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    Schiffe oder Naherholung: „Die Bevölkerung muss die Entscheidungshoheit haben“

    21. Mai 2021
    in Linz, Politik
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    Es hätte ein ganz großer Wurf und ein absolutes Leuchtturmprojekt werden können: die Linzer Donauinsel am Jahrmarktgelände. Jetzt ist die Idee am besten Weg, ein fauler Kompromiss zu werden, glaubt der renommierte Freizeit- und Tourismusforscher Prof. Mag. Peter Zellmann: „Die ortsansässige Bevölkerung gehört mit einbezogen. Am Ende kann nur sie bestimmen, sie muss die Entscheidungshoheit haben.“ 

    Ein Donau-Seitenarm samt Badebucht, ein Radlersteg hinüber zum Brucknerhaus, Sitzstufen am Wasser, Bäume und großzügige Grüninseln, Freizeitflächen, dezente Gastrobereiche: Das acht Fußballfelder große und durch Beton versiegelte Jahrmarktgelände soll in eine Freizeitoase umgewandelt werden: Bei dieser Idee taten sich selbst die rückständigsten Stadtpolitiker schwer, Einspruch zu erheben. Die ersten Pläne ließen tatsächlich einen großen Wurf erwarten.

    Doch schon bald wurde der Rotstift angesetzt, man hörte nur mehr, was alles nicht geht, statt die großartigen Möglichkeiten zu sehen. Als kleinster gemeinsamer Nenner blieb am Schluss ein grünes Band im flussfernen Bereich und eine Badebucht im Osten des Areals übrig. Aber selbst hier hakt es jetzt: Touristiker und Schiffahrtsbetreiber wollen eine Anlegestelle für Donau-Kreuzfahrtschiffe herverlegen. Die bis zu 135m langen, dieselbetriebenen Riesen sind alles andere als ökologisch oder klimaneutral, weltweit regt sich der Widerstand gegen diesen Klimawahnsinn – von den Befürwortern des Donauinsel-Projekts ganz zu schweigen.

    Doch statt die Proteste ernst zu nehmen, wird an der neuen Anlegestelle festgehalten. Die Schiffsanlegestelle soll jetzt in einem „Kompromiss“ ein paar Meter weiter flussabwärts gerückt werden. Das Problem bleibt aber: Die (meist sehr alten) Schifffahrtstouristen sind es gewohnt, direkt an den Schiffen abgeholt zu werden, die Busse (und auch die Versorgungs-LKWs) müssten durch den gesamten Bereich der Donauinsel fahren: „Was soll das bitte für eine Lösung sein? Baden mit Ausblick auf ein Kreuzfahrtschiff, das die Sicht verstellt und wo Touristen von stinkenden, lauten Bussen abgeholt werden? Schluss mit diesen fadenscheinigen ‚Kompromisslösungen“, sagt Brita Piovesan. Die Linzerin wohnt nahe der Donau und ist wohl nicht als Einzige „fassungslos über so viel Ignoranz seitens der Politik.“ 

    „Von ökologischer Sinnlosigkeit begleitet“
    „Die Flusskreuzfahrt steht insgesamt in der Kritik, großteils zurecht, sie zerstört nicht nur die Umwelt, sondern ist auch von ökologischer Sinnlosigkeit begleitet – vor allem, wenn nicht  sichergestellt ist, dass ein entsprechender Anteil von Wertschöpfung in Linz bleibt“, sagt der renommierte Freizeit-und Tourismusforscher Prof. Mag. Peter Zellmann. Die boomende Schifffahrt auf der Donau sei dabei nur eines von vielen Beispielen des Overtourism:  In Venedig gab es einen ähnlichen Aufstand, „weil dort die Kreuzfahrttouristen ebenfalls nur kurz ausstiegen, eine Runde am Markusplatz drehten und wieder verschwanden.“
    Der jetzt angedachte Kompromiss sei laut Zellmann tatsächlich ein fauler, wenn die Bevölkerung nicht mit einbezogen würde: „Das gehört ordentlich gemacht mit mehreren Informationsveranstaltungen und Moderation. Am Ende kann bei so etwas nur die ortsansässige Bevölkerung bestimmen, sie muss die Entscheidungshoheit haben“, so Zellmann. 

    Der renommierte Freizeit- und Tourismusforscher Peter Zellmann: „Die Flusskreuzfahrt steht insgesamt in der Kritik, großteils zurecht, sie zerstört nicht nur die Umwelt, sondern ist auch von ökologischer Sinnlosigkeit begleitet – vor allem, wenn nicht  sichergestellt ist, dass ein entsprechender Anteil von Wertschöpfung in Linz bleibt.“

    Genau genommen ist die geplante  Schiffsanlegestelle keine neue, sie wird lediglich vom südlichen Donauufer (nahe des Römerbergtunnels) auf die andere Seite verlegt. Kritiker glauben, dass es um die Attraktivität des Standortes geht: „Beim Römerbergtunnel ist die Aussicht auf die Stadt nicht so schön, auch Busse können dort nicht direkt zufahren“, sagt Brita Piovesan. Es gäbe Alternativen zur geplanten Schiffsanlegestelle – etwa im Hafen oder beim Modellflugplatz, diese werden aber nicht in Erwägung gezogen. „Die Verlegung der Anlegestelle würde auch das linke Donauufer mit internationalen Touristen beleben“, bewertet zumindest Birgit Brandner-Wallner von der Donau Schiffsstation Gmbh die Verlegung der Anlegestelle nach Urfahr als positiv. 

    Fotos: Rendering: Architekturkollektiv GUT, www.freizeitforschung.at

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