Dunkel, kühl und voller Geschichte: Bei einer Führung mit den Austria Guides geht es in den Limonistollen unter dem Bauernberg – und damit in eine weitgehend verborgene Welt unter Linz. Einst fanden in den Luftschutzanlagen der Stadt 90.000 Menschen Schutz vor den Bombenangriffen des Zweiten Weltkriegs.
Wer heute durch den Bauernbergpark oder über den Freinberg spaziert, ahnt kaum, was sich unter seinen Füßen verbirgt. Die Hügel westlich der Linzer Innenstadt sind von einem weitläufigen System aus Kellern und Stollen durchzogen. Rund 15 Kilometer Tunnel in 14 Linzer Stollenanlagen gelten als dokumentiert, bei weiteren Anlagen sind Verlauf und Ausdehnung teilweise bis heute nicht vollständig geklärt.
Die Geschichte dieser unterirdischen Welt begann lange vor dem Zweiten Weltkrieg. Keller im Sandstein wurden unter anderem zur Lagerung von Bier und Wein genutzt. Mit den immer heftigeren Luftangriffen auf Linz während des Zweiten Weltkriegs bekamen die Anlagen jedoch eine völlig neue Bedeutung: Bestehende Keller wurden erweitert, neue Stollen in die Berge getrieben und zu riesigen Luftschutzanlagen ausgebaut.

Schutz für rund 90.000 Menschen
Die Dimension war gewaltig: Gegen Ende des Krieges sollen die Linzer Luftschutzstollen und -keller insgesamt Platz für rund 90.000 Menschen geboten haben. Wenn die Sirenen vor den alliierten Bomberverbänden warnten, suchten Zehntausende unter der Erde Schutz. Der Limonistollen unter dem Bauernberg war Teil dieses Systems. Heute kann man einen Teil dieser unterirdischen Welt bei Führungen kennenlernen – und bekommt dabei eine Vorstellung davon, was es bedeutet haben muss, während eines Luftangriffs mit vielen anderen Menschen tief im Berg auszuharren.

Die dunkle Seite der Stollen
Doch die Anlagen waren nicht nur Schutzräume. Ihre Entstehung ist eng mit einem der dunkelsten Kapitel der Linzer Geschichte verbunden. Beim Ausbau setzte das NS-Regime Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge ein. Im Februar 1944 wurden die ersten 100 Häftlinge des KZ Mauthausen nach Linz gebracht, um an den Luftschutzanlagen am Bauernberg zu arbeiten. Dafür wurde das KZ-Außenlager Linz II eingerichtet, das sich im Märzenkeller am Beginn der Bockgasse befand. Der höchste dokumentierte Häftlingsstand dieses Lagers lag bei 285 Menschen. Beim gesamten Linzer Stollenbau war die Dimension der Zwangsarbeit noch wesentlich größer. Historische Aufzeichnungen für mehrere beteiligte Baufirmen dokumentieren, dass 1944 Tausende Menschen im Schichtbetrieb für die Arbeiten eingesetzt wurden.

Mit Taschenlampe in den Bauernberg
Heute ist ein Großteil dieser unterirdischen Welt normalerweise nicht zugänglich. Umso spannender sind die zeitgeschichtlichen Führungen mit speziell ausgebildeten Austria Guides, bei denen Besucher in den Limonistollen hinabsteigen. Dabei geht es nicht nur um Jahreszahlen und technische Details. Die Guides erzählen vom Alltag während der Luftangriffe, von der Bedeutung der Stollen für die Bevölkerung, vom Ausbau während der NS-Zeit und von den Menschen, die zur Arbeit unter Tage gezwungen wurden. Auch die Atmosphäre trägt ihren Teil bei: lange dunkle Gänge, hohe Luftfeuchtigkeit, kühle Temperaturen und unebener Boden prägen die Szenerie.
Unser Linz-Tipp
Wer glaubt, seine Stadt bereits gut zu kennen, wird eine ziemlich beeindruckende Überraschung erleben. Nur wenige Meter unter Parks, Straßen und Häusern beginnt eine zweite, weitgehend unsichtbare Ebene von Linz. Die Führung durch den Limonistollen ist deshalb weit mehr als ein außergewöhnlicher Ausflug in den Untergrund. Sie verbindet Abenteuergefühl mit Stadt- und Zeitgeschichte und erinnert zugleich daran, welchen Preis der Bau dieser Anlagen während der NS-Diktatur hatte. Festes Schuhwerk und warme Kleidung sind empfehlenswert – und auch eine Taschenlampe sollte mitkommen. Helme werden vor Ort zur Verfügung gestellt. Alle aktuellen Termine, weitere Informationen und die direkte Anmeldung zu den Führungen gibt es unter www.limonistollen.at/termine
















