(K)EINE SCHÖNHEIT
Was hat sich das Neue Linzer Rathaus seit seiner Eröffnung im Jahr 1983 – dem offiziellen Jahrzehnt des schlechten Geschmacks – nicht alles anhören müssen – „Betonburg“, „Beamtenbunker“ war da noch das Netteste. Der Bau wird als typisches Beispiel einer „Megastruktur“ im Stil der damaligen Zeit gesehen. Solche Bauformen verstanden sich als eigenständige architektonische Landschaften, die unterschiedliche Maßstäbe und Nutzungen miteinander verbanden. Vergleichbare Gebäude finden sich in Österreich etwa beim AKH Wien und der UNO-City – oder auch das Lentia, das nur sechs Jahre zuvor in unmittelbarer Nähe mit ähnlich intensiver Betonpräsenz und deckungsgleicher optischer Gewöhnungsbedürftigkeit eröffnet wurde.
Und es stimmt ja auch: Steht man an einem kalten Novembertag vor dem fünfstöckigen Bau in markanter Lage direkt am Brückenkopf Urfahr, fällt es tatsächlich schwer, irgendetwas Schönes, Einladendes oder Heimeliges an der Außenfassade des Stahlbetonbaues aus 6.700 Betonfertigteilen und 2.120 Fenstern zu entdecken. Seine wahre Schönheit erschließt sich aus der Luft – oder bei einer Begehung. Neben herrlichen grünen Innenhöfen sind es die großzügigen Terrassen, viele davon mit Blick auf die Donau und auf die Stadt, die staunen lassen. Leider sind diese Bereiche – obwohl vom damaligen Wiener Architektenteam Rupert Falkner und Anton Fürtler als „begehbarer Hügel“ konzipiert – nicht öffentlich begehbar.
Wie das Neue Rathaus heute als Neubau aussehen würde? Die Wahl fiele wohl auf ein Hochhaus mit austauschbarer Optik, um die geplanten 100 Millionen Sanierungskosten wäre ein neues Gebäude dieser Größe nicht hinzubekommen. Aber: Ein dauerhafter Umzug ins (freiwerdende) RLB-Gebäude am Südbahnhofmarkt würde ungeahnte Möglichkeiten für ein neues Zentrum Urfahrs eröffnen. Aber das ist eine spannende Vision, die für Linz eine Nummer zu groß ist. Schade eigentlich.
Der LINZA-Wochenkommentar #04 vom 7. April 2026 zum Nachhören:




























