Mittels „Dekret über die Errichtung der Pfarre Linz-Süd“ wurden 13 Pfarren und Seelsorgestellen im Linzer Süden per 1. Jänner 2026 zu einer Großpfarre fusioniert. Ob es allerdings der richtige Weg der in Bedrängnis geratenen, absteigenden katholischen Kirche ist, das Angebot und die Nähe zu den Menschen weiter abzubauen, wird sich zeigen. In einer bewegenden letzten Zusammenkunft in der Pfarre Linz-St. Peter, die ebenfalls in einer neuen, anonymen Großpfarre aufgeht, schloss der bekannte Pfarrer Franz Zeiger das Trauungsbuch, des Taufbuch, das Konvertitenbuch und das Totenbuch seiner Pfarre, die im Jahre 1111 erstmals urkundlich erwähnt wurde, am 31.12.2025 ganz offiziell.
Es war eine aufsehenerregende Entscheidung, vor die viele Pfarren ohne jedes Mitspracherecht gestellt wurde: Von 486 regional verankerten Pfarren auf nur mehr 39 „Großpfarren“ verschlankt sich die OÖ Kirche – ein Kahlschlag, der auch die alteingesessenen Linzer Pfarren voll trifft. Die dort tätigen Pfarrer (falls es überhaupt noch einen gab) werden zu „Hilfspfarrern“ mit stark eingeschränkter Entscheidungsgewalt degradiert. Die regional und mit viel Akribie geführten Tauf-, Trauungs- und Totenbücher, die teilweise über mehrere hundert Jahre geschrieben wurden, wurden amtlich geschlossen.
„1111 wurde unsere Pfarre erstmals urkundlich erwähnt, und nun soll das alles sein?“
Mit dem 1. Jänner wurden auch die Bücher der Pfarre Linz-St. Peter „stillgelegt“. Es war ein bewegender Akt und denkwürdiger Moment, den Pfarrer Franz Zeiger in aller Würde beging. Die Pfarre Linz-St. Peter hat eine ganz besondere Geschichte: Sie wurde 1938 vom Örtchen St. Peter an der Donau wegen des Baus der damaligen Hermann Göring Werke auf den Spallerhof emigriert, die abgesiedelten, entwurzelten Menschen fanden am Spallerhof und am Keferfeld eine neue Bleibe.

„1111 wurde unsere Pfarre erstmals urkundlich erwähnt, und nun soll das alles sein?“ fragt Franz Zeiger, der letzte Pfarrer von St. Peter. Gleichzeitig sagt er aber auch: „Es geht weiter, wir werden auch unter den neuen Voraussetzungen unsere Arbeit fortsetzen. Warum? Weil Jesus immer bei uns ist, er hat nicht umsonst gesagt: Ich bin bei euch, bis zum Ende der Welt.“ Danach schloss er die alten Pfarrbücher für immer, um gleichzeitig ein neues Kapitel aufzuschlagen.

Mit der neuen Reform wurden die bisherigen Strukturen komplett über den Haufen geworfen. Pfarrer Franz Zeiger, der sich unter anderem mit der Spallerhofer Tafel für Notleidende und der Tiersegnung einen Namen gemacht hat, ist enttäuscht: „Wenn kein Pfarrer mehr vor Ort ist, dann kann man eben nicht nahe bei den Menschen sein. Ein Großpfarrer, der dann 10 bis 15 Teilgemeinden, wie das dann im Neusprech heißt, leitet, kann die Menschen doch nicht mehr persönlich kennen. Das ist ein Ding der Unmöglichkeit.“
Für die Leitung der einzelnen Pfarrteilgemeinden sind in Zukunft Teams aus mindestens drei Personen vorgesehen, lediglich eine davon hauptberuflich. Eine wichtige Rolle sollen zukünftig hingegen (kostenlose) Ehrenamtliche übernehmen, die jedoch allesamt über keine Befugnisse eines Pfarrers verfügen. Bei 15 Gemeinden kann der neue „Großpfarrer“ zukünftig wohl nur mehr zwei Tage im Monat persönlich in der jeweiligen Gemeinde anwesend sein.

Aktuelle Zahlen der Diözese Linz belegen den Schrumpfungsprozess der Kirche: So ist die Anzahl der Katholiken im neuen Dekanat Linz-Süd seit 1974 von 85.416 auf nur noch 31.258 Gläubige gesunken – ein Minus von mehr als 63 Prozent. Bei den Sonntagsgottesdiensten sank die Besucherzahl von 15.684 um 90 Prozent auf 1.564. Besonders dramatisch der Absturz bei den Taufen von 706 auf nur noch 13 (!) – oder 98 Prozent weniger. Gründe: Kirchenaustritte, die Demographie und der massive Zuzug von Andersgläubigen.
Kommentar
Die Diözese Linz und die Kirche im Allgemeinen hat in den letzten Jahrzehnten auch selbst dafür gesorgt, dass die Gläubigen in Scharen davonliefen. Leuchttürme wie die Pfarre St. Peter zeigten und zeigen, wie „Kundennähe“ funktioniert, aber das dringend nötige Unterstützung der Diözese Linz fehlt in vielen Bereichen komplett.
Der Linzer Bischof Manfred Scheuer? Fast das ganze Jahr über unsichtbar, Volksnähe oder Hemdsärmeligkeit sind nicht unbedingt die Stärken des „U-Boot-Bischofs“. Schade, aber genau da liegt das Problem der katholischen Kirche – man hat die Verbindung zu den Menschen oft schon längst verloren. Ob das jetzt eingeleitete massive Zurückfahren des Angebots und der Betreuung in den Pfarren vor Ort den Abwärtstrend der Kirche (bei gleichzeitigem Vormarsch des Islam) stoppt, ist mehr als fraglich…



























