Es ist so sicher wie das Amen im Gebet: Ist die D3 Autobahn zwischen Prag, Budweis und weiter bis zur Staatsgrenze Anfang der 2030er-Jahre fertig, erstickt die Linzer Stadtautobahn im Verkehr. Spätestens dann rauscht ein beträchtlicher Teil des LKW-Verkehrs aus Nordeuropa Richtung Balkan über die S10 und die A7 durch Linz. Aus der Stadtpolitik kam bislang nur Ablehnung zur geplanten Trasse durch den Linzer Süden, die den Zentralraum am stärksten entlasten würde. Ein aktives Mitwirken gibt es seitens der Stadt kaum, obwohl Linz Haupt-Profiteur der Ostumfahrung wäre. Nur Nein zu sagen, erscheint angesichts des Baufortschritts in Tschechien etwas weltfremd.
Infrastruktur-Landesrat Günther Steinkellner konnte sich im Rahmen eines Besuchs in Tschechien vom enormen Baufortschritt der D3 bei unseren nördlichen Nachbarn überzeugen. Umso mehr stuft er die geplante Linzer Osttangente als „überlebenswichtig“ ein. Sie soll Linz weiträumig umgehen und bei Ebelsberg in die Westautobahn einmünden. Mögliche Realisierung: 2042, dazu müsste allerdings ab 2037 abschnittsweise mit dem Bau begonnen werden.
„Will Linz nicht bald im Verkehr ersticken, ist die Ostumfahrung dringend nötig. Immer nur Nein zu sagen, ist zu wenig.“
Ohne die Osttangente wird der LKW-Verkehr aus Nordeuropa Richtung Balkan auf der S10 und der besonders beim Bindermichltunnel und zwischen VOEST-Brücke und Industrieviertel überlasteten A7 durch Linz rollen. Steinkellner arbeitet daher vehement daran, die Bundesregierung von der Bedeutung des Projekts überzeugen, damit es ins Bundesstraßengesetz aufgenommen wird – bisher ohne Erfolg.

Die neue Autobahn verkürzt die LKW-Route von Nordeuropa/Berlin Richtung Balkan um 120 Kilometer, zudem sind tschechische Mautgebühren günstiger als deutsche. Folge: Der Transitverkehr wird massiv durch Linz (A7) zunehmen.
In Oberösterreich begann im November 2023 der Bau des sieben Kilometer langen A7-Abschnitts Freistadt Nord bis Rainbach Nord, Verkehrsfreigabe ist für Frühjahr 2027 geplant. Die Planungen für den Abschnitt bis zur Grenze bei Wullowitz laufen.

Für die zum Projekt gehörende Linzer Ostumfahrung ist jetzt die Stadt Linz gefordert, sich zu öffnen und Lösungen anzubieten. “Will Linz nicht bald im Verkehr ersticken, ist die Ostumfahrung dringend nötig. Immer nur Nein zu sagen, ist zu wenig”, warnt Günther Steinkellner vor weiteren Verzögerungen. Unter dem Strich steht auch die Zukunft des wirtschaftlich so starken Zentralraums auf dem Spiel.

Die Trasse (Projektbeschreibung)
„Die Ostumfahrung in der geplanten Form durch den Pfenningberg, Steyregg und den Linzer Süden wird eine Gesamtlänge von rund 13,5 Kilometern umfassen. Von diesen verlaufen etwa 6,4 Kilometer in Tunnelabschnitten, während weitere 2,9 Kilometer als Brückenstrecke konzipiert sind. Die Strecke soll die wichtigsten regionalen Verbindungen zwischen den Autobahnen A1 und A7 herstellen und gleichzeitig eine direkte Anbindung an bedeutende Industriegebiete ermöglichen. Die Verlagerung des Verkehrs von der A7 auf die Ostumfahrung wird die Verkehrslast auf der stark frequentierten Voestbrücke um etwa 15.000 Fahrzeuge pro Tag reduzieren. Diese Entlastung ist dringend notwendig, um die Kapazität der A7 auch in Zukunft sicherzustellen und den Verkehrszuwachs zu bewältigen. Die Ostumfahrung wird zudem dafür sorgen, dass der innerstädtische Verkehr im Linzer Straßennetz verringert wird, wodurch die Lebensqualität in den Wohngebieten entlang der A7 und in der Linzer Innenstadt verbessert wird. Auch der Linzer Süden, der derzeit besonders verkehrsbelastet ist, wird profitieren.“
Kommentar
LINZ GIB GAS!
Bis 2028 ist die „Dalnice 3“, die Autobahn von Prag Richtung Norden zur deutschen Grenze durchgehend befahrbar, bis 2031 ist der Abschnitt bis zur Grenze nach Oberösterreich komplett fertig. Spätestens dann ist es so sicher wie das Amen im Gebet: Die Linzer Stadtautobahn über die VOEST-Brücke wird im Verkehr ersticken, denn dann rauscht der LKW-Verkehr aus Nordeuropa Richtung Balkan vermehrt durch Linz, weil die Nord-Süd-Route um 120 Kilometer kürzer wird als auf den bestehenden Strecken. Das bedeutet für die Frächter zudem einen Kostenvorteil von etwa 230 Euro pro Strecke – oder fast 500 Euro, wenn man die Rückfahrt mitrechnet.
In Linz sorgt das dennoch für überraschend wenig Aufregung – ja mehr noch: Die Stadtpolitik tritt nahezu geschlossen gegen die geplante Trasse durch den Linzer Süden auf – durchaus verständlich, niemand hat eine Freude mit einer Autobahn vor der Haustüre.
Denkt keiner im Rathaus daran, dass die Stadtautobahn jetzt schon heillos überlastet ist und speziell der Tunnel am Bindermichl an längst seine Kapazitätsgrenzen gestoßen ist? Wie soll das dann ab 2030 ausschauen? Und 2032, wenn der Tunnel durch den Freinberg fertig ist und noch mehr Verkehr anzieht? Augen zu und alles egal?
Linz sagt zwar ständig Nein, bringt sich aber auch nicht wirklich aktiv in die Planungen ein oder präsentiert ein Gegenkonzept für die Ostumfahrung durch Ebelsberg.
Die da und dort halbherzig geäußerte Forderung „Bauen wir stattdessen die Summerauerbahn aus“ geht ins Leere. Der Ausbau dieser Zugstrecke käme einerseits viel zu spät und andererseits wäre er zwar für manche Reisende eine spannende Alternative. Den Schwerverkehr wird man damit nicht von der Straße bringen.
Statt sich ständig wegzudrehen, die Augen zuzumachen und wie im Kindergarten das Problem einfach „wegdenken“ funktioniert nicht. Die Stadtpolitik muss sich endlich mit dem Land OÖ auf ein Packl hauen und eine gemeinsame Lösung finden. Es wäre Steinkellner wegen der ständigen Ablehnung aus Linz nicht zu verdenken, wenn er irgendwann den Hut draufhaut. Im Rathaus scheint man vergessen zu haben, dass Linz am meisten von Ostumfahrung profitieren würde.

























