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„Das Ergebnis einer Volksbefragung nicht zu akzeptieren wäre politisches Harakiri“

25. Januar 2019
in Linz
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„Warum fürchten sich die alten Parteien und Herren so sehr vor mehr Bürgerbefragungen?“, fragt Lorenz Potocnik von NEOS Linz. Dank ihm werden voraussichtlich im Herbst alle wahlberechtigten Linzer darüber abstimmen, ob der LASK im Grüngürtel am Pichlingersee bauen darf – oder sich einen anderen Standort suchen muss. Potocnik warnt auch, dass die Politik die Ergebnisse von Bürgerbefragungen (wie von Bürgermeister Luger angedeutet) übergeht: „Das wäre politisches Harakiri.“

Herr Potocnik, was haben Sie eigentlich gegen ein Stadion für den LASK?
Noch mal und in aller Deutlichkeit: Es geht um den Standort. Dieser ist vollkommen ungeeignet, weil es Grünland und Naherholungsgebiet ist und weil es keine ernst zu nehmenden Öffis gibt. Diese wird‘s dort auch die nächsten 20 Jahren nicht geben. 

Jetzt brauchen Sie erst mal mindestens 6.100 Unterschriften, um die Bürgerbefragung zu ermöglichen.
Das ist ganz schön viel, so viele übrigens, wie es Stimmen für vier Gemeinderatsmandate braucht. Dafür werden viele zusammenarbeiten, Unternehmer, Bürger und alle Freunde des Pichlinger Sees. 

Wie geht es nach einer erfolgreichen Unterschriftensammlung weiter?
Im Herbst  kann dann die Befragung stattfinden. Die Frage, die zur Wahl steht, bestimmen übrigens wir selbst.

Krone-Sportredakteur Leblhuber schreibt: Die Standort-Gegner seien nur eine ganz kleine Minderheit.
Da irrt sich der gute Mann gewaltig. Offenbar bewegt er sich in seiner Sport-Blase und hat kein Sensorium mehr für die Linzer Bevölkerung. 

Potocnik am Tagerfeld in Pichling: "Der Standort ist so lächerlich schlecht, dass er an Selbstbeschädigung grenzt"
Potocnik am Tagerfeld in Pichling: „Schon der Hausverstand reicht aus, um zu erkennen, dass das Naherholungsgebiet ohne öffentliche Anbindung für ein privates Stadion ungeeignet ist“

Wie ist die Stimmung zum Stadionstandort Pichling aus Ihrer Sicht?
Ich orte breite Ablehnung. Schon der Hausverstand reicht aus, um zu erkennen, dass das Naherholungsgebiet ohne öffentliche Anbindung für ein (privates) Stadion ungeeignet ist. Auch die arrogante Art des LASK stößt vielen sauer auf. Bisher wurde die Bevölkerung nicht wirklich informiert. 

Bürgermeister Luger sagte bereits ganz offen, dass das Ergebnis der Bürgerbefragung für ihn nicht bindend sei. Wozu dann abstimmen?
Sich als Bürgermeister über eine Bürgerbefragung hinwegsetzen – so etwas traue ich nicht mal Klaus Luger zu. Es wäre politisches Harakiri. Die Bürgerbefragung ist ein Instrument unserer Stadtdemokratie, auf das wir stolz sein können. Aber auch mir wäre lieber gewesen, wenn Luger dem LASK von Anfang an klar gemacht hätte, dass dieser Standort nicht geht. Die Volksbefragung ist daher so etwas wie Notwehr. 

Luger haderte auch, weil die Schranke für die Einleitung einer Bürgerbefragung gesenkt wurde.
4% der Wahlberechtigten sind viel. Luger hat offenbar schon lange nicht mehr selbst Unterschriften gesammelt und weiß nicht mehr, was für ein Einsatz da nötig ist. 

Bürgerbefragungen sind eine seltene Spezies in Linz und Oberösterreich. Die letzten beiden datieren von 2015 (Eisenbahnbrücke) und 2000 (Musiktheater). Sollte dieses Instrument öfters eingesetzt werden?
Ja. Wovor fürchten sich die alten Parteien und Herren? Direkte Demokratie muss geübt werden. Essentiell wäre eine begleitende, transparente Infobroschüre. 

Zurück zum Stadionprojekt in Pichling: Relativ wenig weiß man noch über die Finanzierung des Stadions – und die Höhe der zusätzlichen Infrastrukturkosten. Welche Zahlen haben Sie?
Der LASK macht ein großes Geheimnis um sein Projekt. Das ist auch nachvollziehbar, weil jede Transparenz die enormen Folgekosten für die öffentliche Hand, sprich den Steuerzahler, offensichtlich machen würde. Über die Hälfte der 45 bis 50 Millionen Euro Errichtungskosten soll von Land und Stadt kommen. Allein die Aufschließungs- und Infrastrukturkosten können schnell weitere 20 Millionen Euro ausmachen. Rund um den Pichlinger See ist nichts vorhanden! Auch das Risiko und die laufenden Kosten sind enorm. Wer weiß, wie lange der LASK auf einer Erfolgswelle schwimmt?

Und warum setzen Sie sich nicht einfach mit LASK-Präsident Siegmund Gruber an einen Tisch?
Ist das mein Job? Der LASK will sehr viel, dann sollte schon Herr Gruber auf den gesamten Gemeinderat zugehen. Abgesehen davon ist der Standort so lächerlich schlecht, dass er an Selbstbeschädigung grenzt. 

Ein Blick nach vor: Wird es 2025 ein LASK-Stadion geben?
Ich kann mir gut vorstellen, dass es bis 2025 ein LASK-Stadion gibt. Ich glaube, es wird nicht in Linz stehen, sondern eher in Haid neben dem IKEA. Auch möglich, dass der LASK wieder auf eine adaptierte Gugl mit zusätzlichen Tribünen und abgesenktem Spielfeld zieht. Auch über dem zukünftigen Busbahnhof, dem ehem. Postverteilerzentrum, wäre ein spannender Standort. Egal wo, ich bin mir ziemlich sicher, dass der LASK zurück an den Start und die Standortsuche professionell angehen wird müssen. 

 

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