an der Messstation des Landes Oberösterreich beim Linzer Hauptbahnhof in der Kärntnerstraße. Die Station befindet sich mitten auf einem stark versiegelten, voll der Sonne ausgesetzten Areal und ist erst seit 2014 in Betrieb. Ihr eigentlicher Zweck ist nicht die Klima-, sondern die Luftgüteüberwachung. Zwar werden dort auch Temperatur, Windrichtung und Windgeschwindigkeit erfasst, sie ist jedoch keine offizielle Klimamessstation.
Für offizielle Temperaturrekorde sind die langjährig betriebenen und entsprechend geeichten Messstationen der GeoSphere Austria (früher ZAMG) maßgeblich. Nur sie ermöglichen aufgrund ihrer standardisierten Standorte und jahrzehntelangen Messreihen seriöse Vergleiche. Der offizielle Temperaturrekord für Linz liegt daher weiterhin bei 38,2 Grad.
Gerade beim sensiblen Thema Klimawandel sollten Politik und Medien besonders sorgfältig mit Daten umgehen. Einzelne Messwerte von einem Hitze-Hotspot als neuen Temperaturrekord zu präsentieren, sorgt zwar für Aufmerksamkeit, trägt aber kaum zu einer sachlichen Diskussion bei. Wer Vertrauen in Klimadaten schaffen will, muss sauber zwischen offiziellen Klimamessungen und lokalen Hitzeinseln unterscheiden. Sensibilität und Seriosität wären hier wichtiger als plakative Schlagzeilen.













