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Stadion-Frust in Salzburg und Graz: Linz zeigt, wie es auch gehen kann

23. Oktober 2026
in Meinung, Sport
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Austria Salzburg kämpft mit einer viel zu kleinen Heimstätte, Sturm und GAK seit Jahren mit der Stadionfrage in Graz. Während dort geprüft, diskutiert und vertagt wird, hat Linz längst Fakten geschaffen: LASK und Blau-Weiß verfügen über eigene neue Stadien. Der Vergleich zeigt: Wo Stadt, Land und Vereine gemeinsam wollen, geht offenbar einiges. Anders in Graz und Salzburg – dort kämpft die Politik regelrecht gegen den Profisport.

Drei Traditionsvereine, zwei Landeshauptstädte und ein Problem: die Stadien. Während die Klubs sportlich vorankommen, hinkt die Infrastruktur hinterher – und die Politik macht dabei nicht immer die beste Figur – nicht in Linz, sondern in Graz und Salzburg, die neidisch nach Linz mit seiner Zwei-Stadion-Lösung blicken.

Salzburg: 1.566 Plätze sind einfach zu wenig
Besonders drastisch ist die Situation bei Austria Salzburg. Der Sportplatz Maxglan verfügt lediglich über 1.566 Plätze. Das Stadionproblem hatte sogar sportliche Folgen: 2024 durfte die Austria trotz Meistertitel wegen der Infrastruktur nicht in die 2. Liga aufsteigen. Erst ein Jahr später und nach weiteren Adaptierungen klappte es. Gelöst ist damit nichts, denn das „Stadion“ erinnert bestenfalls an Regionalliga-Niveau, unwürdig für so einen Traditionsverein, der sich von der untersten Spielklasse wieder bis in die zweite Liga hochgearbeitet hat. Ein bundesligatauglicher Ausbau in Maxglan gilt als kaum realistisch, über Alternativen wird seit Jahren diskutiert, allerdings nur vom Verein, während die Stadt- und Landespolitik nach Leibeskräften blockiert.

Im Austria Salzburg-Umfeld hält sich seit Jahren ein brisanter Verdacht. Hinter vorgehaltener Hand wird gemunkelt, ein Erstarken der violetten Austria könne kaum im Interesse des mächtigen Red-Bull-Umfelds liegen.

Wie grotesk die Situation ist, zeigte das Spiel gegen Blau-Weiß Linz vom 23. Oktober: Gerade einmal 156 Gästekarten gab es für die Linzer. Dazu muss man wissen, dass die Blau-Weißen bei Spitzenspielen auswärts von bis zu tausend Fans begleitet werden, in Salzburg aber nur jeder siebente rein durfte. Die Austria-Fans protestierten und hielten der Salzburger Politik ausgerechnet Linz als Spiegel vor: „Während in Linz zwei neue Stadien stehen – müssen in Salzburg Gäste von draußen zusehen.“ Weil laut Fans auch ein Public Viewing vor dem Stadion nicht ermöglicht wurde, wird die geplante Choreografie gestrichen, dazu gibt es einen zehnminütigen Stimmungsboykott. Die Forderung: „Stadionlösung jetzt!“ Auch die 156 Blau-Weiß Fans (angeblich standen vor den Toren sogar mehr als 300) beteiligten sich am Boykott und betraten das Stadion erst zehn Minuten nach Anpfiff.

„Stadionlösung JETZT!“ In den ersten zehn Minuten der Zwitliga-Partie zwischen Salzburg und Linz blieben die beiden Fantribünen aus Protest leer. (Foto: Redaktion)

Red Bull: Gerüchte um politischen Einfluss
Im Austria Salzburg-Umfeld hält sich zudem seit Jahren ein brisanter Verdacht. Hinter vorgehaltener Hand wird gemunkelt, ein Erstarken der violetten Austria könne kaum im Interesse des mächtigen Red-Bull-Umfelds liegen. Manche vermuten sogar, dessen wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Einfluss in Salzburg könnte bis in politische Entscheidungen reichen und eine Stadionlösung für einen möglichen Konkurrenten erschweren. Belege für eine solche Einflussnahme gibt es allerdings nicht. Es handelt sich um Spekulationen.

Dass sich solche Gerüchte hartnäckig halten, zeigt aber auch das mittlerweile entstandene Misstrauen. Die Optik ist jedenfalls speziell: Red Bull verfügt über eine moderne Arena, während die Austria mit 1.566 Plätzen und ein Mini-Stadion immRegionalliga-Formst um ihre Entwicklungsmöglichkeiten kämpft.

Graz: Die Erzrivalen sind weiter als die Politik
Ähnlich verfahren ist die Situation in Graz. Dabei haben ausgerechnet die Erzrivalen Sturm und GAK längst einen gemeinsamen Weg gefunden. Anfang 2026 präsentierten beide ein Konzept für rund 95 Millionen Euro: Je 37,5 Millionen sollten von Stadt und Land kommen, 20 Millionen von den Vereinen. Betrieb und Verantwortung wollten Sturm und GAK gemeinsam übernehmen.

„Haben wir die Frage nicht in den nächsten sechs bis zwölf Monaten geklärt, gibt es keinen Spitzenfußball mehr in Graz.“

Die Stadt setzt dagegen auf eine eigene Modernisierung Liebenaus um 60 bis 70 Millionen Euro. Mittlerweile steht sogar ein Baurechtsmodell im Raum: Die Vereine könnten selbst einen wesentlichen Teil des Umbaus finanzieren und den Betrieb übernehmen. Sturm-Präsident Christian Jauk spricht von einer Variante um rund 65 Millionen Euro. Seine Warnung fällt drastisch aus: „Haben wir die Frage nicht in den nächsten sechs bis zwölf Monaten geklärt, gibt es keinen Spitzenfußball mehr in Graz.“ Das macht den Stillstand noch schwerer erklärbar: Sturm und GAK bieten der roten Pleitestadt Graz Geld, ein gemeinsames Konzept und wirtschaftliche Verantwortung an – trotzdem fehlt die Entscheidung.

Und jetzt wird auch noch das Sponsoring gestrichen
Parallel dazu verschärft die Stadt den Konflikt. Mit Ende der Saison 2026/27 stellt die Holding Graz ihre Sponsorings für Sturm, GAK und Graz99ers ein. Die drei Vereine konterten mit Zahlen: Gemeinsam bezahlen sie nach eigenen Angaben jährlich 2,8 Millionen Euro an Kommunalsteuer, Mieten, Energie und ähnlichen Aufwendungen. Den Werbewert für die Holding beziffern sie mit 5,3 Millionen Euro. Dem stehen lediglich 905.000 Euro an Sponsorings und Förderungen gegenüber. Sturm-Präsident Jauk formuliert es entsprechend scharf: „Nicht die Stadt Graz fördert die drei Vereine, sondern die Vereine fördern die Stadt Graz.“

„Warum sollte bei Sportinfrastruktur ein grundsätzlich anderer Maßstab gelten? Auch Stadien werden jahrzehntelang genutzt, schaffen Arbeitsplätze und Wertschöpfung, bringen Tausende Besucher in die Stadt und ermöglichen Vereinen wie Sturm oder LASK, ihre Heimat regelmäßig international zu präsentieren.“

Beim Stadion sind Millionen plötzlich ein Problem
Interessant ist auch die Kostendebatte. 60 oder 70 Millionen Euro sind viel Geld – im Vergleich mit anderen öffentlichen Großprojekten relativiert sich die Summe allerdings. Das Linzer Musiktheater kostete rund 180 Millionen Euro. Für die eigentliche Raiffeisen Arena des LASK wurden rund 65 Millionen Euro budgetiert, inklusive Zusatzeinrichtungen rund 85 Millionen. Die maximale Landesförderung betrug lediglich 30 Millionen Euro, ein Sechstel der Baukosten des Musiktheaters.

Das ist kein Argument gegen Kultur. Aber warum sollte bei Sportinfrastruktur ein grundsätzlich anderer Maßstab gelten? Auch Stadien werden jahrzehntelang genutzt, schaffen Arbeitsplätze und Wertschöpfung, bringen Tausende Besucher in die Stadt und ermöglichen Vereinen wie Sturm oder LASK, ihre Heimat regelmäßig international zu präsentieren.

Linz: Nicht billig, aber umgesetzt und ermöglicht
Auch die Linzer Lösung war nicht preiswert und keineswegs fehlerfrei. Das Donauparkstadion kam inklusive aller Nebengeräusche laut Rechnungshof auf 59,9 Millionen Euro. Der Rechnungshof kritisierte Kostenentwicklung und Projektabwicklung deutlich. Aber Linz traf eine politische Entscheidung: Der LASK bekam seine neue Arena auf der Gugl, Blau-Weiß sein neues Donauparkstadion. Zwei Klubs, zwei Stadien, zwei prosperierende Klubs, die fit sind für die Zukunft. Während Salzburg und Graz noch über Lösungen diskutieren, wird an der Donau längst Fußball gespielt – und das mit einer über Jahrzehnte gesicherten Zukunft.

 

 

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