Jugendgewalt, Konflikte in Schulen, Gewalt in Familien und Femizide sorgen regelmäßig für Schlagzeilen. Die öffentliche Diskussion beginnt allerdings meist erst dann, wenn bereits etwas passiert ist. Ein neues Linzer Symposium will genau das ändern: Am 22. Oktober diskutieren Fachleute aus Pädagogik, Polizei, Justiz, Sport und Jugendarbeit darüber, wie Gewalt verhindert werden kann, bevor sie überhaupt entsteht. Der Eintritt ist frei!
Braucht es härtere Strafen, strengere Gesetze oder mehr Überwachung? Nach schweren Gewalttaten sind es meist diese Fragen, die Politik und Öffentlichkeit beschäftigen. Das 1. Linzer Symposium „Persönlichkeitsbildung zur Gewaltprävention“ setzt bewusst früher an: bei Elternhaus, Kindergarten, Schule und Vereinen – und bei der Frage, wie Kinder und Jugendliche lernen, mit Konflikten, Kränkungen und Zurückweisung umzugehen, ohne Gewalt als Ausweg zu sehen. Eingefügtes Markdown
Am 22. Oktober von 13 bis 19 Uhr kommen dazu im OÖNachrichten Forum in Linz Vertreter unterschiedlichster gesellschaftlicher Bereiche zusammen. Veranstalter ist der Verein Tessanoka, die Teilnahme ist kostenlos.
„Wenn der menschliche Trieb im entscheidenden Moment stärker ist als die Angst vor Strafe, helfen Gesetze und Überwachung nur begrenzt. Persönlichkeitsbildung setzt früher an.“
„Wer erzieht die Zukunft?“
Hinter der Veranstaltung steht eine grundsätzliche Frage: Wer übernimmt Verantwortung dafür, welche Persönlichkeiten aus jungen Menschen werden? Die Initiatorinnen Sabrina Frenzel-Kröpfl und Katharina Lustig wollen Gewaltprävention deshalb nicht auf Polizei, Justiz und Sicherheitsmaßnahmen reduzieren. Persönlichkeitsbildung, Selbststeuerung, Verantwortungsbewusstsein und die Fähigkeit, mit Niederlagen und Zurückweisung umzugehen, sollen stärker in den Mittelpunkt rücken.
Initiator Dr. Norbert Obermayr formuliert den Ansatz so: „Wenn der menschliche Trieb im entscheidenden Moment stärker ist als die Angst vor Strafe, helfen Gesetze und Überwachung nur begrenzt. Persönlichkeitsbildung setzt früher an.“ Dabei versteht sich dieser Ansatz ausdrücklich nicht als Ersatz für Polizei, Justiz oder Opferschutz, sondern als Ergänzung: Prävention soll beginnen, lange bevor ein Fall bei Behörden oder Gerichten landet.
Bonelli spricht über „Charakter statt Gewalt“
Einen zentralen Programmpunkt übernimmt Univ.-Prof. DDr. Raphael Bonelli. Sein Hauptvortrag trägt den Titel „Charakter statt Gewalt“ und beschäftigt sich damit, welche Rolle innere Freiheit, Selbststeuerung und persönliche Verantwortung bei der Gewaltprävention spielen können. Eingefügtes Markdown
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf weniger offensichtlichen Formen von Gewalt. Manipulation, emotionaler Druck oder das schrittweise Überschreiten persönlicher Grenzen beginnen häufig lange bevor körperliche Gewalt sichtbar wird. Gleichzeitig soll diskutiert werden, welche Rolle Kränkungen und der Umgang mit Zurückweisung bei der Entstehung destruktiven Verhaltens spielen können. Eingefügtes Markdown
Lehrer, Polizisten und Eltern an einem Tisch
Ungewöhnlich ist vor allem die breite Zusammensetzung des Symposiums. Pädagogen, Eltern, Vereine, Sportverantwortliche, Jugendhilfe, Einsatzorganisationen, Polizei, Justiz, Politik und Medien sollen ihre Erfahrungen miteinander verknüpfen.
Denn eine Lehrerin sieht andere Warnsignale als ein Polizist, ein Fußballtrainer erlebt andere Situationen als eine Sozialarbeiterin oder Jugendrichterin. Genau diese unterschiedlichen Blickwinkel sollen zeigen, wo Prävention bereits funktioniert – und wo Lücken bestehen. Das Publikum soll dabei ausdrücklich nicht nur zuhören. Teilnehmer können eigene Erfahrungen und Lösungsvorschläge einbringen.
Linzer Manifest soll konkrete Forderungen bringen
Am Ende soll mehr stehen als ein weiterer Diskussionsnachmittag. Die Erkenntnisse und Vorschläge des Symposiums fließen in das „Linzer Manifest zur Gewaltprävention“ ein. Darin sollen konkrete Forderungen formuliert werden: Wie kann Persönlichkeitsbildung in Kindergärten und Schulen stärker verankert werden? Was brauchen Familien, Vereine und Jugendarbeit? Und wie können Bildung, Sozialarbeit und Sicherheitsbehörden besser zusammenarbeiten?
Damit verfolgt die Veranstaltung einen durchaus ambitionierten Anspruch: Nicht erst über Gewalt reden, wenn etwas passiert ist – sondern früher dafür sorgen, dass sie möglichst gar nicht entsteht.
1. Linzer Symposium „Persönlichkeitsbildung zur Gewaltprävention“
22. Oktober 2026, 13–19 Uhr, OÖNachrichten Forum, Promenade 23, Linz.
Die Teilnahme ist kostenlos, Anmeldung unter kontakt@linz-themen.info
Ablauf des Symposiums „Persönlichkeitsbildung zur Gewaltprävention“
13:00 Uhr – Anmeldung und Begrüßungskaffee
13:30 Uhr – Begrüßung
durch Obfrau Sabrina Frenzel-Kröpfl, LLM, Mag. Katharina Lustig & Dr. Norbert Obermayr
Kurze Vorstellung der Ziele des Symposiums und des geplanten „Linzer Manifests zur Persönlichkeitsbildung“.
14:00 Uhr – Univ.-Doz. DDr. Raphael Bonelli
„Charakter statt Gewalt. Warum innere Freiheit, Selbststeuerung und Verantwortung die beste Gewaltprävention sind“
Anschließend Publikumsfragen
15:00 Uhr – Kaffeepause
15:15 Uhr – Dr. Norbert Obermayr
„Gewalt ist das Symptom – nicht die Ursache“
Persönlichkeitsbildung als Grundlage gesellschaftlicher Stabilität. Polizei und Justiz bleiben unverzichtbar – nachhaltige Sicherheit entsteht jedoch dort, wo Menschen früh lernen, Verantwortung zu übernehmen.
16:00 Uhr – Podiumsdiskussion: „Wer erzieht die Zukunft?“
Sabrina Frenzel-Kröpfl, LLM, Mag. Katharina Lustig: Eingangsstatement „Die unsichtbare Gewalt: erkennen, dokumentieren, handeln“ und Moderation.
Podium:
Dr. Norbert Obermayr, TESSANOKA
Dr. Karl Sibelius, PhD, Private pädagogische Hochschule der Diözese Linz
Gabriele Koller-Sandhacker, Verein Neustart
Hubert Gostner, MBA, Sportausschuss ASKÖ OÖ
LFR Michael Wagner, Vertreter Feuerwehrjugend
Abschluss:
Zusammenfassung zum „Linzer Manifest zur Gewaltprävention“
18:00 Uhr – Apero, Ausklang
19:00 Uhr – Ende















