Dystopisch, destruktiv, beängstigend, lebensverneinend: Die Linzer Klangwolke war ein absoluter Tiefpunkt in der 47-jährigen Geschichte des größten Linzer Kulturevents. Scharenweise verließen die Besucher die ohnehin auf nur mehr 57 Minuten eingedampfte Klangwolke, die auch musikalisch als verstörender Klang- und Wortbrei daherkam. Statt die Veranstaltung zu nutzen, um einen positiven Blick auf unser Land, unser Leben und unsere Zukunft zu werfen, Freude zu vermitteln oder zumindest ein spannendes, nachvollziehbares Gesamtkunstwerk anzubieten, bleiben Verstörung und einmal mehr Weltuntergang zurück. Das Europa des Jahres 2026 kann vermutlich nicht mehr anders.
Ja, wir wissen es schon längst: Die Welt geht unter. Krieg, Dürre, Hochwasser, Feuer, Tod überall, keine Aussicht, da noch lebend rauszukommen. Auch die Klangwolke wurde einmal mehr für die Zurschaustellung der unvermeidbaren Apokalypse und der europaweiten Todessehnsucht eines ganzen Kontinents genutzt. Eine Stunde lang blutende Augen, brennende Wälder, zerbombte Städte, Flutwellen und Orkane, todtraurig dreinblickende Florianer Sängerknaben im Close-Up, dazu Wortfetzen und Musik, die großteils keine war (das Finale ausgenommen) – und außer den überraschungsfreien Laser-Lichtspielen keinerlei Aaah- und Oooh-Momente. Die visuellen Effekte reduzierten sich weitgehend auf eine schon tausendfach gesehene, schwimmende LED-Wall, die auf der Donau auf- und abgezogen wurde. Das Klangwolken-Sparbudget wurde einmal mehr an allen Ecken und Enden sichtbar.

Bei ähnlichen Großveranstaltungen und Events weltweit zelebriert man eine Feier des Lebens und der Zuversicht, zumindest in Ansätzen. Etwa bei Vivid Sydney – ein Licht- und Musikfestival, bei dem der gesamte Hafen und das Opernhaus in buntem Licht und mit atemberaubenden Effekten erstrahlen, inklusive mitreißender Musik und ohne jeden dystopischen Querpass auf den hinter dem Hauseck lauernden Weltuntergang. Oder die künstlerischen, musikalisch begleiteten Feuerwerk- und Drohnenshows, die es in vielen asiatischen Städten regelmäßig gibt.
Auch bei der Klangwolke flogen Drohnen – immerhin zwei Stück, an denen Leinwände mit blutenden Augen hingen. Feuerwerk gibt’s in Linz nur mehr auf der LED-Wall – als Kriegsszenario mit einschlagenden Bomben und brennenden Städten.
Mittlerweile hat sich die seltsame Entwicklung der Klangwolke zu einem verstörenden Etwas herumgesprochen: So leer wie 2026 war der Donaupark schon lange nicht mehr. Selbst mitten im Zentrum des Geschehens vor dem Brucknerhaus hätte man fangen spielen können – was auch spannender gewesen wäre als der parallel dazu gezeigte kulturelle Weltuntergang auf dem Wasser. Die offiziell genannten 90.000 Besucher haben sich gut versteckt. Es ging wohl eher in Richtung 50.000 – bestenfalls.

Eine Großveranstaltung dieser Art soll, nein muss für eine breite Masse konzipiert und gemacht werden – und nicht für einige wenige, die genau das als künstlerisch wertvoll empfinden, was der Großteil ablehnt. Wer mit dem Gezeigten nichts anfangen kann oder will, der ist dann im Zweifel halt zu dumm, um es zu verstehen.
Die Stadt Linz und die LIVA müssen sich entscheiden: Will man mit der Klangwolke Politik machen, künstlerisch abgehoben die Menschen davonjagen, uns selbst als zukunftslos darstellen und Destruktivismus verbreiten? Dann weiter so. Oder will man die größte Kulturveranstaltung Oberösterreichs wieder zu jenem positiven Leuchtturm von einst machen – nicht nur für unsere Kulturlandschaft, sondern für das gesamte Bundesland? Eine Veranstaltung mit positiver Strahlkraft, über die man monatelang spricht und die eine Zuversicht gebende Initialzündung in die für viele ohnehin nicht leichte dunklere Jahreshälfte ist. Aber das geht heute in Europa offenbar nicht mehr, schon gar nicht in Österreich und Deutschland, wo Kriegsangst, Klimawandel und der Weltuntergang generell zur Staatsdoktrin erklärt wurden. Daran ändert auch das Klangwolken-Finale, bei dem noch 5:30 Minuten lang ein paar hübsche Luftaufnahmen von Linz eingespielt wurden, nichts.
Linz kann – oder besser gesagt konnte – es auch anders: Noch heute schwärmen und träumen viele von jenen legendären Klangwolken, die (echte) Zehntausende in den Donaupark lockten: 1985 etwa „The Best of Pink Floyd“ mit Musik, Laser und Feuer, 1988 die gigantische „Vision aus Feuer, Wasser, Licht und Laser“ vor rund 150.000 Menschen. 2011 begeisterte die bombastische „Feuerwelt“ noch einmal rund 120.000 Besucher, 2018 sorgte „PAX“ mit riesigen Figuren, fliegenden Menschen und einem spektakulären Menschennetz über der Donau vor rund 100.000 Menschen für Aufsehen. Das waren Klangwolken, die man nie vergessen wird. Auch das gestrige Werk wird dauerhaft in Erinnerung bleiben – allerdings aus anderen Gründen.
Titelfoto: LIVA Linz
















