Die Kosten explodieren, die Verkehrsprognosen seien längst überholt und statt weniger drohe Linz am Ende sogar mehr Autoverkehr: Gerald Oberansmayr von der Initiative „Verkehrswende jetzt!“ rechnet in einem offenen Brief scharf mit der A26 ab. Trotz laufender Bauarbeiten fordert er, beim Linzer Westring die Reißleine zu ziehen.
Die A26 ist längst Realität: Die neue Donaubrücke ist in Betrieb, am nächsten Abschnitt wird gebaut. Für Gerald Oberansmayr von der Initiative „Verkehrswende jetzt!“ ist die Diskussion über Sinn und Unsinn des Milliardenprojekts trotzdem keineswegs erledigt.
„Irgendwann muss Schluss sein. Genug ist genug!“, schreibt Oberansmayr. Ein Ausstieg sei auch jetzt noch besser, als weitere Milliarden in ein Projekt zu investieren, dessen Grundlagen er massiv anzweifelt.
„Dass die Diskussion über die A26 überholt ist, ist falsch. Sie ist nicht überholt, sondern aktueller denn je. Und sie wird auch weitergehen, wenn man nicht das einzig Richtige macht und die Reißleine zieht.“
Von 527 Millionen auf fast 1,3 Milliarden Euro
Tatsächlich haben sich die finanziellen Dimensionen seit den ursprünglichen Planungen drastisch verändert. 2009 wurden für die A26 noch Kosten von rund 527 Millionen Euro genannt. Inzwischen liegt die Größenordnung bei knapp 1,3 Milliarden Euro – ein Plus von rund 770 Millionen Euro beziehungsweise fast 150 Prozent. Für Oberansmayr ist deshalb auch das Argument nicht haltbar, die Grundsatzdiskussion komme zu spät: „Sie ist nicht überholt, sondern aktueller denn je.“
Alte Verkehrsprognosen im Visier
Besonders scharf kritisiert Oberansmayr die rund 15 Jahre alten Verkehrsprognosen. Nach seiner Darstellung befinde sich das Verkehrsaufkommen bereits heute auf einem Niveau, das ursprünglich erst für die Zeit nach Fertigstellung der A26 erwartet worden sei.
Gleichzeitig widerspricht er der von der ASFINAG versprochenen Entlastungswirkung. Die im Genehmigungsverfahren verwendeten Verkehrszahlen würden aus seiner Sicht vielmehr zeigen, dass die A26 zusätzliche Kfz-Fahrten erzeugt. Schon nach Eröffnung der Donautalbrücke sei der Verkehr auf der Rohrbacher Straße gestiegen.
Für Oberansmayr liegt das grundsätzliche Problem ohnehin woanders: Linz habe jahrzehntelang zu stark auf das Auto gesetzt, während öffentlicher Verkehr und Radverkehr von Stadt und Land nicht konsequent genug ausgebaut worden seien.
Frontalangriff auf ASFINAG und Politik
Entsprechend heftig fällt seine Kritik aus. Oberansmayr wirft der ASFINAG vor, seit Jahren eine Entlastung der Stadt zu versprechen, obwohl die eigenen Planungsgrundlagen aus seiner Sicht dagegen sprächen. Stadt und Land seien der ASFINAG dabei „auf den Leim gegangen“.
Noch drastischer wird seine Wortwahl bei den Kosten. Oberansmayr spricht von „Geldvernichtung“ und bezeichnet eine Fortsetzung des Projekts angesichts der aus seiner Sicht fehlenden fachlichen Grundlage sogar als „kriminelle Vorgangsweise“. Einen Nachweis für strafrechtlich relevantes Verhalten führt er in seinem offenen Brief allerdings nicht an. Zusätzlich warnt er vor weiteren Kostensteigerungen. Gerade bei einem technisch aufwendigen Tunnelprojekt seien die finanziellen Risiken der kommenden Jahre schwer abzuschätzen.
Prammer soll genauer hinsehen
Bürgermeister Dietmar Prammer fordert Oberansmayr auf, nicht nur die Kostensteigerungen „sehr genau“ zu prüfen. Dieselbe Aufmerksamkeit müsse auch den ursprünglichen Verkehrsprognosen und der versprochenen Entlastungswirkung gelten. Auch die Medien nimmt der Aktivist ins Visier. Insbesondere die OÖNachrichten fordert er auf, ihre bisherige Berichterstattung zur A26 kritisch zu hinterfragen.















