2027 wird in Linz wieder gewählt. Zum Start ins Vorwahljahr schnappten wir uns Lorenz Potocnik (LinzPLUS) zum LINZA Talk. Es geht um Speichellecker, Radfahren, Stadtentwicklung, die Wahl 2027, den verschobenen Sparkurs und natürlich um Mexiko.
Wir schreiben 2026. Wie geht es Ihnen?
Gut. Ich war grad zwei Wochen in Mexiko-Stadt. Dort leben 20 Millionen Menschen gut zusammen. Die Stadt ist voll in Transformation und macht vieles richtig. Unter anderem habe ich mit einer Million Mexikanern Silvester gefeiert – ohne einen einzigen Böller, dafür mit Musik, Lasershow und Mega-Stimmung.
Sie wollten nach der Wahl 2021 ja aus der Politik raus, haben zumindest damit kokettiert. Jetzt sind Sie immer noch da.
Es braucht LinzPLUS. Wir sind die einzige unabhängige Bürgerliste. Nur wir machen echte Opposition. Nicht nur in der Stadtentwicklung setzen wir die Agenda.
Hält Ihr Akku bis 2027 und darüber hinaus? Ist er voll genug?
An Ausdauer fehlt es nicht. Egal ob beim Schwammerl suchen, am Berg oder in der Linzer Kommunalpolitik.
„Kurze Wege mit dem Rad zu fahren, ist keine “grüne” Mode, sondern spart Platz, ist schnell und reduziert Stau. Wann kommt das endlich bei allen an?“
Eines Ihrer Hauptthemen war das Radfahren. Damit lässt sich aber keine Wahl gewinnen. Ist das bei Ihnen mittlerweile angekommen?
Was mich und uns antreibt, ist die Stadtentwicklung. Radeln gehört da dazu. Alltagsradeln stärkt den Wirtschaftsstandort – das ist in vielen erfolgreichen Städten wie Amsterdam, Kopenhagen oder Freiburg gut zu sehen. Kurze Wege mit dem Rad zu fahren, ist keine “grüne” Mode, sondern spart Platz, ist schnell und reduziert Stau. Das ist gut für Linz. Wann kommt das endlich bei allen an?
Noch 600mal schlafen bis zur nächsten Wahl. 2021 waren 10 Prozent das Ziel, geworden sind dann ein paar weniger. Ist der Plan 2027 wieder zweistellig – oder ist das Illusion?
Wir freuen uns drauf. Denn wir arbeiten durchgehend hart und verlässlich für Linz und das öffentliche Interesse. Da sind wir unbestechlich. Und diesen Einsatz registrieren immer mehr. Unser kritischer Blog wird bereits 30.000 Mal pro Jahr gelesen! Und ja, wir wollen uns von 2 auf 4 Mandate verdoppeln.
Finanzstadtrat Thomas Gegenhuber hat den versprochenen Sparkurs auf nach der Wahl verschoben. Gut so?
Die SPÖ will sich auf Kosten der Bevölkerung durchschummeln. Dabei ist Feuer am Dach. Wenn es dieses Jahr nicht gelingt, den Linzer Haushalt in den Griff zu bekommen (sprich Konsolidierung), dann sehe ich schwarz für unsere Stadt. Dafür braucht es einen echten Pakt für Linz, sprich die Bevölkerung muss ehrlich aufgeklärt und mit ins Boot geholt werden.
Gibt’s noch was zu Klaus Luger zu sagen? Der Ex-Bürgermeister war ja Ihr roter Lieblings-Sandsack. Fehlt er Ihnen?
Nein, ich bin froh, dass wir ihn los sind. Es waren zehn verlorene Jahre für Linz. Sogar seine größten Speichellecker und Günstlinge scheinen das nun verstanden zu haben und tun jetzt so, als hätte es ihn nie gegeben. Gestolpert ist er über eine „Kleinigkeit“. Mit den großen Schweinereien, der strukturellen Korruption, ist er jahrelang durchgekommen. Denn er war kein Einzeltäter. Zu viele haben mitgemacht, die meisten sind noch da.
„Prammer ist Jurist. Und so macht er auch Politik. Nach Luger ist das vielleicht für einige beruhigend. Für uns nicht.“
Auch über seinen Nachfolger Dietmar „Didi“ Prammer lassen Sie kaum ein gutes Haar. Ist er ein anderer, besserer oder schlechterer Luger?
Er ist Jurist. Und so macht er auch Politik. Nach Luger ist das vielleicht für einige beruhigend. Für uns nicht. Statt Verwalten braucht Linz Esprit, Leadership, Originalität und Gestaltung. Und eine selbstbewusste Stadtentwicklung. Gefragt sind Mut und Kommunikation, um die Krise bei den Hörnern zu packen.
Sie selbst sind gefühlt ein Linker. Und dennoch kann’s Ihnen kein Roter recht machen.
Links? Diese Zuschreibungen sind mir fremd. In der Lokalpolitik braucht es sachliche Zugänge, pragmatische Lösungen und Innovationen. Keine ideologischen Kasteln. Wir sitzen in der Mitte und sind Humanisten. Wir lieben Europa und verachten Identitäts-, Symbol- und Klientelpolitik.
Sie reisen viel. Sollte das nicht den Blick darauf schärfen, dass es sich in Linz eigentlich eh ganz fein leben lässt?
Stimmt. Linz ist schwer in Ordnung. Als ausgebildeter Architekt und Stadtplaner sehe ich aber vor allem Potenzial und das wird nicht systematisch und professionell gehoben. Zum Beispiel beim Linzer Donauraum.
„Der Flughafen wurde schamlos von der Stadt- und Landespolitik finanziell geplündert, anstatt strategisch zu arbeiten.“
Apropos Reisen: Haben Sie auch eine Idee zur Zukunft des Linzer Flughafens?
Leider haben sich meine Warnungen (seit 2016!) alle bewahrheitet. Der Flughafen wurde schamlos von der Stadt- und Landespolitik finanziell geplündert, anstatt strategisch zu arbeiten. Die Krise ist zum größten Teil selbst verschuldet. Als Flughafen für Linienflüge ist er mittlerweile obsolet. Wie so oft gehört die Politik raus aus dem Vorstand und dem Management.
Und was wird nach 2027 passieren: Gibt’s dann einen potocnikiösen „Abflug“ aus der Politik?
Im Gegenteil: Ich gehe davon aus, dass da ganz andere einen Abflug machen werden. Mehr von uns gibt‘s auf www.linzplus.at
Titelfoto: Die beiden LinzPUS-Gemeinderäte Brita Piovesan und Lorenz Potocnik. (Photo by Zoe Goldstein)



























