Das LINZA stadtmagazin hat bereits Mitte August die Ausgaben der Linzer NEOS-Gemeinderatsfraktion und ihrem Listenersten Georg Redlhammer genauer unter die Lupe genommen. Inzwischen beschäftigen die auffälligen Rechnungen auch andere Medien. Daraufhin sieht sich Redlhammer offenbar als Opfer einer parteiinternen Intrige rund um die Listenerstellung. Die entscheidende Frage bleibt jedoch unbeantwortet: Was haben zahlreiche Ausgaben wie Theaterbesuche und hohe Gastro-Rechnungen in Wien mit der politischen Arbeit der NEOS in Linz zu tun?
Am 18. August berichteten wir erstmals ausführlich über die Ausgaben der Linzer NEOS-Fraktion. Dabei zeigte sich ein seltsames Bild: Die NEOS veröffentlichen zwar zahlreiche Rechnungen auf ihrem Transparenzportal, bei etlichen Ausgaben bleibt für Außenstehende aber kaum nachvollziehbar, welchem konkreten politischen Zweck und Linz-Bezug sie dienten – für genau das sind Fraktions- und Mandatarenförderungen allerdings vorgesehen.
Nach dem LINZA stadtmagazin haben ÖSTERREICH und auch die OÖNachrichten den Fall aufgegriffen. Gegenüber den OÖN stellt Redlhammer die Debatte jedoch mit einer internen Intrige im Zuge der Listenerstellung in Zusammenhang. Ein nicht unüblicher Schachzug in der Politik: Mit dem Totschlagargument „Intrigen“ blieben viele Fragen unbeantwortet, die OÖN bohrten auch nicht nach, sondern beließen es bei ein paar Erklärungen Redlhammers, die sich zudem um Nebenschauplätze drehten.

Rückblick auf die NEOS Linz-Ausgaben seit 2022
Wir haben deshalb die veröffentlichten Datensätze der Linzer NEOS-Fraktion seit 2022 nochmals ausgewertet. Im Mittelpunkt stand dabei nicht die Frage, ob eine Rechnung ordnungsgemäß veröffentlicht wurde. Entscheidend war vielmehr: Ist für die Steuerzahler nachvollziehbar, welchen Bezug die Ausgabe zur Linzer Gemeinderatsarbeit und zur vorgesehenen politischen Meinungsbildung in Linz hat? Einmal mehr bleiben zahlreiche Fragezeichen. Auffällig sind etwa immer wieder Ausgaben außerhalb von Linz. Allein 2025 finden sich nach unserer Auswertung zumindest rund 1.700 Euro für Aufenthalte in Wien, darunter Hotels, Gastronomie sowie Theater- und Opernbesuche.
Noch größer wird das Fragezeichen beim Gesamtbild: Für 2025 ist bei rund 17.000 Euro aus den veröffentlichten Angaben kein ausreichender klarer Zusammenhang mit der Zweckwidmung der Förderung erkennbar.
Auch 2024 finden sich mehr als 3.200 Euro für Gastronomie und Verpflegung, teilweise außerhalb von Linz. Bei insgesamt rund 8.000 Euro bleibt nach unserer Auswertung anhand der veröffentlichten Informationen offen, welchem konkreten Förderzweck die Ausgaben zugeordnet wurden. Besonders ins Auge sticht ein Aufenthalt im August 2025: Für einen Aufenthalt und eine Veranstaltung in Mondsee scheinen Kosten von rund 2.800 Euro auf. Das gebuchte Hotel hat Nächtigungspreise ab 500 Euro. Eine für Außenstehende nachvollziehbare Erklärung, welche konkrete Fraktionsarbeit dahinterstand, fehlt in den veröffentlichten Daten.

Und die Entwicklung setzt sich fort: Allein im ersten Halbjahr 2026 summieren sich Gastronomie- und Verpflegungsausgaben nach unserer Auswertung auf mehr als 5.700 Euro. Bei über 11.500 Euro bleibt anhand der veröffentlichten Angaben die konkrete Zweckwidmung zumindest erklärungsbedürftig. Allein für Gastronomie und Verpflegung wurden zwischen 2022 und 2026 über 16.000 Euro ausgegeben. Nur fürs Parken über 2.100 Euro, für IT-Hard- und Software über 33.000 Euro – bei einer zweiköpfigen Fraktion wohlgemerkt.
-> Wer selbst einen Blick darauf werfen will. Transparenz von NEOS und Rechenschaftsberichte
Kommentar
Transparenz, die neue Fragen schafft
Vermutlich haben auch andere Parteien einen ähnlichen Umgang mit den Fördergeldern, die eigentlich zur politischen Willensbildung in Linz ausgegeben werden sollten. Veröffentlichen müssen die Parteien den Zweck ihrer Ausgaben nicht. Rechnungen online zu stellen, ist zweifellos mehr, als die anderen Parteien tun. Wenn man aber wie NEOS Transparenz zum politischen Markenzeichen macht, muss man sich auch Fragen gefallen lassen – und darf diese nicht als „Intrige“ abtun.
Was haben eine Hotelrechnung, ein Restaurantbesuch oder zahlreiche Theaterkarten und Opernbesuche in Wien mit dem Linzer Gemeinderat oder politischer Willensbildung in Linz zu tun – diese Frage haben NEOS und Georg Redlhammer bislang nicht beantwortet. Auch nicht, ob es zur „politischen Willensbildung“ gehört, dass „jemand“ unzählige kleine (Jausen-) Rechnungen von wenigen Euros von BILLA, DM oder SEWA anhäufte. Meist geht es da um ein paar Euro, aber ist eine (private) jause oder Frühstück etwas, das die Partei übernehmen sollte? Ohne Veranstaltung, Anlass, Teilnehmer oder nachvollziehbare Zuordnung bleiben die Finanzgebaren von NEOS ein pink-schwarzes Loch … egal ob es ein paar Euros oder hohe vierstellig Beträge sind.
Redlhammer nahm in den OÖN zu den NEOS-Ausgaben zwar Stellung, er ließ aber entscheidende Punkte offen. „Ich habe eine Gehbeeinträchtigung. Auf Parkhäuser bin ich angewiesen, wenn ich keinen Behindertenparkplatz finde“, sagte er etwa zu verursachten Parkgebühren, einem absoluten Nebenschauplatz. Wobei hier vor allem kritisiert würde, dass (mutmaßlich) Redlhammer unzählige Kurzzeit-parkscheine konsumiert, statt einen weit günstigeren Jahresparkplatz in der betreffenden Tiefgarage zu buchen. Spannender wären Stellungnahmen zu den enorm hohen Hotelrechnungen, Restautrant- und Theaterbesuchen in Wien gewesen. Aber vielleicht wird diese „Transparenz“ ja noch mit Inhalt gefüllt.
Als interessierter Bürger oder gar NEOS-Wähler bleibt man ratlos zurück: Warum wurde so viel Geld in Wien ausgegeben? Was haben diese Ausgaben und so viele andere mit der Zweckwidmung der Linzer Mandatarinnenförderung zu tun? Wurden hier private Ausgaben mit beruflichen vermischt? Wozu dient die NEOS-Transparenz, wenn man als Bürger damit nichts anfangen kann?















