• Die Chemieindustrie verliert Arbeitsplätze, Europa kämpft mit Medikamentenengpässen. Zuletzt waren auch in Linz Grippe- und Gürtelrose-Impfstoffe knapp. LH-Stv. Manfred Haimbuchner und der Linzer Gesundheitsstadtrat Michael Raml wollen deshalb die Arzneimittelproduktion in Linz ausbauen. Ihr Konzept: schnellere Genehmigungen, Unterstützung für bestehende Betriebe und eine engere Verbindung von Forschung und Produktion.

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Medikamente statt Jobabbau: FPÖ will Linz als Pharmastandort stärken

Forderung: Kritische Medikamente sollen in Linz produziert werden

6. Oktober 2026
in Land, Linz
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Die Chemieindustrie verliert Arbeitsplätze, Europa kämpft mit Medikamentenengpässen. Landeshauptmann-Stellvertreter Manfred Haimbuchner und der Linzer Gesundheitsstadtrat Michael Raml wollen deshalb die Arzneimittelproduktion in Linz ausbauen. Ihr Konzept: schnellere Genehmigungen, Unterstützung für bestehende Betriebe und eine engere Verbindung von Forschung und Produktion.

Wie hart der industrielle Umbruch Linz trifft, zeigt ESIM Chemicals: Nach der Insolvenz mit rund 118 Millionen Euro Verbindlichkeiten bleibt der Standort erhalten – allerdings mit nur noch 145 statt bisher 289 Arbeitsplätzen, wie aus den präsentierten Unterlagen hervorgeht.

Wollen kritische Pharmaproduktion nach Linz holen: LH-Stv. Manfred Haimbuchner und Gesundheitsstadtrat Michel Raml. (Foto: Redaktion)

Gleichzeitig sieht die FPÖ Chancen für den Pharmastandort. Im Linzer Chemiepark arbeiten rund 4.000 Menschen. Mit Thermo Fisher Scientific und Takeda sind bedeutende Arzneimittelproduzenten bereits vor Ort. Thermo Fisher beschäftigt laut dem Konzept rund 800 Mitarbeiter und produziert Wirkstoffe für Arzneimittelhersteller in mehr als 20 Ländern.

„Grippe- und Gürtelrtose-Impfstoffe sind knapp, wie die jüngste Vergangenheit gezeigt hat. Medikamente selbst zu produzieren ist auch eine Frage der Sicherheit.“
Manfred Haimbuchner

Größere Lager allein reichen nicht
Haimbuchner und Raml verbinden die Standortfrage mit der Versorgungssicherheit. Laut FPÖ waren im Mai 473 Arzneimittel in Österreich eingeschränkt oder nicht verfügbar. Berechnungen des Großhandelsverbandes zufolge entspricht das rund 74.000 betroffenen Medikamentenpackungen täglich.

„Europa erlebt derzeit eine anders als normale wirtschaftliche Konjunkturdelle, nirgendwo anders zeigt sich das deutlicher als in der Chemiebranche.“
Manfred Haimbuchner

Die bisherige politische Antwort setzt vor allem auf größere Vorräte. Diese könnten kurzfristige Engpässe abfedern, lösen aus Sicht der FPÖ aber die Abhängigkeit von internationalen Lieferketten nicht. „Versorgungssicherheit darf nicht erst dann zum Thema werden, wenn die Regale leer sind“, sagen Haimbuchner und Raml.

Schnellere Verfahren, mehr Produktion
Für Linz fordert Raml eine „Fast-Lane-Pharma“: Eine zentrale Anlaufstelle im Magistrat soll Genehmigungen koordinieren, klare Zeitpläne schaffen und Verfahren möglichst parallel bearbeiten. Die Standards sollen dabei erhalten bleiben. Bestehende Pharma- und Chemiebetriebe sollen gezielt bei möglichen Erweiterungen unterstützt werden.

„Kepler-und Medizinuni mit ihren Forschungsbereichen sind ein Wettbewerbsvorteil, den andere Industriestädte nicht haben. Was in Linz erforscht wird, soll nach Möglichkeit auch in Linz produziert werden.“
Michael Raml

Raml kritisiert zugleich eine Standortpolitik, die sich auf Besuche und Erfolgsmeldungen beschränkt: „Ein Ministerbesuch schafft noch keinen Quadratmeter Produktionsfläche und ersetzt kein effizientes Genehmigungsverfahren.“

Auch der Uni-Standort Linz soll eingebunden werden. Universität, Kepler Universitätsklinikum und Unternehmen sollen stärker zusammenarbeiten. Was in Linz erforscht wird, soll möglichst auch hier produziert werden. Besonders im Fokus stehen Medikamente mit anfälligen Lieferketten, darunter Antibiotika und Kinderarzneimittel. Für konkrete Projekte sollen Fördermittel von Land, Bund und EU genutzt werden.

„Bei Neuansiedlungen muss dort angesetzt werden, wo wir am verwundbarsten sind: etwa bei Impfstoffen und Antibiotika.“
Michael Raml

Die FPÖ will in der kommenden Gemeinderatssitzung beantragen, dass Bürgermeister Dietmar Prammer gemeinsam mit den zuständigen Stadtsenatsmitgliedern die Stärkung des Pharmastandorts vorantreibt. Raml will als Gesundheitsstadtrat federführend aktiv werden.

Ramls konkrete Maßnahmen / Forderungen für Linz:

  • Entsprechende Flächen zur Verfügung stellen. Raml: „Bürgermeister Prammer Prammer soll prüfen, wo im Chemiepark noch Flächen zur verfügung stehen. Auch im Südpark Pichling, wo es bereits jetzt 1.000 Arbeitsplätze gibt, sind noch Flächen frei. Dort haben wir auch bereits die entsprechende Infrastruktur.“
  • Die langen Verfahrensdauern bei Betriebsanlagen- und Bauverfahren  kürzen. „Linz ist hier negativer Spitzenreiter, das hat das Kontrollamt such bereits ganz offiziell festgestellt“, so Raml. Digitalisierung gut und schön, aber am Ende des Tages braucht eines einen Menschen. einen Juristen, der alles freigibt. Hier ist der Magistrat gefordert.“ Es brauche zudem einen klaren Ansprechpartner für alle Punkte und eine frühzeitige Koordination aller Dienststellen und klare, verbindliche Zeitpläne für die Unternehmen. Raml: „Der Anspruch muss lauten: Wer in Linz in Versorgungssicherheit investiert, bekommt ein zügiges und ordentliches Verfahren.“
  • Klar ist: Das alles kostet Geld. Die Stadt Lint muss aber gar kein eigenes Geld zuschießen, es gibt im Bund auf EU-Ebene entsprechend gut gefüllte Fördertöpfe, die man aber auch nutzen und anzapfen muss. Das passiere viel zu wenig, so Raml.

CHEMIESTANDORT UNTER DRUCK – Arbeitsplätze in der Linzer Chemieindustrie

  • 4.000 Beschäftigte arbeiten derzeit am Chemiepark Linz – in rund 50 Betrieben.
  • 144 Arbeitsplätze gingen allein bei ESIM Chemicals verloren: Nach der Insolvenz konnten 145 von zuvor knapp 300 Arbeitsplätzen erhalten werden.
  • 600 Arbeitsplätze gingen laut Fachverband der Chemischen Industrie Österreichs im 4. Quartal 2025 österreichweit verloren.
  • 18 % betrug der Produktionsrückgang bei chemischen Erzeugnissen in Österreich laut FCIO in den vergangenen drei Jahren.
  • 100–200 Mio. € investieren die Unternehmen des Chemieparks Linz jährlich – ein Großteil davon fließt an österreichische Zulieferbetriebe.
  • Die Entwicklung zeigt: Der Linzer Chemiepark bleibt ein bedeutender Beschäftigungsstandort, steht aber zunehmend unter internationalem Kosten- und Wettbewerbsdruck. Der Erhalt bestehender Jobs und neue Investitionen werden damit zu zentralen Standortfragen.

 

 

 

 

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