Rund eineinhalb Jahre vor der Landtagswahl 2027 in Oberösterreich positioniert sich FPÖ-Landesparteichef Manfred Haimbuchner selbstbewusst als Anwärter auf die Spitze. In einem ausführlichen Interview mit der „Krone“ übt er massive Kritik am ORF, spricht sich für eine stärkere föderale Ausrichtung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks aus und kann sich einen Untersuchungsausschuss vorstellen. Gleichzeitig betont er seinen Pragmatismus, lehnt eine absolute Mehrheit ab und bekräftigt die Vorliebe für eine Fortsetzung der schwarz-blauen Koalition.
Die jüngsten Umfragen deuten auf einen spannenden Machtkampf hin: Während manche Erhebungen die FPÖ bereits klar vor der ÖVP sehen (bis zu 35 Prozent), zeigen andere die Volkspartei noch knapp vorn. Haimbuchner selbst gibt sich zurückhaltend, was persönliche Ambitionen betrifft – er sagt aber klar: „Die stimmenstärkste Partei soll den Landeshauptmann stellen.“
„Es ist grundsätzlich so, dass der Wähler am Wort ist und dass wir immer der Meinung waren, dass die stärkste Partei im Bundesland den Landeshauptmann stellen soll“, erklärt Haimbuchner im Gespräch mit den „Krone“-Journalistinnen Lisa Stockhammer und Nikolaus Frings. Auf die direkte Frage, ob er selbst Landeshauptmann werden wolle, antwortet er: „Nein. Was ich will, ist jetzt nicht das Relevante. Natürlich streben wir die Nummer eins an, das ist klar. Und wenn das der Wähler entscheidet, dann ist es, wie gesagt, auch klar, dass die stimmenstärkste Partei den Landeshauptmann stellen soll.“
„Ich bin eigentlich überhaupt kein Freund von absoluten Mehrheiten. Ich bin schon einer, der davon ausgeht, dass Leute zusammenarbeiten sollten.“
Trotz des derzeitigen Rückenwinds – die FPÖ profitiert bundesweit von Umfragewerten jenseits der 30 Prozent – zeigt sich Haimbuchner skeptisch gegenüber einer absoluten Mehrheit. „Wissen Sie, ich bin eigentlich überhaupt kein Freund von absoluten Mehrheiten. Ich bin schon einer, der davon ausgeht, dass Leute zusammenarbeiten sollten.“ Stattdessen plädiert er für eine Zusammenarbeit mit der zweitstärksten Kraft – womit er erneut die schwarz-blaue Koalition als Wunschkonstellation bestätigt.
Das Verhältnis zur ÖVP in Oberösterreich bezeichnet er als gut, wenngleich er Nervosität in den Reihen der Partnerpartei erkennt: „Wir haben ein gutes Verhältnis. Das ist eher so eine Funktionärskrankheit, wenn Umfragen nicht ganz so gut laufen, dass dann Nervosität eintritt. Das ist menschlich und logisch erklärbar. Am Ende muss zusammengearbeitet werden.“
Zur SPÖ Oberösterreich und deren neuem Vorsitzenden Martin Winkler zeigt sich Haimbuchner deutlich kühler. Er rechnet nicht mit einer langfristigen Koalitionsfähigkeit und stellt die Stabilität der Sozialdemokratie infrage: „Ich bin ein Befürworter der Koalition von FPÖ und ÖVP. Es ist die Frage, wer für die SPÖ nach der Wahl überhaupt in der Regierung sitzt. Es wurde zuletzt in Oberösterreich im Schnitt alle zwei Jahre der Vorsitzende ausgetauscht.“ Über Winkler sagt er spitz: „Ich rechne grundsätzlich mit überhaupt keiner Karriere mehr in der Sozialdemokratie, weil sie ihren Weg zu Ende gegangen ist.“
Auf kommunaler Ebene gibt sich der FPÖ-Chef optimistisch: Er rechnet mit mehr als 20 FPÖ-Bürgermeistern nach der Wahl 2027 – ein deutlicher Zuwachs gegenüber dem aktuellen Stand.
„Die Frage ist, ob tatsächlich eine Entpolitisierung stattfinden kann bei einem Unternehmen, wo man das Gefühl hat, dass 80 bis 90 Prozent der Redakteure einen ganz klar linken Auftrag verfolgen.“
Breiten Raum nimmt im Interview die aktuelle Krise beim ORF ein. Der Rücktritt von Generaldirektor Roland Weißmann nach Belästigungsvorwürfen einer Mitarbeiterin beherrscht derzeit die Schlagzeilen. Haimbuchner nutzt die Gelegenheit für grundsätzliche Kritik am Sender. Er bezweifelt die Möglichkeit einer echten Entpolitisierung: „Die Frage ist, ob tatsächlich eine Entpolitisierung stattfinden kann bei einem Unternehmen, wo man das Gefühl hat, dass 80 bis 90 Prozent der Redakteure einen ganz klar linken Auftrag verfolgen.“
Besonders scharf geht er mit der Berichterstattung aus den Bundesländern ins Gericht: „Die Landesstudios versucht man auszuhungern – nicht einmal eine halbe Stunde Fernsehberichterstattung täglich für ein Bundesland halte ich für beschämend.“ Er fordert eine „ganz klare föderale Schwerpunktsetzung“, wenn der ORF seinem öffentlich-rechtlichen Auftrag nachkommen wolle. Zudem stört ihn das Programmangebot: „Man muss sich auch fragen, warum der ORF drei Sender betreibt, auf denen amerikanische Serien laufen.“
Zu einem möglichen Untersuchungsausschuss im Nationalrat hält sich Haimbuchner offen: „Gute Idee. Das ist Entscheidung des Parlamentsklubs, aber ich kann dem was abgewinnen.“ Priorität habe für ihn jedoch die Abschaffung der Haushaltsabgabe (ehemals GIS-Gebühr).
„Wir haben eine absolute Spitzenmedizin, aber die breite Versorgung hat massive Mängel – auch, weil die Gesundheitskasse ihren Verpflichtungen nicht nachkommt.“
Auch zu anderen Themen positioniert sich Haimbuchner klar. Zur Statistik, wonach in Wels, Linz und Traun mehr Kinder mit Deutschproblemen leben als in Wien, nimmt er die Zahlen zur Kenntnis, zeigt sich aber skeptisch: „Ich nehme diese Statistik zur Kenntnis, wobei man schon einmal schauen muss, wie diese zustande kommt. Weil ich kann mir nicht vorstellen, dass in Wien irgendwas besser ausschaut. Da muss man nur mit offenen Augen durch die Straße gehen.“
Im Gesundheitsbereich kritisiert er lange OP-Wartezeiten und sieht Versäumnisse bei der Gesundheitskasse: „Wir haben eine absolute Spitzenmedizin, aber die breite Versorgung hat massive Mängel – auch, weil die Gesundheitskasse ihren Verpflichtungen nicht nachkommt.“ Für kürzere Wartezeiten müsse der niedergelassene Bereich gestärkt werden.
Zu Investitionen in Infrastruktur wie den Kasberg oder den Linzer Flughafen steht er klar dahinter. Den Vorwurf, die Linz-Frankfurt-Verbindung sei ein „Manager-Shuttle“, weist er zurück: „Das halte ich für so eine Überschrift. Ist das abwertend gemeint? Es ist doch wichtig, dass der Flughafen von Leuten genutzt wird, die halt was zu arbeiten haben.“
Persönlich reflektiert Haimbuchner über seine schwere Corona-Erkrankung vor fünf Jahren: „Für mich scheint es so, als wäre das vor Ewigkeiten gewesen. […] Man muss immer nach vorne blicken und positiv denken. Es ist vieles schaffbar, was man vielleicht vorher nicht geglaubt hat – und das Leben ist schön.“
„Mein Platz ist in Oberösterreich.“
Zum Verhältnis innerhalb der Bundes-FPÖ betont er seine enge Zusammenarbeit mit Herbert Kickl, grenzt sich aber durch einen pragmatischeren Zugang ab: „Ich komme aus der Ebene des Gemeinderats, also ich habe die Politik anders kennengelernt und habe sehr oft einen pragmatischen Zugang.“ Einen Wechsel nach Wien schließt er aus: „Nein, mein Platz ist in Oberösterreich.“
Mit Blick auf die kommenden eineinhalb Jahre sendet Haimbuchner ein klares Signal: Die FPÖ will 2027 die Nummer eins werden – und zwar nicht um jeden Preis, sondern mit realistischen Koalitionsaussichten und einem Fokus auf regionale Themen. Ob das gelingt, wird sich zeigen. Die Spannung steigt bereits jetzt merklich.




























