Die Linzer Idee einer eigenen Skihalle bekommt prominenten Rückenwind: Ski-Austria-Präsidentin Roswitha Stadlober drängt angesichts schwieriger werdender Trainingsbedingungen auf eine ganzjährig nutzbare Skihalle in Österreich. Damit erhält auch der bereits 2024 präsentierte Vorstoß von ASKÖ-Skiverein-Linz-Präsident Manfred Schauberger neue Aktualität: Er brachte bereits damals Linz als möglichen Standort ins Spiel.
Die Idee klang vor zwei Jahren noch einigermaßen spektakulär: Manfred Schauberger, Präsident des ASKÖ Skivereins Linz, wollte Linz ins Rennen um Österreichs erste große Skihalle schicken. Sein Vorschlag: eine Indoor-Piste mit rund 400 Metern Länge, möglicherweise ergänzt um einen Langlauftunnel. Als denkbaren Standort nannte Schauberger damals das Linzer Hafenviertel. Jetzt bekommt der Linzer Vorstoß kräftigen Rückenwind von ganz oben im österreichischen Skisport.
Stadlober: Skihalle muss „zum Thema werden“
Ski-Austria-Präsidentin Roswitha Stadlober sieht in einem ORF-Talk angesichts heißer Sommer, schmelzender Gletscher und immer schwierigerer Bedingungen für das sommerliche Schneetraining Handlungsbedarf. Gletschertraining, wie man es noch vor einigen Jahren kannte, werde es in Zukunft in dieser Form nicht mehr geben.

Eine Skihalle könnte deshalb vor allem für regelmäßiges Techniktraining eine wichtige Alternative werden. „Darüber müssen wir nachdenken, um ganzjährig trainieren zu können“, sagt Stadlober. Jetzt müsse der Boden dafür bereitet und die öffentliche Wahrnehmung geschärft werden: „Das muss zum Thema werden, auch für die Bevölkerung.“
Mehrwöchige und kostspielige Trainingslager in Übersee würden dadurch zwar nicht völlig verschwinden. Ein erheblicher Teil des Techniktrainings könnte aber unabhängig von Wetter, Temperaturen und Gletscherbedingungen in Österreich stattfinden.
Andere Länder sind längst einen Schritt weiter
International sind derartige Anlagen längst Realität. In mehreren europäischen Ländern gibt es große Indoor-Skigebiete, die sowohl vom Spitzensport als auch von Freizeitskifahrern genutzt werden.
Die flächenmäßig größte Skihalle Europas befindet sich in Norwegen, während im deutschen Bottrop eine rund 640 Meter lange Indoor-Abfahrt zur Verfügung steht. Österreich, immerhin eine der führenden Skinationen der Welt, besitzt bislang keine einzige vergleichbare Anlage. Stadlober hält es nur für eine Frage der Zeit, bis auch hierzulande eine solche Halle entsteht.
Schaubergers Linzer Idee flammt wieder auf
Manfred Schaubergers Überlegungen aus dem Jahr 2024 passen erstaunlich gut zur aktuellen Diskussion des ÖSV. Eine rund 400 Meter lange Piste wäre zwar deutlich kürzer als die Anlage in Bottrop, könnte aber für Techniktraining und Nachwuchsarbeit ebenso genutzt werden wie für den Breitensport. Ein zusätzlicher Langlauftunnel würde die Nutzungsmöglichkeiten noch erweitern.
Auch die Lage könnte für Linz sprechen: Die Stadt liegt verkehrstechnisch günstig zwischen Ostösterreich und den alpinen Regionen im Westen und verfügt über ein großes Einzugsgebiet bis hinein nach Bayern und Tschechien. Mit dem Zentralraum Linz-Wels befindet sich zudem ein bevölkerungsreicher Ballungsraum unmittelbar vor der Haustür. Und auch der Linz Airport könnte davon profitieren.
Achleitner als möglicher Ansprechpartner
Sollte die Idee tatsächlich wieder Fahrt aufnehmen, gäbe es in Oberösterreich einen naheliegenden Ansprechpartner: Sport- und Wirtschaftslandesrat Markus Achleitner. In seinem Ressort laufen mit Sport und Wirtschaft zwei Bereiche zusammen, die für ein Projekt dieser Größenordnung wesentlich wären.
Achleitner hat in der Vergangenheit zahlreiche Sportinfrastruktur- und Standortprojekte begleitet. Ein Projekt, das Spitzensport, Nachwuchsförderung, Freizeitangebot, Tourismus und wirtschaftliche Nutzung miteinander verbindet, würde jedenfalls mehrere seiner Ressortbereiche berühren.
ÖSV sucht Konzept und Partner
Linz und Oberösterreich sollten sich bei Interesse jedenfalls bald ins Gespräch bringen. Denn noch ist die österreichische Skihalle eine Idee und kein konkretes Bauprojekt. Stadlober betont selbst, dass dafür ein tragfähiges Konzept und Sponsoren notwendig wären.
„Eine Skihalle zeichnet sich durch einen schlauchartigen, überdachten Raum aus, der mit Liftanlagen und Abfahrten ausgestattet ist. Um einen künstlichen Berg zu erzeugen, hat das Fundament des Gebäudes ein Gefälle zwischen 10 und 35°. Damit der Kunstschnee hergestellt werden kann und sich auch hält, liegt die Innentemperatur konstant zwischen -2 und -5 °C. Gastronomie mit urigem Skihütten-Ambiente und Après-Ski-Musik gibt es in nahezu jeder Skihalle“, definiert das Portal snowtrex.de die Idee von Skihallen.
Sinnvoll wäre eine Skihalle in Zeiten von Klimawandel und immer weniger kleiner, nahe an Städten gelegenen Skigebieten allemal. Österreich als einer der wenigen weißen Flecken, was Skihallen betrifft, ist drauf und dran, hier den Anschluss zu verlieren. Ein Kernpunkt ist allerdings die Kostenfrage: Die Skihalle in Hamburg-Wittenburg (350m Pistenlänge) kostete ca. 75 Millionen Euro, etwa 100.000 Menschen/pro Jahr nutzen die Halle. Die 2001 eröffnete Skihalle in Bottrop (bewirbt sich selbst als „Größte Skihalle der Welt“) kostete damals rund 50 Millionen Euro – inflationsbereinigt entspricht das heute etwa 82 Millionen Euro.
Diese Summe entspricht in etwa den Baukosten der neuen LASK-Arena, die allerdings an über 300 Tagen im Jahr nicht genutzt wird – eine Skihalle wäre täglich in Betrieb und hätte auch einen tatsächlichen volkswirtschaftlichen Nutzen – inklusive Gesundheitsaspekte und Jugendsport. UND: Ein Großteil des Geldes müsste bei so einem österreichweiten Vorzeigeprojekt ohnehin vom Bund kommen…
Nachhaltigkeit gegeben
Auch das Thema Nachhaltigkeit wäre geregelt: Die Skihalle in Neuss etwa betont stolz, das sie weniger Energie benötigt als ein städtisches Freibad. Der Großteil der benötigten Energie kann zudem von Solarmodulen, die außen an der Halle angebracht werden, gewonnen werden. In Neuss wird die Skipiste als Zwischenspeicher genutzt: Der Schnee dort wird im Sommer, wenn zu viel Strom produziert wird, extrem runtergekühlt. Wird kein Strom produziert, kann die Energie der Piste wieder entzogen werden. Auch die Abwärme könnte für die Fernwärme genutzt werden.
Und die Preise? In Neuss kostet die Tageskarte für Erwachsene online aktuell 54,95 Euro, ein Zweistundenticket 39,95 Euro. Das Abendticket ab 17 Uhr unterliegt einem dynamischen Preismodell.
Kommentar
Eine Skihalle für Linz? 365 Tage im Jahr Skifahren – und das bis spät in die nicht, klimaneutral und noch dazu intensiv genutzt von Schulen, Vereinen, Hobbyfahrern, Touristen und und und? Warum nicht! Nachdem ein kleiner Lift nach dem anderen (wie vor einigen in der Koglerau oder in Kirchschlag) die Segel streichen muss, braucht es Maßnahmen, um den Skisport in Österreich nicht gänzlich den Bach runtergehen zu lassen. In Deutschland gibt es bereits sechs Skihallen, weltweit sind es über 100. Lediglich das Skiland Österreich hinkt nach – das gibt’s ja fast nicht, als Skination Nr.1!
Für die Sportstadt Linz und das Sportland Oberösterreich wäre es eine einmalige Chance und ein echter Turbo. Beim Bau der beiden Stadien in Linz, aber auch der Leichtathletik-Infrastruktur haben Stadt und Land gezeigt, was alles möglich ist, wenn man an einem Strang zieht – noch dazu bei einem Projekt, bei dem der Bund als „Hauptzahler“ auftreten müsste. Also: Brettln anschnallen und Voigas! wh
Titelfoto: Plohe, Redaktion/KI















