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130cm: Viel Lärm um (fast) nichts…

Kritik am Radweg auf der Nibelungenbrücke völlig überzogen?

1. April 2025
in Klima, Land, Linz, Politik
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Dass die Autofahrer die effizientesten Frequenzbringer auf der Nibelungenbrücke sind, ist ein oft benutztes Argument. Alleine: Es stimmt nicht. Wir haben dazu ein paar spannende Zahlen zusammengetragen, die zeigen: Die Flächenaufteilung auf der wichtigsten Linzer Brücke ist nach wie vor ungerecht und auch nach der Errichtung von zwei zusätzlichen, 130cm breiten Radwegspuren sehr stark auf das Auto fokussiert.

Eine halbvolle Bim ersetzt 65 Autos – oder fast 500 Meter Stau
Gerne wird von Kritikern die absolute Zahl an Autos und Fahrrädern verglichen, ohne andere Parameter wie den Platzverbrauch und die Effizienz mit in die Rechnung zu nehmen. Zur Wahrheit gehört auch: Eine einzige, zu 50 Prozent besetzte Straßenbahn ersetzt (bei einem durchschnittlichen Besetzungsgrad von 1,2 Personen pro PKW) eine etwa 500 Meter lange Autoschlange oder 65 Autos. Hochgerechnet ergibt das 2.730 beförderte Personen pro Stunde – was einer Autokolonne von 17,5 Kilometern entspricht. 

Radfahrer ersetzen pro Stunde über 4,5 Kilometer Autostau
Pro Stunde passieren zu Stoßzeiten bis zu 2.300 Autos mit 2.760 Insassen die Nibelungenbrücke. Umgerechnet entspricht das einer Auto-Kolonne von mehr als 16 Kilometern. Bei den Radfahrern werden zu Stoßzeiten bis zu 780 Nutzer pro Stunde gezählt. Das wiederum ersetzt 650 Autos – oder einen Stau von über 4,5 Kilometern pro Stunde. Erfreulich hoch auch Spitzenwert bei den Fußgängern mit 2.160 pro Stunde. Würden diese Personen alle mit dem PKW fahren, ergäbe das in Summe eine mehr als 13 Kilometer lange Autoschlange.

NIBELUNGENBRÜCKE 

Maximale Nutzerfrequenz pro Stunde

  • Autoverkehr 2.760 Personen
  • Straßenbahn 2.730 Personen
  • Fußgänger 2.160 Personen
  • Radfahrer 780 Personen

Frequenz pro benutztem Meter Brückenbreite und Stunde

  • Straßenbahn 1.241 Personen
  • Fußgänger 1.000 Personen
  • Autoverkehr 476 Personen
  • Radfahrer 331 Personen

Ungerechter Platzverbrauch
Der Platzverbrauch der Verkehrsteilnehmer auf der Nibelungenbrücke ist auch nach der Errichtung der beiden neuen Radspuren stark aufs Auto gewichtet. Eine einzige vollbesetzte Straßenbahn könnte die Insassen aller Autos einer vollgestauten Nibelungenbrücke aufnehmen – bei über 90% weniger Platzverbrauch. Entsprechend schlecht fürs Auto fällt der Vergleich zwischen beanspruchtem Platz und beförderten Personen aus. Hier schneiden die Straßenbahn und die Fußgänger mit Abstand am besten und platzsparendsten ab, während just Autoverkehr und Radfahrer auf den hinteren Plätzen liegen. Letztere werden aber bei den Nutzerzahlen noch zulegen, da die neuen Radwege entsprechendes Potenzial haben.

Was in der Diskussion um die neuen Radwege ebenfalls kaum ins Treffen geführt wird: Mit den Bypässen der Voestrbrücke und der neuen Westringbrücke stehen für den KFZ-Verkehr vier zusätzliche vollwertige Fahrspuren zur Verfügung – und damit eigentlich mehr Platz als je zuvor.

 

Kommentar

UNAUFRICHTIGE STADTPOLITIK

Die Diskussion um die neuen Radspuren auf der Nibelungenbrücke zeigt einmal mehr die Unaufrichtigkeit der Stadtpolitik. Das rot-grün dominierte Rathaus hat bekanntlich das Ziel der Klimaneutralität bis 2040 ausgerufen. Statt also geschlossen hinter der  sinnvollen und richtigen Entscheidung der Radwegerweiterung auf der Nibelungenbrücke zu stehen, wird das (ÖVP-)Projekt vom ersten Tag an torpediert.

Dass sich die Linzer FPÖ im Rahmen ihres Pro-Autofahrer-Kurses  gegen die neuen Radwege auf der Nibelungenbrücke stellt, war erwartbar. Aber dass sich sogar die Grünen wegducken, ist beschämend. So wurde bereits  nach dem ersten Lüfterl an medialer Kritik bereits am 26. März via Presseaussendung gefordert, die Idee eines eigenen Radsteges über die Donau „aus der Schublade zu holen“. Den Radweg auf der Nibelungenbrücke aktiv und mit Vehemenz zu unterstützen, fällt den grünen Klima-Aposteln hingegen nicht ein.

Denn klar ist: Der immer wieder ins Spiel gebrachte Donausteg für Radler und Fußgänger würde – soferne dieses 20 Millionen Euro-Projekt überhaupt finanzierbar wäre – frühestens in 10-15 Jahren kommen. Leider nicht viel besser die Linie von SPÖ-Bürgermeister Prammer: Er bejubelt zwar die (sehr sinnvolle) Photovoltaik-Offensive auf öffentlichen Gebäuden der Stadt Linz, weil das in seinem Wirkungsbereich liegt. Andere Ideen wie der Radweg auf der Nibelungenbrücke werden dagegen ignoriert und mit keiner einzigen Silbe unterstützt. 

Was es bräuchte: Dass sich all jene politischen Kräfte und Agitateure, die sich in Linz für Klima- und Verkehrswende-Themen und somit für die neuen Radwege einsetzen, zusammentun und diese progressiv unterstützen. Ein gemeinsames Foto auf der Brücke – Prammer, Hajart, Schobesberger, alle auf einem Radl sitzend mit dem Tenor „JA, Linz will die Verkehrswende!“ – vielleicht bekommt die Stadtpolitik das noch hin. Allerdings nur, wenn man es wirklich ehrlich meint mit den eigenen Ansprüchen.

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