Das Google-Rechenzentrum in Kronstorf sorgt wegen seines enormen Energie- und Wasserbedarfs weiterhin für Diskussionen. Gleichzeitig zeigt sich auf der Baustelle immer deutlicher die wirtschaftliche Dimension des Milliardenprojekts: Mehr als 220 österreichische Unternehmen sind laut Google an der Errichtung beteiligt, über 80 davon aus Oberösterreich. Wirtschafts-Landesrat Markus Achleitner besuchte nun die Baustelle und rückte vor allem die regionale Wertschöpfung in den Mittelpunkt.
Auf dem rund 50 Hektar großen Google-Areal in Kronstorf herrscht Hochbetrieb. Rund 800 Menschen arbeiten derzeit an der Errichtung des ersten Google-Rechenzentrums Österreichs. Für Wirtschafts-Landesrat Markus Achleitner ist besonders erfreulich, dass ein erheblicher Teil der Aufträge bei heimischen Unternehmen landet: „Die Google-Investition kommt bereits in Oberösterreich an“, so Achleitner bei seinem Baustellenbesuch. Mehr als 80 oberösterreichische Unternehmen seien mittlerweile beteiligt. Für den Wirtschaftslandesrat ist das auch ein Beleg dafür, dass heimische Betriebe bei internationalen Großprojekten mit Know-how, Qualität und Verlässlichkeit mithalten können.
Größter Auftrag der Firmengeschichte
Ein besonders eindrucksvolles Beispiel dafür ist die ZAUNERGROUP aus Wallern. Der Industrieanlagen- und Rohrleitungsbauer fungiert bei wesentlichen Teilen des Projekts als Generalunternehmer und ist für Innenausbau sowie elektrische und mechanische Infrastruktur im Außenbereich verantwortlich. Rund 200 Mitarbeiter des Unternehmens sind derzeit in Kronstorf beschäftigt. Der Auftrag umfasst unter anderem Leitungen, Rohre, Kabel, Glasfasern, Pumpen und Wärmetauscher. Das Volumen liegt laut Achleitner im dreistelligen Millionenbereich – damit handelt es sich um den größten Auftrag in der Geschichte des Unternehmens.
Auch davon profitieren wiederum weitere oberösterreichische Unternehmen. Die ZAUNERGROUP arbeitet unter anderem mit Betrieben aus Wels, Bad Wimsbach-Neydharting, Marchtrenk und Buchkirchen zusammen. Komponenten werden zudem am Unternehmenssitz in Wallern vorgefertigt und anschließend nach Kronstorf gebracht. Damit bleibt ein Teil der Wertschöpfung tatsächlich in der Region. Achleitner sieht darin einen wichtigen Aspekt des umstrittenen Großprojekts: Eine Investition dieser Dimension müsse möglichst breit wirken – für Betriebe ebenso wie für deren Beschäftigte. Langfristig erhofft er sich vom Rechenzentrum zudem Impulse für Oberösterreich als Digital- und Industriestandort, etwa für KI-Anwendungen, Simulationen, digitale Zwillinge und automatisierte Produktionsprozesse.
„Wenn ein Weltkonzern investiert und mehr als 80 oberösterreichische Unternehmen daran mitarbeiten, dann zeigt das die Leistungsfähigkeit unseres Wirtschaftsstandorts. Unsere Betriebe müssen den internationalen Vergleich nicht scheuen – sie stellen ihre Kompetenz bei einem der größten Investitionsprojekte in Oberösterreich unter Beweis.“
Die andere Seite: Kritik an Strom und Wasser
Die wirtschaftlichen Effekte sind allerdings nur eine Seite des Projekts. Das Google-Rechenzentrum ist in den vergangenen Monaten wegen seines enormen Ressourcenbedarfs zunehmend in die Kritik geraten. Die erste Ausbaustufe soll 2027 mit einer Anschlussleistung von 150 Megawatt in Betrieb gehen. Für den noch nicht genehmigten Vollausbau sind bis zu 500 Megawatt vorgesehen. Bei theoretischer durchgehender Volllast wären das bis zu 4,4 Terawattstunden Strom pro Jahr – zum Vergleich: Oberösterreich verbrauchte 2024 insgesamt rund 14 TWh.
Diskutiert wird auch der Wasserbedarf. Für die Kühlung werden große Wassermengen benötigt; Kritiker warnen insbesondere vor Auswirkungen auf die Enns durch die Rückleitung erwärmten Wassers. Laut ORF könnten täglich bis zu 5,8 Millionen Liter erwärmtes Wasser in den Fluss zurückgeleitet werden. Fachleute verweisen dabei auf die ohnehin zunehmende Belastung von Gewässern durch Hitzeperioden und Trockenheit. Google wiederum betont Nachhaltigkeitsmaßnahmen. Geplant sind unter anderem ein begrüntes Dach mit Photovoltaik, die technische Vorbereitung für eine externe Nutzung der Abwärme sowie gemeinsam mit dem OÖ. Landesfischereiverband ein Fonds zur Verbesserung der Wasserqualität der Enns.
Zwischen Milliardenprojekt und Ressourcenfrage
Damit zeigt Kronstorf mittlerweile zwei sehr unterschiedliche Seiten: Auf der einen stehen berechtigte Fragen nach Stromverbrauch, Wasser, Flächenbedarf und den ökologischen Auswirkungen eines Rechenzentrums dieser Größenordnung. Auf der anderen Seite wird sichtbar, dass die Milliardeninvestition schon während der Bauphase erhebliche Aufträge für die heimische Wirtschaft bringt.
Achleitner versucht dabei bewusst, den zweiten Aspekt stärker ins Blickfeld zu rücken. Sein Baustellenbesuch zeigt zumindest eines recht deutlich: Oberösterreich stellt für das Google-Projekt nicht nur Grund und Infrastruktur zur Verfügung – zahlreiche heimische Unternehmen verdienen bereits an seiner Errichtung mit. Für Betriebe wie die ZAUNERGROUP ist Kronstorf sogar zum größten Auftrag der eigenen Unternehmensgeschichte geworden.
Doto: Daniela Sternberger / Land OÖ
















