Schock für die Macher der „Tribüne Linz“ (ehemaliges Eisenhand-Kino): „Wir wurden von unseren Vermietern überraschend gekündigt und sollen bereits Ende Juni dieses Jahres die Räumlichkeiten, in denen sich unser Theater befindet, leergeräumt zurückgeben. Wir gehen gerade gerichtlich dagegen vor und können daher in Absprache mit unserem Anwalt aufgrund des laufenden Verfahrens nur wenige Infos an die Öffentlichkeit geben“, sagen Cornelia Metschitzer und Rudi Müllehner. Unabhängig davon wollen sie ihr Programm für die kommenden drei Monate auf die Bühne bringen.
Die Tribüne Linz hat sich in den vergangenen zwölf Jahren zu einem pulsierenden Zentrum der freien Theater- und Kulturszene in Oberösterreich entwickelt. Aus einer nomadischen Theatergruppe hervorgegangen, hat sie sich in der Eisenhandstraße etabliert und als Ort für Kunst und Begegnung bewährt. Basierend auf der jüngsten Rückschau des Ensembles zeigt sich eine beeindruckende Entwicklung.
Von Oktober 2013 bis Dezember 2025 verzeichnete die Tribüne Linz bei fast 1.800 Vorstellungen rund 150.000 Besucher.
Die Wurzeln in der Mobilität: Von bühne04 zur festen Adresse
Die Geschichte der Tribüne Linz reicht zurück in die Jahre 2004 bis 2013, als das Ensemble unter dem Namen bühne04 – Theater für Toleranz agierte. In dieser Phase realisierte die Gruppe 28 Produktionen mit knapp 500 Vorstellungen und erreichte rund 38.000 Zuschauer. Die Aufführungen fanden an wechselnden Orten statt: Von der Kellerbühne im Gasthaus Alte Welt über das Kulturzentrum Hof bis hin zu Sommertheater-Spielstätten wie Meggenhofen, Wilhering, Oberneukirchen und Gallneukirchen, sowie schließlich im Volkshaus Kleinmünchen. Besonders wegweisend war der Einstieg ins Klassenzimmertheater, das den Grundstein für die Arbeit mit jungem Publikum legte und eine treue Schülerschaft schuf, die später in die Eisenhandstraße mitwanderte.
Mit diesem Erbe im Gepäck zog die Gruppe im Sommer 2013 in die leerstehenden Räume der Eisenhandstraße ein, die zuvor das Eisenhandkino und die Studiobühne des Linzer Landestheaters beherbergten. Ohne bestehende Infrastruktur mussten die Künstler alles selbst aufbauen: Zuschauertribüne, Bühne, Technik – inklusive unzähliger Kabelverlegungen. Unterstützt durch Investitionsförderungen von Stadt, Land und Bund entstand so ein eigenes Theater. Die Eröffnung am 2. Oktober 2013 mit dem Stück „Einige Nachrichten an das All“ von Wolfram Lotz markierte den Startpunkt, parallel zu laufenden Proben und Sommertheater-Aktivitäten.

Modernisierung und Anpassung: Der Sprung in die Moderne
Ein Meilenstein war die Modernisierung im Jahr 2021, mitten in der Corona-Zeit. Die unbequeme rote „Fußballstadion-Tribüne“ wurde durch eine komfortable Theatertribüne ersetzt, die technische Ausstattung digitalisiert und alte Geräte durch moderne, energieeffiziente LED-Beleuchtung ausgetauscht. Fördertöpfe des Bundes und des Landes Oberösterreich ermöglichten diesen Neustart für die Kulturbranche. Dadurch wurde die Tribüne Linz zur idealen Multibühne, die nun verstärkt Gastspiele aus Musik, Tanz und anderen Sparten aufnimmt.
Die Drei-Schienen-Struktur – eigene Abendschiene, Schulschiene und Gastspielschiene – sowie der Repertoire-Spielbetrieb mit abwechselnden Stücken haben von Anfang an hohe Publikumszahlen gesichert. Doch der hohe Produktionsdruck führte zu Überlastung. Die Pandemie zwang zu einer Besinnung: Das Team wurde auf zehn Köpfe reduziert, aber nach Fair-Pay-Richtlinien entlohnt, und die Premierenzahl an die Ressourcen angepasst. Dieser Bewusstseinswandel hat dem Ensemble guttun und die Nachhaltigkeit gestärkt.
„Die Tribüne Linz verkörpert den Geist der freien Kultur: Resilient, vielfältig und publikumsnah.“
Finanzielle Entwicklung: Wachstum durch Förderungen
Finanziell hat sich die Tribüne Linz kontinuierlich weiterentwickelt. Die Jahresförderungen stiegen von 2014 bis 2025 signifikant: Die Stadt Linz erhöhte ihren Beitrag von 50.000 auf 115.000 Euro, das Land Oberösterreich von 29.000 auf 130.650 Euro und der Bund von 47.000 auf 70.000 Euro. Hinzu kamen 295.000 Euro an Investitions- und Sonderförderungen. Das Gesamtbudget verdoppelte sich von 226.050 Euro (2014) auf 494.260 Euro (2024), einschließlich Einnahmen aus Kartenverkäufen, Kooperationen und Gastspielen.
Diese Mittel ermöglichten Investitionen wie ein eigenes Kartenbüro (seit 2017) und die Digitalisierung des Verkaufs. Das Team schulte sich, um den Anforderungen einer Multibühne gerecht zu werden – von Programmierung über Werbung bis zur technischen Betreuung.
Erfolge in Zahlen: Publikum und Produktionen
Von Oktober 2013 bis Dezember 2025 verzeichnete die Tribüne Linz bei fast 1.800 Vorstellungen rund 150.000 Besucher, mit einem Durchschnitt von über 83 Zuschauern pro Aufführung. 57 Eigenpremieren, darunter Klassiker und Jugendstücke, zogen über 66.000 Schüler an – eine außergewöhnliche Zahl für ein freies Theater.
Ausblick: Optimismus trotz Unsicherheit
Trotz der aktuellen Kündigung der Räume blickt die Tribüne Linz optimistisch in die Zukunft. Das Ensemble betont, dass die über 20-jährige Aufbauarbeit – von eigenem Schaffen bis zur Gastspielbetreuung – nicht verloren geht. Die Drei-Schienen-Struktur gilt als „Zauberformel“ für den Erfolg: Ein Ort, wo Künstler und Publikum aus allen Richtungen in entspannter Atmosphäre zusammenkommen. „Theater ist unser Leben“, heißt es, und die Notwendigkeit autonomer Räume für Kreativität und Experimente steht im Vordergrund.
Die Tribüne Linz verkörpert den Geist der freien Kultur: Resilient, vielfältig und publikumsnah. Mit kontinuierlicher Unterstützung könnte sie weiterhin ein Leuchtturm in Linz bleiben – eine Geschichte, die, wie das Ensemble versichert, gut ausgehen wird.
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