Ein Sonderflug mit Wirtschafts-Landesrat Markus Achleitner von Krakau nach Linz rückt das erst vor wenigen Tagen präsentierte Flughafen-Manifest für den Flughafen Linz in ein fragwürdiges Licht – das berichtet die Facebook-Seite „Linz Airport Reporter“. Statt die erst heuer wieder aufgenommene Linienverbindung über Frankfurt zu nutzen, wurde ein Privatjet gechartert. Der Widerspruch zwischen den öffentlichen Bekenntnissen zur Stärkung des Linzer Flughafens und dem tatsächlichen Verhalten maßgeblicher Akteure steht in diesem Falle zur Debatte.
Ausgangspunkt der Diskussion ist eine Architekturreise der Wirtschaftskammer Oberösterreich nach Krakau, an der unter anderem Wirtschaftslandesrat Markus Achleitner teilnahm. Während Achleitner Eindrücke der Reise über soziale Medien teilte, brachte ein eigens gechartertes Passagierflugzeug die Reisegruppe direkt aus Krakau zurück nach Oberösterreich, statt vorhandene Linienverbindungen über Frankfurt nach Linz zu nutzen.
Brisant ist dabei vor allem der Zeitpunkt: Erst kurz zuvor hatten Land Oberösterreich, Stadt Linz, Wirtschaftskammer und Industriellenvereinigung gemeinsam das „Flughafen-Manifest“ präsentiert. Ziel der Initiative ist es, den Flughafen Linz zu stärken und insbesondere die Anbindung über Frankfurt zu nutzen und damit langfristig abzusichern.
Zusätzliche Kritik gibt es an der Umweltbilanz des Fluges. Nach den vorliegenden Informationen wurde eine Embraer 145 der Air Charters Europe eingesetzt. Das Flugzeug soll zunächst leer von Luxemburg zum Abflug nach Krakau geflogen sein und nach der Rückreise erneut ohne Passagiere nach Brüssel weitergeflogen sein. Insgesamt sollen dadurch rund 1.400 Kilometer sogenannte “Empty Legs” entstanden sein – also Flüge ohne Passagiere.
Auf Nachfrage im Büro von Landesrat Achleitner wird der Flug nicht abgestritten: „Die Reise wird traditionell von der Wirtschaftskammer organisiert und man hat sich aufgrund der Delegationsgröße für einen Charterflug entschieden. Aus Sicht des Landes Oberösterreich stärkt jeder Abflug aus Linz den Flughafen und somit den Standort“, so die Stellungnahme.
Über die Embraer ERJ-145
Die Embraer ERJ-145 ist ein zweistrahliges Regionalflugzeug mit bis zu 50 Sitzplätzen (Besatzung: 2 Piloten, meist 1 Flugbegleiter). Pro Passagier kann der Jet bei guter Auslastung durchaus effizient sein. Bei geringer Auslastung oder Leerflügen (“Empty Legs”) steigt der Treibstoffverbrauch pro beförderter Person jedoch erheblich.
Für den erwähnten Leerflug (Luxemburg–Krakau bzw. Krakau–Brüssel) mit insgesamt rund 1.400 Kilometern Flugstrecke wäre – abhängig von der exakten Route und den Windverhältnissen – grob mit einem Verbrauch von etwa 1.900 bis 2.500 Litern zusätzlichem Kerosin für die Leerflüge zu rechnen. Das entspricht ungefähr 5 bis 6 Tonnen CO₂, da bei der Verbrennung von einem Liter Kerosin rund 2,5 Kilogramm CO₂ entstehen.
Foto: Linz Airport Reporter















