Seit fünf Jahren ist er als Landesgeschäftsführer für Performance, Kampagnen, Ausrichtung und Wahlergebnisse der OÖVP mit- und teilweise hauptverantwortlich: Florian Hiegelsberger. Wir waren zu Gast im Heinrich-Gleißner-Haus und haben mit dem bald 40-jährigen Parteimanager über aktuelle Themen gesprochen – und natürlich über 2027, das ein besonders spannendes Wahljahr werden dürfte.
Florian Hiegelsberger, als Landesgeschäftsführer sind Sie der Mann, der im Hintergrund alles zusammenhält und koordiniert – im Zweifelsfall aber auch den Kopf hinhalten muss. Sie sind für Erfolge genauso mitverantwortlich wie für Misserfolge. Wie viel Spaß macht dieser Druck sieben Tage die Woche?
Wichtig ist, dass das, was man macht – ob beruflich oder privat –, auch Freude macht. Genau diese Aufgabe macht mir mittlerweile seit fünf Jahren sehr viel Freude. Landesgeschäftsführer der ÖVP in Oberösterreich zu sein, bringt natürlich auch sehr viel Verantwortung mit sich. Wir sind breit aufgestellt, in jeder Gemeindevertretung präsent, mit unseren Gemeindeparteien, den vielen Bürgermeistern und unserem Landeshauptmann. Wenn man Freude an der gemeinsamen Arbeit hat, ist das kein Stress, sondern oft sogar Ansporn, noch mehr zu geben.
„Ich bin gekommen, um etwas zu erreichen: für die Partei, für die ÖVP in Oberösterreich, für unsere Bürgermeister, aber auch für die Menschen im Land. Nicht, um etwas zu werden.“
War im Sommer Urlaub für Sie drin – oder läuft das Werk’l schon für das Wahljahr 2027?
Wir waren eine Woche in Süditalien, in Bari – natürlich sind wir ab Linz geflogen. Das war wirklich sehr angenehm. Wenn man zurückkommt, ist man allerdings sofort wieder im Alltag. Wir waren auch einige Male in Oberösterreich wandern. Eine unglaubliche Zeit in einem unglaublich schönen Land. Nächstes Jahr werde ich mir wahrscheinlich eine Urlaubssperre auferlegen. 2027 wird knackiger, weil im September mit der Oberöstereichwahl natürlich ein großes Ereignis ansteht.
Wenn man sich die Liste Ihrer Vorgänger als Landesgeschäftsführer anschaut, findet man durchwegs spätere politische Schwergewichte: Hattmannsdorfer, Strugl, Watzl, Hiesl. Ist der Weg zum Landesrat oder noch weiter damit auch für Sie vorgezeichnet? Beschäftigt Sie diese mögliche Zukunft – oder ist sie sogar eine gewisse Erwartungslast?
Das sind alles große Namen und großartige Persönlichkeiten, die ich natürlich sehr gut kenne und schätze. Aber meine Aufgabe ist es, hier und jetzt Landesgeschäftsführer der ÖVP in Oberösterreich zu sein – mit allen Facetten, die das mit sich bringt. Ich bin gekommen, um etwas zu erreichen: für die Partei, für die ÖVP in Oberösterreich, für unsere Bürgermeister, aber auch für die Menschen im Land. Nicht, um etwas zu werden.
Schwarz-Blau im Bund? Kompliziert. In Oberösterreich funktioniert die Zusammenarbeit hingegen weitgehend reibungslos. Wie schwierig wird es im Wahlkampf 2027, plötzlich auf Konfrontation umzuschalten und die Unterschiede zur FPÖ herauszustreichen?
Wir haben jetzt noch ein wichtiges Arbeitsjahr vor uns. Wir haben in der Vergangenheit gut zusammengearbeitet und werden das auch weiterhin tun, weil die Herausforderungen groß sind. Klar ist: Die OÖVP und die FPÖ sind zwei unterschiedliche Parteien. Das zeigt sich etwa in der Wirtschaftspolitik. Oberösterreich ist ein exportorientiertes Bundesland, sechs von zehn Euro werden im Ausland verdient. Auch bei gesellschafts- und sicherheitspolitischen Fragen gibt es Unterschiede. Wir verwenden beispielsweise keine Begriffe der Neuen Rechstextremen – etwa „Remigration“.

Und das Thema Zuwanderung und Integration?
Unser Weg ist: Rechte und Regeln müssen eingehalten werden, gleichzeitig soll jeder in Oberösterreich Chancen haben. Es gibt also sehr wohl klare Unterschiede. Aber solange wir Verantwortung für das Land tragen, ist unser Anspruch, ohne unnötigen Streit gemeinsam für die Menschen in Oberösterreich zu arbeiten.
Jetzt sind es noch etwas mehr als zwölf Monate bis zur Wahl. Wahrscheinlich gehen bereits die ersten Spin-Doktoren und Agenturen ein und aus. Sie werden die Linie für September 2027 vermutlich schon im Kopf haben. Das eine ganz große Wahlkampfthema fehlt derzeit aber noch. Worauf werden Sie sich fokussieren?
Wir sind DAS Wirtschafts- und Industriebundesland, ein Land der Arbeit und der Innovation. Entscheidend ist, dass die Menschen gute Jobs haben, von denen sie gut leben und sich etwas aufbauen können. Gleichzeitig gilt es den demografischen Wandel und die Pflege zu bewältigen. Hier gibt es die wichtige Frage: Wie können wir die Pflege älterer Menschen im gewohnten Umfeld stärken. Wir wollen mit neuen Technologien, Digitalisierung und künstlicher Intelligenz der Standort der Zukunft sein und neue Arbeitsplätze schaffen. Dazu gehören für uns auch Heimat und Familie: Wir wollen Kinderland Nummer 1 werden.
Die OÖVP mit Landeshauptmann Thomas Stelzer macht eigentlich einen guten Job im Land, bei vielen Kennzahlen steht Oberösterreich besser da als fast alle anderen Bundesländer. Dennoch gibt es Umfragen, die ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den Landeshauptmann-Sessel für möglich halten. Was läuft da verkehrt?
Es liegt in der Natur der Sache, dass wir als OBER-Österreicher weiter vorne sind als andere (lacht). Ich bin aber überzeugt, dass wir mit Thomas Stelzer, dem beliebtesten Politiker des Landes und einem Landeshauptmann, dem die Menschen viel zutrauen, wieder einen Erfolg bei der Oberösterreich-Wahl feiern werden.
„Wir wissen, dass zwei Drittel der Oberösterreicher mit der Landesregierung zufrieden sind. Das ist aber kein Grund, sich darauf auszuruhen, sondern ein Ansporn, noch besser zu werden.“
Die beste Performance hilft wenig, wenn alle weiter nach Wien schauen. Rückenwind vom Bund ist wohl auch 2027 nicht zu erwarten. Macht Ihnen das Kopfzerbrechen?
Die Menschen unterscheiden schon zwischen den verschiedenen politischen Ebenen. Wenn man mit unserem Landeshauptmann unterwegs ist, sieht man, welchen enormen Zuspruch er genießt. Wir wissen auch, dass zwei Drittel der Oberösterreicher mit der Landesregierung zufrieden sind. Das ist aber kein Grund, sich darauf auszuruhen, sondern ein Ansporn, noch besser zu werden.
Unüberhör- und unübersehbar bietet sich Martin Winkler mit seiner SPÖ als möglicher künftiger Partner an. Aktuell schießt er jedenfalls fast ausschließlich gegen die FPÖ. Hätte Schwarz-Rot für Oberösterreich Charme – auch weil ein Landhaus erstmals seit 1945 ohne ÖVP-Landeshauptmann für die Volkspartei wohl undenkbar wäre?
Wir haben in Oberösterreich ohnehin eine Konzentrationsregierung, in der wir mit allen Parteien zusammenarbeiten, die in der Landesregierung vertreten sind. Rund 95% Prozent der Regierungsbeschlüsse fallen einstimmig aus. Darüber hinaus gibt es viele Spekulationen. Für uns ist wichtig, konsequent und verlässlich zu arbeiten und unsere Themen proaktiv umzusetzen. Erst wird gewählt, danach wird man sich Gedanken über Koalitionen und die Formen der Zusammenarbeit machen.
Wie zufrieden sind Sie mit der oberösterreichischen Vertretung in Wien? Mit Claudia Bauer und Wolfgang Hattmannsdorfer stellt die OÖVP gleich zwei Minister. Ist Oberösterreich damit entsprechend stark vertreten?
Beide sind extrem ambitionierte Politiker. Claudia Bauer als Familien- und Europaministerin – wir sind eine proeuropäische Partei. Und wir sind sehr froh, mit Wolfgang Hattmannsdorfer einen Oberösterreicher in der wichtigen Position des Wirtschaftsministers zu haben. Wirtschafts- und Standortpolitik ist Zukunftspolitik und gerade für Oberösterreich ein extrem wichtiger Bereich. Deswegen sind wir froh, dass Wolfgang Hattmannsdorfer dieses Feld sehr aktiv gestaltet und immer wieder neue Dinge einbringt. Zum Beispiel die Industriestrategie – erstmalig in Österreich.
Es gibt Stimmen, die sagen, Christian Stocker sei „nur“ ein Übergangskanzler. Wäre Wolfgang Hattmannsdorfer ein geeigneter Nachfolger? Manche sehen ihn bereits als „Kronprinzen“.
Wir haben mit Christian Stocker einen Bundeskanzler und gewählten Bundesparteiobmann. Ganz wichtig ist, dass wir ein klares standortpolitisches Profil ausarbeiten – und da ist Wolfgang Hattmannsdorfer der richtige Mann zur richtigen Zeit.
Danke für die Einblicke. Schauen wir, was das nächste Jahr bringt. Spannend wird es jedenfalls!
Dankeschön für das Gespräch.

















