Während beim Urfahraner Herbstmarkt, der diesen Freitag startet, Tracht und Brauchtum selbstverständlich dazugehören, gehen Teile des seit kurzem grün regierten Münchens einen anderen Weg. Ausgerechnet während des Oktoberfests sind Dirndl und Lederhose in einigen Bars und Clubs unerwünscht. Gleichzeitig wurden traditionelle Figuren am legendären „Teufelsrad“ nach Kritik entschärft. Ist dieser neue Umgang mit alten Traditionen Ausdruck eines gesellschaftlichen Wandels in Städten, die immer „Linker“ werden, wie auch die Wahl vom letzten Wochenende in Berlin beweist?
Die Bar „Gebrüder Keller & Erben“ im Glockenbachviertel etwa zeigt ein Schild ein durchgestrichenes Dirndl samt Lederhose. „Keine Trachten – Mainstream gibt es woanders“, lautet die Botschaft. Auch im Café Kosmos nahe dem Hauptbahnhof gilt während der Wiesn bereits seit Jahren ein Trachtenverbot. Die Wirte argumentieren offizielle, dass es weniger um die Tracht selbst gehe als um stark alkoholisierte Wiesn-Gäste, Pöbeleien und Belästigungen. Gegenfrage: Warum weist man nicht einfach jene ab, die sich danebenbenehmen, sondern gleich alle, die Dirndl oder Lederhose tragen? Eine neue Form der „Sippenhaftung“? x
München wird grüner und linker
Es fällt auf, dass in München parallel zum politische Linksruck darüber gestritten wird, welchen Stellenwert Tradition und Brauchtum in einer modernen Großstadt noch haben sollen. Bei der Gemeinderatswahl 2026 wurden die Grünen mit 26,5 Prozent erneut stärkste Kraft, vor CSU und SPD. Mit Dominik Krause gewann zudem erstmals ein Grüner die Bürgermeister-Stichwahl.
Zu viel Haut am Teufelsrad – beim CSD kein Problem?
Für zusätzliche Diskussionen sorgt heuer das mehr als 100 Jahre alte „Teufelsrad“. Nach Kritik unter anderem von der städtischen Gleichstellungskommission wurden historische Figuren an der Fassade verändert: Ausschnitte wurden entschärft, zusätzliche Blusen und Hosen aufgemalt. Nach Angaben von Beteiligten kam man damals fraktionsübergreifend – unter Beteiligung von SPD, Grünen und CSU (!) – zu dem Ergebnis, dass einige Figuren als „sexistisch-rassistischen Stereotypen“ dargestellt seien.
Beim Münchner Christopher Street Day hingehen sind (viel mehr) nackte Haut und Freizügigkeit kein Problem, dort ziehen jährlich Zehntausende durch die Innenstadt, nackte Brüste, Hintern und auch Geschlechtsteile gehören dabei zum fixen und willkommenen Erscheinungsbild der Parade. Was dort als Ausdruck persönlicher Freiheit akzeptiert wird, sorgt bei weit harmloseren historischen Wiesn-Figuren plötzlich für behördlichen Änderungsbedarf. Zweierlei Maß – oder Ausdruck eines veränderten politischen Klimas im inzwischen grün regierten München?
In Linz ist Tracht willkommen – immer und überall
Ganz anders präsentiert sich das eigentlich viel provinziellere Linz: Am Freitag startet der Urfahraner Herbstmarkt. Heirsidn Nahtschwärmer,, die von „Urfix“ kommen, in der gesamten Linzer Nachtgastronomie herzlich willkommen. Man muss weder in München noch in Linz Tracht tragen. Aber ein Volksfest darf seine Traditionen auch einfach leben – ohne dass daraus gleich ein gesellschaftliches Problem wird.













