Der Volksgarten kommt seit Jahren nicht zur Ruhe, nun sorgen auch die Zustände im GWG-Park nahe des Südbahnhofmarktes zunehmend für Beschwerden. Anrainer berichten von massiven Belastungen – und das rund um die Uhr. Vizebürgermeister Martin Hajart (ÖVP) fordert einmal mehr einen grundsätzlichen Kurswechsel im Umgang mit den Linzer Parks – und bringt erstmals eine nächtliche Sperre nach dem Vorbild anderer Städte ins Spiel.
Parks sollen grüne Oasen einer Stadt sein. Orte, an denen Kinder spielen, ältere Menschen auf einer Bank sitzen und Anrainer Erholung finden. In einigen Linzer Grünanlagen sieht die Realität allerdings zunehmend anders aus. Jüngstes Beispiel ist der kleine, sogenannte GWG-Park, wo sich regelmäßig diverse Gruppen, manche davon Obdachlose, aufhalten. Beschwerden aus der Nachbarschaft über Begleiterscheinungen wie Lärm, Alkoholkonsum, Verschmutzung und die dadurch empfundene Beeinträchtigung des Parks werden immer mehr. Die Leidtragenden sind nicht nur Anrainer, die unmittelbar daneben wohnen, sondern auch Familien, die den dortigen Spielplatz kaum bis gar nicht mehr nutzen.

Hajart: GWG-Park nachts zusperren
„Ich schlage einen Modellversuch mit dem überschaubar großen GWG-Park vor: einzäunen und zwischen 22 und 5 Uhr sperren. Nach einem Jahr können wir Bilanz ziehen und aus den Erfahrungen ein Konzept für andere Problemparks entwickeln“, fordert nun ÖVP-Vizebürgermeister Martin Hajart.
Was für Linz nach einem radikalen Kurswechsel klingt, ist in vielen Metropolen längst gelebter Alltag. Parks müssen nicht zwangsläufig rund um die Uhr geöffnet sein. In Wien werden etwa Volksgarten, Burggarten und Augarten nachts geschlossen. Auch international sind geregelte Öffnungszeiten keine Besonderheit: In Paris werden prominente Anlagen wie der Jardin du Luxembourg oder die Tuilerien abends geschlossen, Madrid hat für den Retiro-Park feste Öffnungszeiten, und auch zahlreiche Londoner Grünanlagen werden über Nacht versperrt. Selbst in New York gelten für die meisten Parks nächtliche Sperrzeiten, ebenso in Tokio.
Das erleichtert Pflege und Reinigung, reduziert Vandalismus sowie unerwünschte nächtliche Nutzungen und ermöglicht am nächsten Morgen einen gepflegten „Neustart“ ohne Sorge, erst stundenlange Aufräumarbeiten durchführen zu müssen, was auch empfindlich ins Geld geht. Viele dieser Parks zählen nicht zuletzt deshalb zu den attraktivsten und bestgepflegten Naherholungsräumen ihrer Städte.
Volksgarten als weitere jahrelange Problemzone
Dass Linz Handlungsbedarf hat, zeigt auch der Volksgarten. Seit Jahren beschäftigen Drogenhandel, Gewaltdelikte, Polizeieinsätze, Alkoholkonsum, Verschmutzung und Sicherheitsprobleme Politik und Behörden. Trotz wiederkehrender Maßnahmen kommt der zentral gelegene Park nicht dauerhaft zur Ruhe. Das grundlegende Problem bleibt: Ein öffentlicher Park gehört allen. Wenn Familien, ältere Menschen oder andere Besucher bestimmte Bereiche insbesondere am Abend meiden, weil sie sich dort nicht mehr sicher oder wohl fühlen, läuft etwas schief.
Muss eine Stadt wirklich akzeptieren, dass einzelne öffentliche Grünanlagen rund um die Uhr geöffnet bleiben, wenn genau die Nachtstunden regelmäßig Probleme verursachen?
Früher wurde auch der Volksgarten abgesperrt
Dabei wäre eine von Hajart vorgeschlagene Einzäunung ausgewählter Parks nicht einmal ein völliger Bruch mit der Linzer Geschichte. Der Volksgarten war ursprünglich von einem Zaun umgeben und konnte abgesperrt werden. Der Zaun wurde erst in der Nachkriegszeit entfernt. Was damals als Öffnung des Parks für die Bevölkerung sinnvoll erschien, muss unter den heutigen Bedingungen zumindest neu diskutiert werden dürfen. Denn Stadtgesellschaft und Nutzung des öffentlichen Raumes haben sich in den vergangenen Jahrzehnten massiv verändert.
Kommentar: Wem gehört der öffentliche Raum?
Wie weit muss eine Stadt gehen, damit öffentliche Grünanlagen tatsächlich von allen genutzt werden können? Soziale Hilfe für wohnungslose Menschen, Drogenprävention und Sicherheitsmaßnahmen schließen einander nicht aus. Im Gegenteil: Eine funktionierende Stadt muss beides schaffen – Menschen in schwierigen Lebenssituationen unterstützen und gleichzeitig dafür sorgen, dass Anrainer, Familien und Parkbesucher nicht dauerhaft die Folgen ungelöster Probleme tragen müssen. Es bleibt die Frage, ob sich gerade zentrale Parks mit Spielplätzen als Rund-um-die-Uhr Aufenthaltsraum für Obdachlose eignen. Beim kleinen GWG-Park könnte Linz günstig und unkompliziert testen, ob eine simple Maßnahme Wirkung zeigt: Tor zu um 22 Uhr, Tor auf um 5 Uhr – zunächst für ein Jahr.















