Seit einigen Jahren hinterlassen wieder Biber entlang des Linzer Donauraums ihre unverwechselbaren Spuren: angenagte Bäume, Burgen und Dämme. Kaum vorstellbar ist, dass das größte Nagetier Europas in Oberösterreich vor rund 160 Jahren vollständig ausgerottet war.
Der Europäische Biber (Castor fiber) gehörte ursprünglich zur heimischen Tierwelt Oberösterreichs und war entlang von Donau, Traun, Enns und Salzach weit verbreitet. Noch um 1780 sollen die Tiere an den Ufern von Salzach und Saalach in großer Zahl zu finden gewesen sein. Doch innerhalb weniger Jahrzehnte änderte sich das dramatisch.

Bereits 1861 berichtete die damalige Hugo’s Jagdzeitung, dass nur noch wenige Biberfamilien existierten und deren Überleben stark bedroht sei. Hauptgrund war die intensive Jagd. Besonders begehrt war das sogenannte Bibergeil (Castoreum) – ein Drüsensekret, das im Mittelalter und bis ins 19. Jahrhundert als Heilmittel gegen zahlreiche Krankheiten galt. Allein das Bibergeil eines ausgewachsenen Tieres erzielte damals Preise von mehr als 600 Gulden, ein kleines Vermögen.
Doch nicht nur das Drüsensekret machte den Biber zum begehrten Wild. Auch sein dichter Pelz war wertvoll, sein Fleisch galt aufgrund kirchlicher Sonderregelungen vielerorts sogar als Fastenspeise. Selbst Fett, Blut, Knochen und Zähne fanden in der Volksmedizin Verwendung.
1867: der letzten Biber in OÖ
Wie selten der Biber damals bereits war, zeigt ein außergewöhnliches Fundstück: Im Biologiezentrum Oberösterreich befindet sich das Fußskelett eines Bibers, der 1853 in der Straßerau bei Linz erlegt wurde. Zu diesem Zeitpunkt war der Biber in Oberösterreich praktisch schon verschwunden. Nur 14 Jahre später war in OÖ endgültig Schluss mit dem Biber : 1867 wurde an der Salzach der letzte oberösterreichische Biber geschossen, zwei Jahre später folgte bei Anthering das letzte bekannte Exemplar Österreichs. Damit galt der Europäische Biber in Österreich als ausgerottet.

Die Rückkehr nach mehr als 100 Jahren
Erst mehr als ein Jahrhundert später begann eine der größten Erfolgsgeschichten des heimischen Naturschutzes. Ab den 1970er-Jahren wurden in Österreich und Bayern wieder Biber ausgewildert. Die Tiere breiteten sich entlang der Flüsse rasch aus und erreichten schließlich auch wieder Oberösterreich.
Seit 1998 ist der Biber auch im Linzer Raum wieder aktiv
Erste Hinweise auf die Anwesenheit eines Bibers fanden sich im Herbst 1998 in den südlichen Donauauen am Mitterwasser und in der Schwaigau. Nach der Häufigkeit der Nagespuren zu schließen, dürfte es sich zu diesem Zeitpunkt um ein Einzeltier gehandelt haben, das sich geraume Zeit in diesem Gewässerabschnitt aufhielt. Anfang 1999 wurden dann vermehrt Nagespuren und Fällungen etwa 150 m oberhalb von der Überfahrt Schweigau auffällig. In weiterer Folge entstanden hier einige vom Biber gegrabene Ausstiege und ein Bau in der linken Uferböschung. In den nachfolgenden Jahren schritt die Besiedelung von Bibern im Linzer Raum – speziell im Westen und Süden der Stadt – zügig voran. Um die 110 Biber leben derzeit in 27 Revieren in Linz.
Dass Biber sich nicht ins Unendliche vermehren, dafür sorgt schon der innerartliche Regulationsmechanismus. Jedes Paar hat ein flächenmäßig festes Revier. An Gewässern mit optimalen Nahrungsbedingungen sind die Reviere relativ klein (0,5 bis 1 km Fließgewässerstrecke). Mit schlechter werdender Qualität nimmt die Reviergröße zu (bis 6 km). Die Reviergröße ist so angelegt, dass die ansässigen Biber dauerhaft in dem Gebiet überleben können. Durch die strenge Territorialität halten die Biber ihre Reviere lebenslang.















