Aufstieg nach 26 Jahren, dann im Frühjahr der schmerzliche Fall in die zweite Linz: Der FC Blau-Weiß Linz erlebt aktuell ein Wellenbad der Gefühle, nach einem fulminanten Saisonauftakt mit vier Siegen in der zweiten Liga stottert der Motor jenes Klubs, der ASAP wieder zurück in die 1. Liga will. Mehr als genug Gründe für einen Talk mit Blau-Weiß-Geschäftsführer Christoph Peschek, der das Klub-Motto „Unbeugsamkeit“ auch in Liga 2 hochhalten will.
Christoph Peschek, wir wollen ein bisschen über die aktuelle Entwicklung bei Blau-Weiß Linz sprechen. Trotz des Abstiegs im vergangenen Jahr ist die Stimmung gefühlt ausgesprochen positiv. Die Fans scheinen zufrieden, die Mannschaft ist gut in die Saiosn gestartet. Man könnte also sagen: Alles „richtig“ gemacht. Sind Sie gut in der 2. Liga angekommen?
Gut angekommen ist nach einem Abstieg natürlich relativ. Wir hoffen, dass es ein kurzes Gastspiel ist, und wollen gleich wieder in die Bundesliga aufsteigen. Was mich persönlich sehr beeindruckt, ist der enorme Zusammenhalt und die enorme Unterstützung. Das Wort „Unbeugsamkeit“, das auf den großen Transparenten immer wieder zu lesen ist, ist definitiv mehr als nur ein Wort, sondern wird hier tatsächlich gelebt. Insofern sind wir sehr demütig und sehr dankbar. Wir freuen uns über den guten Start, wissen aber auch: Nach ein opaar guten Runden ist noch keiner Meister geworden.

Wenn der Wiederaufstieg gelingt, stellt sich eine grundsätzliche Frage: Kann man diesem Kreis von fünf oder sechs kleineren Klubs, die in der Bundesliga regelmäßig gegen den Abstieg kämpfen, überhaupt entkommen? Kann sich Blau-Weiß langfristig nach oben absetzen und im Mittelfeld etablieren?
Sie beschreiben es richtig. Die Schere innerhalb der österreichischen Bundesliga wird zunehmend größer – auch aufgrund der internationalen Bewerbe und der damit verbundenen Erlöse. Für fünf oder sechs Klubs wird es daher wohl auch in den nächsten Jahren eine enge Geschichte bleiben. Wenn es uns gelingt, wieder in die Bundesliga zu kommen und die nächsten Entwicklungsschritte zu setzen, wollen wir uns natürlich im Mittelfeld etablieren. Ich glaube, dass der Klub das Potenzial dazu hat.
„Wir sind ein bodenständiger, nahbarer Klub, der für Zusammenhalt, Gemeinschaft und harte Arbeit steht. Das sind Werte, mit denen sich gerade in Oberösterreich viele Unternehmen identifizieren können.“
Man muss aber auch die unterschiedlichen Voraussetzungen berücksichtigen. Der GAK hat beispielsweise ein größeres Stadion. Wenn wir im Schnitt bei 5.500 Zuschauern liegen und oftmals ausverkauft sind, der GAK aber 7.000 oder 7.500 Zuschauer hat, macht das einen erheblichen Unterschied. Bei 2.000 zusätzlichen Zuschauern, einem durchschnittlichen Ticketpreis von 20 bis 25 Euro und 16 Heimspielen sprechen wir bereits von einem hohen sechsstelligen Betrag an zusätzlichen Erlösen.
Wie gelingt es trotz des im Vergleich zum LASK überschaubaren Umfelds, immer wieder neue Partner zu gewinnen und bestehende zu halten? Warum kommen Sponsoren zu Blau-Weiß? Die positive Strahlkraft alleine wird nicht reichen – zum Verschenken hat heute kein Unternehmen mehr etwas. Oder liegt es daran, dass Sie so ein netter und herzeigbarer Kerl sind?
Wir bemühen uns natürlich alle, nett zu sein (lacht), aber Spaß beiseite: Ich glaube, entscheidend sind unsere klare Positionierung und die Werte des Vereins. Wir sind ein bodenständiger, nahbarer Klub, der für Zusammenhalt, Gemeinschaft und harte Arbeit steht. Das sind Werte, mit denen sich gerade in Oberösterreich viele Unternehmen identifizieren können.
Als sogenannter Binnenmigrant habe ich schnell gelernt, dass hier diese Hands-on-Mentalität sehr ausgeprägt ist: tun, machen und dazu eine hohe Anschlagqualität. Gemeinsam mit unseren großartigen Fans ist es uns gelungen, Blau-Weiß klarer zu positionieren. Unsere Beliebtheit ist von drei auf mittlerweile neun Prozent gestiegen. Gleichzeitig wollen wir demütig bleiben und nicht durch große Sprüche, sondern durch harte Arbeit überzeugen.
Berlins Ex-Bürgermeister Klaus Wowereit hat einmal gesagt: „Berlin ist arm, aber sexy.“ Ist das ein bisschen auch ein Verkaufsargument für Blau-Weiß? Nach dem Motto: Wir haben zwar weniger Geld und spielen keine Champions League – dafür sind wir vielleicht der coolere Klub…?
Ob wir der coolere Klub sind, sollen andere beurteilen. Aber wir haben definitiv ein sehr klares Profil: Blau-Weiß steht für Bodenständigkeit, Nahbarkeit, Zusammenhalt und eine vielfältige Fan-Community. Und wir verstehen uns als Arbeiterverein – im Sinne von: durch harte Arbeit zum Erfolg.
LASK, SV Ried und wir haben sehr unterschiedliche Positionierungen und kommen uns daher auch nicht wirklich ins Gehege. Jeder steht für andere Werte und Zugänge. Der Wirtschaftsraum Oberösterreich ist stark genug, dass jeder seine Rolle spielen kann.
Uns freut, dass Blau-Weiß mittlerweile breiter aufgestellt ist und wir auch größere Partner gewinnen konnten. Das zeigt, dass sich der Verein dynamisch entwickelt und unsere Werte auch für Unternehmen attraktiv sind. Genau diesen Weg wollen wir fortsetzen.
Wie sieht es mit dem Trainingszentrum aus? Nachdem die Trauner Variante gescheitert ist, sollen bereits Alternativen geprüft werden. Bitte um eine aktuelle Wasserstandsmeldung.
Meine Enttäuschung über die Trauner Stadtpolitik möchte ich nicht verhehlen. Wir haben dort zwei bis drei Jahre Gespräche geführt, alle Konzepte lagen am Tisch. Ich hätte eine klare Win-win-Situation gesehen. Aus meiner Sicht wurde aber nicht mit offenen Karten gespielt und teilweise dilettantisch agiert. Jetzt prüfen wir intensiv Möglichkeiten, das Projekt in Linz zu realisieren. Ziel ist ein Nachwuchszentrum mit Perspektive auf eine Akademie – idealerweise mit zwei Rasenplätzen, einem Kunstrasenplatz und entsprechender Infrastruktur.
Wir haben den Verein in den vergangenen Jahren finanziell stabilisiert und viele Entwicklungsschritte gesetzt. Jetzt gilt der Fokus dem Wiederaufstieg, parallel hat aber auch das Nachwuchszentrum hohe Priorität. Wir arbeiten mit Hochdruck daran, müssen aber wirtschaftlich seriös Schritt für Schritt vorgehen.
„Wir haben uns in vielen Bereichen nahezu verdreifacht – eine Entwicklung, die uns wohl die wenigsten zugetraut hätten.“
Kommen wir noch zu Ihren umstrittenen Aussagen über die „gläserne Decke“ und dem Ende der Wachstumsphase von Blau-Weiß Linz. Das ist Ihnen ordentlich um die Ohren geflogen. Wie stehen Sie heute dazu?
Das war Mut zur Wahrheit. Man muss die Aussage ganzheitlich betrachten. Unsere DNA ist, dass wir ein Klub für alle sein wollen, bei dem nicht die Brieftasche entscheidet. Wir waren sehr häufig ausverkauft. Natürlich könnten wir die Ticketpreise deutlich erhöhen, aber damit würden wir einen Weg verlassen, der uns auch stark gemacht hat. Wenn ein Stadionausbau kurzfristig unrealistisch ist, muss man akzeptieren, dass Wachstum nicht endlos möglich ist. Wir haben uns in vielen Bereichen nahezu verdreifacht – eine Entwicklung, die uns wohl die wenigsten zugetraut hätten. Mittlerweile gehören wir zu den beliebtesten Klubs des Landes. Natürlich gibt es weiterhin Potenzial, etwa bei Sponsoring, Mitgliedschaften oder Transfererlösen. Aber jeder Klub kommt irgendwann an Grenzen. Genau das war mit der „gläsernen Decke“ gemeint – aber nicht dahingehend, dass wir uns nicht weiterentwickeln wollen. Zile muss sein, der Größte unter den fünf, sechs „Kleinen“ zu werden.
Fans, Öffentlichkeit und Sponsoren wünschen sich eine Vision. Vielleicht 8.000 Plätze, einmal Conference League oder dauerhaft der Größte unter den fünf, sechs „Kleinen“? Wo soll Blau-Weiß hin?Unsere Vision ist klar: Wir wollen uns in der Bundesliga etablieren und einer der ersten Jäger der Top 6 werden.Und vielleicht gelingt es in einer außergewöhnlichen Saison auch einmal, einen internationalen Startplatz zu erreichen.
Wir haben in den vergangenen Jahren bereits Ziele übertroffen, die manche für unrealistisch hielten. Trotzdem dürfen wir uns nicht verkalkulieren oder in Größenwahn verfallen. Große Ziele ja – aber immer mit einer realistischen Strategie, die den Klub wirtschaftlich nicht gefährdet.
















