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„Vom Bahnhof bis ins Wohnviertel: Linz muss sauberer werden“

7. September 2026
in Linz, Politik
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Dreck, Alkohol, Drogen und Problemzonen, die sich offenbar von einem Ort zum nächsten verschieben: Rund um den Linzer Hauptbahnhof ist längst nicht alles so sauber und sicher, wie es sich für die Visitenkarte einer Stadt gehören würde. LINZA traf Vizebürgermeister Martin Hajart (ÖVP) direkt vor Ort. Er fordert mehr Konsequenz – und wirft vor allem Bürgermeister Dietmar Prammer vor, Probleme zu lange auszusitzen. 

Martin Hajart, wir stehen hier am Hauptbahnhof. Wer mit offenen Augen durch die Gegend geht, sieht schnell: Linz hat ein Sauberkeitsproblem. Wird das ein Thema bei der Wahl 2027?
Ich glaube schon, dass das die Menschen beschäftigt. Wir nehmen vielerorts ein Verwahrlosungsproblem wahr. Das betrifft Bahnhofsvorplatz, Bahnhofspark und südliche Landstraße, aber auch viele Wohngebiete. Wir haben ein Problem mit Sauberkeit und Sicherheit, aber auch mit Drogen. Da gehört endlich gesamthaft etwas getan.

Erst die jahrelangen Probleme im Hessenpark, dann Volksgarten, Bahnhof und GWG-Park – warum braucht Linz so lange, bis etwas passiert?
Weil die Probleme nie ganzheitlich angegangen wurden. Stattdessen wird teilweise bewusst weggeschaut. Bürgermeister Prammer versucht Probleme möglichst schnell wegzuschieben. Beim Sicherheitsreferenten Michael Raml ist es ähnlich: Wie kann ich das Problem in eine andere Verantwortlichkeit schieben, ohne selbst handeln zu müssen? So verschwinden die Probleme nicht, sondern werden schlimmer.

„Wer vom Bahnhofspark über den Volksgarten und die südliche Landstraße geht, sieht Dinge, die für mich  mit Verwahrlosung zu tun haben.“
Vizebürgermeister Martin Hajart

Großstädte wie Frankfurt kämpfen mit weit schlimmeren Zuständen. Gehört ein gewisses Maß an Verwahrlosung nicht einfach dazu?
Nein. Gerade Frankfurt zeigt, dass man trotz großer Probleme handeln kann. Beim bekannten „Frankfurter Weg“ arbeiten unterschiedliche Akteure zusammen und koordinieren ihre Maßnahmen. Genau dieses gemeinsame Vorgehen fehlt mir in Linz.

Fehlt der politische Wille?
Absolut. Wir haben bereits 2023 ein Alkoholverbot für das Bahnhofsumfeld beantragt – passiert ist nichts. Auch bei unserem Rauchverbot auf Kinderspielplätzen ist nichts passiert. Ein Konzept gegen Drogen sowie eine Neuauflage des Sicherheitsprogramms wurden von SPÖ und FPÖ abgelehnt. Durch Wegschauen löst man nichts.

Sie wollen den GWG-Park beim Südbahnhofmarkt nachts sperren. Zäune und Schlösser – ist das wirklich die Lösung?
Wir reden von einem Modellversuch. Der GWG-Park ist relativ klein. Man könnte ihn einzäunen und zwischen 22 und 5 Uhr schließen. Solche Modelle gibt es von Wien bis New York und Tokio. Probieren wir es ein Jahr aus und ziehen danach Bilanz.

Was bringt ein zugesperrter Park konkret?
Vor allem den Anrainern ruhigere Nächte. Viele sagen uns, dass sie kaum schlafen können, weil dort bis in die Morgenstunden alkoholisiert gefeiert und gegrölt wird. Dazu kommt der Schmutz. Eine nächtliche Sperre würde für Entlastung sorgen.

Wandert das Problem dann nicht einfach 500 Meter weiter?
Genau deshalb braucht es ein gesamtheitliches Konzept. Es bringt nichts, erst zu reagieren, wenn die Situation an einem Ort eskaliert. Sauberkeit, Sicherheit und Drogenproblematik müssen gemeinsam gedacht werden, sonst verschieben wir die Probleme nur.

Früher gab es in Linz Parkwächter, die auf „ihre“ Parks akribisch aufgepasst haben. Wäre das heute wieder denkbar?
Parkwächter würden aus meiner Sicht Sinn machen, das hat sich damals bewährt. Eigentlich haben wir mit dem Ordnungsdienst bereits eine Einrichtung, die für Ordnung sorgen sollte. Nur schreitet dieser bei wirklichen Problemen zu wenig ein.

Wir haben heute eher Parkplatzwächter als Parkwächter, 50 Prizent der Zeit gehen fürs Strafzettel schreiben drauf,  Sollten die Ordnungsdienstler eher dort eingesetzt werden, wo es tatsächlich Probleme gibt?
Auf alle Fälle. Ursprünglich war die Idee einer Stadtwache, gegen Ordnungswidrigkeiten vorzugehen. Der Ordnungsdienst hat sich aber anders entwickelt. Dabei gibt es gesetzliche Möglichkeiten einzuschreiten. Der Ordnungsdienst könnte handeln. Es bräuchte einen Sicherheitsreferenten, der das entsprechend einfordert.

Die Diskussion dreht sich fast nur um Landstraße, Bahnhof und Innenstadt. Gleichzeitig klagen Menschen in den Außenbezirken über immer weniger Reinigung. Gehört dieser Fokus nachgeschärft?
Beides ist wichtig. Innenstadt, Landstraße und Hauptbahnhof prägen für viele Besucher den ersten Eindruck von Linz. Wer vom Bahnhofspark über den Volksgarten und die südliche Landstraße geht, sieht Dinge, die für mich mit Verwahrlosung zu tun haben. Da muss man handeln. Genauso wichtig sind aber die Wohnviertel, in denen die Linzer tagtäglich leben.

Wien geht gegen weggeworfenen Müll oder Zigarettenstummel rigoros vor. Braucht Linz ebenfalls mehr Konsequenz?
Ja. Bewusstseinsbildung alleine ist zu wenig. Manche lernen es schwer, manche gar nicht. Deshalb braucht es neben mehr Reinigung auch empfindliche Strafen für jene, die den öffentlichen Raum bewusst verschmutzen.

2027 wird gewählt. Welche drei Maßnahmen würden Sie beim Thema Sauberkeit und Ordnung als Erstes umsetzen?
1. ein Alkoholverbot im Bahnhofsumfeld. Die Zustände, die man hier teilweise beobachten kann, sind nicht mehr tragbar. 2. würde ich die Reinigungsintervalle in der gesamten Stadt erhöhen. Und drittens braucht es empfindliche Strafen für jene, die sich bewusst nicht an die Regeln halten. Letztlich müssen diese drei Punkte Teil eines gesamtheitlichen Programms für mehr Sauberkeit und Sicherheit in Linz sein.

Foto: Lea Sophie Kraus

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