Es wird wohl nicht das letzte Mal gewesen sein: Nach dem letzten Jahr fielen auch heuer die Unterläufe der Linzer Bäche in Urfahr trocken. Auffallend ist, dass lediglich die letzten ein bis zwei Kilometer bis zur Einmündung ins Sammelgerinne austrocknen. Das Ergebnis ist für Flora und Fauna desaströs – Fische, Kleintiere und andere Lebewesen am Bachgrund verenden qualvoll. Einen echten Notfallplan der Stadt Linz gibt es aber auch heuer nicht. Anderswo wurde man bei ähnlichen Fällen längst aktiv – mit temporären Einleitungen von zusätzlichem Wasser.
Auch das Begleitgerinne zwischen VOEST-Brücke und Pleschinger See leidet extrem unter der fehlenden Wasserzufuhr aus den Bächen und liegt im westlichen Bereich bereits komplett trocken. An echte Maßnahmen wird in Linz aber nicht gedacht. Es gibt zwar einen „Hitzeschutzplan“, der im Vorjahr um 100.000 Euro kreiert wurde. Dieser erschöpft sich jedoch in Allerweltstipps und der Auflistung kühler Orte wie dem Neuen Linzer Dom – der Tierwelt und den trockengefallenen Bächen hilft das allerdings nicht, an sie wurde nicht gedacht.
Teilweise „selbstgemachte“ Austrocknung?
In Linz hat man als einzige Maßnahme das Projekt „Beaver Dam Analogs“ realisiert. Mit natürlichen Materialien wie Holz und Ästen werden kleine Dämme errichtet, die echte Biberdämme nachahmen. Sie sollen den Wasserabfluss bremsen und kleine Wasserbecken schaffen. Allein: Es wirkt nicht, die Unterläufe sind komplett ausgetrocknet. Einer der Gründe liegt wohl auch darin, dass die Wasserläufe in den letzten Jahren ausgebaggert und wegen des Hochwasserschutzes enorm verbreitert wurden. Durch diese Eingriffe versickert jetzt viel mehr Wasser. Bis die Schäden an der Sohle durch einsickernde Sedimente wieder abgedichtet sind, vergehen viele Jahre, ja sogar Jahrzehnte. Bis dahin braucht es eine Lösung.

Der Diesenleitenbach etwa führt bis zum Urnenhain Wasser, auf den letzten 500 Metern bis zum Donau-Begleitgerinne versickert der Bach aber komplett. Dieses Schicksal teilt der Haselbach, der gestern beim Biesenfeldbad noch genügend Wasser führte, nur ein paar hundert Meter weiter in Dornach aber komplett trocken ist.
Warum immer noch kein Notfallplan für die Linzer Bäche?
„Bei einer Dürre dieses Ausmaßes kann ein Austrocknen aber wahrscheinlich auch in Zukunft nicht gänzlich verhindert werden“, heißt es lapidar aus dem Büro der zuständigen Stadträtin Eva Schobesberger. Im Vorjahr verhinderten Anrainer-Kinder ein Massensterben, indem sie Krebse und Fische retteten, einen Aufruf seitens der Stadt gab es weder im Vorjahr noch heuer.
Aktiv wird man hingegen anderswo: Der Wolfgangsbach in Vorarlberg etwa war bereits heuer im Juni aufgrund der anhaltenden Trockenheit im Unterlauf nahezu ausgetrocknet, erste Fische und Flusskrebse verendeten bereits. Daraufhin zapfte die Feuerwehr auf Anordnung der Wasserwirtschaft einen Hydranten an und leitete Trinkwasser in den Bach ein. Die künstliche Wasserzufuhr wurde so lange fortgesetzt, bis ausreichend Niederschlag fiel und sich der Bach wieder erholen konnte.

Auch in der Schweiz setzt man auf ähnliche Maßnahmen: Mehrere Schweizer Kantone nutzen bei extremer Trockenheit Wasser aus Speichern oder regulieren Wehre, um kleineren Gewässern zusätzlich Wasser zuzuführen. Nach der Dürre 2003 wurden solche Maßnahmen vielerorts verstärkt, um Fischbestände zu schützen.
Eine temporäre Einleitung von Wasser in die Unterläufe der beiden großen Bäche in Urfahr wäre ein gangbarer Weg. Die LINZ AG liefert für Linz und 25 Umlandgemeinden durchschnittlich rund 65 Millionen Liter Trinkwasser pro Tag. An besonders heißen Sommertagen steigt der Bedarf sogar auf bis zu 85 Millionen Liter täglich. Würde man in die beiden großen Bäche für einen begrenzten Zeitraum von ein oder zwei Wochen zehn Liter pro Sekunde einleiten, wären das 864.000 Liter pro Tag – oder lediglich 1,3 Prozent des durchschnittlichen Tagesverbrauchs.
Auch das Begleitgerinne neben dem Donaudamm gibt Anlass zur Sorge, hier leben auch größere Fische, Krebse und viele weitere Wassertiere. Der Wasserlauf ist heuer erstmals auf halber Länge so gut wie ausgetrocknet. Hier wäre eventuell eine Zuleitung von der Donau ein gangbarer Weg, um künftige Austrocknungen und ein immer wiederkehrendes Auslöschen der Tier- und Pflanzenwelt zu verhindern. Denn klar ist: 2026 wird immer wieder kommen. Es wird Zeit, dass sich Fachleute und Experten dieses Problems annehmen – und nicht nur ständig über die Entsiegelung von Innenstadtplätzen, auf denen nachweislich seit 1.000 Jahren kein Baum stand, den Kopf zerbrechen.
Kommentar
Der 100.000 Euro teure Linzer „Hitzeschutzplan“ ist ein Projekt, das mit Maßnahmen wie einem Hitzewarnsystem, der Ausweisung kühler Orte und Informationskampagnen die Bevölkerung besser vor den gesundheitlichen Folgen von Hitzewellen schützen soll. Zu den natürlichen „Hitzegegnern“ gehören aber auch die Linzer Bäche und die Natur – an sie hat offenbar niemand gedacht. Sie fallen trocken – letztes Jahr, heuer und wahrscheinlich auch in den kommenden Jahren.
Das Perfide daran: Linz selbst trägt eine Mitverantwortung dafür, dass die Unterläufe kein Wasser mehr führen, während beim Erreichen des Stadtgebiets überall noch Wasser in den Bächen vorhanden ist. Wegen Hochwasserschutzmaßnahmen hat man die Bachbetten teilweise zerstört, ausgeräumt und verbreitert. Jetzt versickert das Restwasser im durchlässigen Untergrund – und das wird auch noch viele Jahre so bleiben, bis sich die Bachsohle vollständig erholt und durch Sickersedimente wieder abgedichtet hat. Umso wichtiger wäre es, für diese Übergangszeit entsprechende Maßnahmen wie eine temporäre Wasserzufuhr in den besonders heiklen Sommerwochen umzusetzen.
Linz investiert Millionenbeträge in Baumpflanzungen mitten in der Stadt, lässt aber gleichzeitig seine Bäche und die dortige äußerst wertvolle Flora und Fauna sterben. Gerade diese Wasserläufe übernehmen eine extrem wichtige Schutzfunktion für das Stadtklima und die Artenvielfalt. Geht es am Ende nur um schöne Fotos mit Innenstadtbäumen – oder tatsächlich darum, aktiv etwas gegen die Auswirkungen des Klimawandels zu tun? Es wäre jedenfalls höchst an der Zeit, entsprechende Maßnahmen zu setzen, statt mit den Achseln zu zucken und mit ein paar Bäumen in der Domgasse oder vor der Otto-Glöckel-Schule Greenwashing zu betreiben.
















