Einmal im Jahr kaufen wir ohne ernährungstechnischem Hintergrund völlig freiwillig Gemüse, schneiden ihm den Deckel ab, höhlen es aus, verpassen ihm ein möglichst grausliches Gesicht und stellen es anschließend mit einer Kerze vor die Haustür. Halloween macht’s möglich. Aber warum ausgerechnet Kürbisse?
Ende Oktober frönen wieder ungezählte mehr oder weniger geübte Kürbisschnitzer ihrem Handwerk. Was als amerikanischer Gruselspaß verortet wird, hat eine wesentlich längere und durchaus schräge Geschichte.
Wer bei Halloween zuerst an Kürbisse, Geister und amerikanischen Grusel-Klamauk denkt, liegt historisch nur teilweise richtig. Seine Wurzeln hat das Fest nämlich auf den britischen Inseln, insbesondere in Irland. Der Name stammt von „All Hallows’ Eve“, dem Abend vor Allerheiligen. Gleichzeitig finden sich Parallelen zum alten keltischen Samhain-Fest, mit dem das Ende des Sommers und der Beginn der dunklen Jahreszeit gefeiert wurden. Der Überlieferung nach war das auch jene Zeit, in der die Grenze zwischen der Welt der Lebenden und jener der Toten besonders dünn sein sollte.
Und dann wäre da noch Stingy Jack – eine der schillerndsten Figuren der irischen Sagenwelt. Jack soll ein gerissener Hallodri gewesen sein, der selbst den Teufel mehrmals übers Ohr legte. Das rächte sich spätestens nach seinem Tod: Für den Himmel war Jack zu sündig, in der Hölle wollte ihn der ausgetrickste Teufel aber ebenfalls nicht haben. Als Trost gab es lediglich ein Stück glühende Kohle, das Jack in eine ausgehöhlte Rübe steckte und damit fortan durch die Dunkelheit ziehen musste. So entstand der Legende nach „Jack of the Lantern“ – Jack O’Lantern.
Der Kürbis kam übrigens erst später ins Spiel. Irische Auswanderer brachten den Brauch im 19. Jahrhundert nach Nordamerika. Dort waren Kürbisse größer, leichter auszuhöhlen und vor allem reichlich vorhanden. Die Rübe hatte damit ausgedient – und Halloween bekam jenes orange Gesicht, das heute fast jeder kennt.

Und seit wann schnitzen wir in Österreich?
Interessant: Ganz so amerikanisch ist die Sache bei uns gar nicht. Das Aushöhlen von Rüben und Kürbissen und das Hineinstellen eines Lichtes gab es in Teilen Österreichs schon lange vor dem modernen Halloween-Boom. So verweist u.a. der ORF darauf, dass in Österreich bereits im 19. Jahrhundert rund um Allerheiligen Kürbisse geschnitzt wurden. 1957 kündigte „Radio Österreich“ eine entsprechende Bastelsendung zu Halloween an.
Das Halloween, wie wir es heute kennen – Kürbisfratzen, Kostüme, Partys und „Süßes oder Saures“ –, setzte sich in Österreich allerdings erst in den 1990er-Jahren richtig durch. In Tirol etwa sind erste Halloween-Feiern in Studenten-WGs um 1990 dokumentiert, ab Mitte der 1990er sprangen erste Lokale auf den Zug auf.
Vom Geisterschreck zum Familienbasteln
Seine ursprüngliche Aufgabe hat der Kürbiskopf inzwischen weitgehend verloren. Kaum jemand stellt heute eine Jack O’Lantern vor die Haustür, weil er ernsthaft befürchtet, dass andernfalls nachts böse Geister ins Wohnzimmer spazieren.
Nicht nur in Österreich ist Halloween vor allem ein kommerzielles Thema: Für 2026 rechnet der österreichische Handelsverband mit rund 80 Millionen Euro zusätzlichem Umsatz bzw. Ausgaben im heimischen Handel. Rund 61 % der Österreicher feiern Halloween, und wer dafür einkauft, gibt durchschnittlich 61 Euro zusätzlich aus.
















