Der Linzer Hauptbahnhof hat einen erstaunlichen Schönheitsfehler: Von Süden ist er für Fußgänger und Radfahrer praktisch abgeschnitten. Wer aus dem Bereich Unionstraße oder Makartviertel kommt, muss einen Umweg von fast zwei Kilometern in Kauf nehmen. Dabei wäre die Lösung naheliegend: Der bestehende Personentunnel unter den Bahnsteigen müsste Richtung Süden verlängert – oder besser gesagt einfach aufgemacht werden, denn unter dem ÖBB-Betriebsgelände nördlich Bahnhofs gibt es diesen Tunnel bereits (nur ein kleines Verbindungsstück zur Unionstraße fehlt noch), er ist aber nicht öffentlich zugänglich. Und dieser „Durchstich“ wird immer dringender, denn genau dort soll in den kommenden Jahren ein neuer Stadtteil entstehen.
Wer heute von der Unionstraße in Richtung Hauptbahnhof unterwegs ist, erlebt ein städtebauliches Kuriosum. Obwohl Bahnhof und Bahnsteige teilweise nur wenige hundert Meter entfernt liegen, gibt es keinen direkten Zugang. Die Westbahntrasse samt ÖBB-Areal wirkt wie eine gewaltige Barriere mitten in der Stadt.

Zwischen Wiener Straße und Untergaumberg können die Gleisanlagen über eine Distanz von rund 1,8 Kilometern nicht gequert werden. Für Fußgänger bedeutet das: Statt auf direktem Weg zum Bahnhof zu gelangen, muss großräumig ausgewichen werden. Gerade für Bewohner des Makart- und Andreas-Hofer-Viertels ist das ärgerlich.
Der Tunnel ist bereits da
Kurios: Ein wesentlicher Teil der notwendigen Infrastruktur existiert längst. Unter den Bahnsteigen des Hauptbahnhofs verläuft bereits der Personentunnel, nur ganz am Ende hin zur Unionstraße fehlt noch ein kleiner Teil. Die Idee wäre daher keine völlig neue Unterführung quer unter dem gesamten Bahnhof, sondern eine Verlängerung beziehungsweise ein südlicher „Durchstich“ des bestehenden Tunnels. Damit könnte ein zweiter Bahnhofszugang Richtung Unionstraße und Wiener Straße entstehen – idealerweise barrierefrei und auch für Fahrräder nutzbar. Aus einem heute teils kilometerlangen Umweg könnte damit für viele Linzer ein Fußweg von wenigen Minuten werden.
Ideengeber dieser „Nahverkehrslösung“ im besten Sinne war LinzPLUS mit Lorenz Potocnik, die Gemeinderatsfraktion drängt seit Jahren auf diese Verbindung und hat das Thema wiederholt auf die politische Agenda gebracht.
Neuer Stadtteil macht Durchstich noch wichtiger
Warum der Zugang zum Hauptbahnhof in Zukunft dringend noch nötiger sein wir: Der heute noch wenig attraktiven Südseite des Hauptbahnhofs steht eine massive Aufwertung bevor. Zwischen Unionkreuzung, Wiener Straße und Hauptbahnhof soll in den kommenden Jahren ein neuer Stadtteil entstehen. Nachdem das Projekt lange feststeckte, könnte nach der Bereinigung der Eigentumsverhältnisse 2028 tatsächlich der Baustart erfolgen.

Auf dem fast 16.000 Quadratmeter großen Areal sind drei größere Baukörper geplant. Entstehen soll ein urbaner Nutzungsmix aus Wohnungen, Büros, Einzelhandel, Gastronomie, Werkstätten und einem Hotel. Herzstück soll direkt an der Unionkreuzung der rund 2.000 Quadratmeter große „Wiener Platz“ werden. Die überwiegend sechsgeschoßige Bebauung soll zudem zwei Hochpunkte mit bis zu zehn Geschoßen bzw. rund 35 Metern erhalten.

Damit wird aus einer heute großteils brachliegenden Gegend ein neues Stück Stadt. Eigentlich war genau diese Vernetzung schon bei früheren Überlegungen zur Entwicklung des Areals ein zentrales Thema. Bereits in den ursprünglichen Planungen war davon die Rede, die bisherige Barrierewirkung des Gebietes aufzubrechen und neue Wege und Verbindungen zwischen dem Linzer Süden und der Innenstadt zu schaffen.
Ein südlicher Bahnhofszugang wäre dabei weit mehr als eine Abkürzung für ein paar Anrainer. Er könnte den neuen Wiener Platz, die Unionstraße sowie das Makart- und Andreas-Hofer-Viertel direkt an einen der größten Verkehrsknoten Österreichs anbinden und gleichzeitig eine jahrzehntelange städtebauliche Barriere zumindest teilweise beseitigen.















