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Oberösterreich forscht für die Wälder von morgen

Der Wald ist als grüne Klimaanlage auch für Städte wichtig

9. September 2026
in Klima, Land
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Wälder sind weit mehr als Holzlieferanten: Sie speichern CO2, kühlen ihre Umgebung, halten Wasser zurück und sind gerade rund um wachsende Ballungszentren wie Linz ein wichtiger natürlicher Schutzschild gegen Hitze. Doch Trockenheit und steigende Temperaturen setzen den heimischen Wäldern zunehmend zu. Forst-Landesrätin Michaela Langer-Weninger setzt deshalb auf Forschung – und auf Baumarten, die auch das Klima in 50 oder 100 Jahren verkraften.

Wer an Klimaschutz in einer Stadt wie Linz denkt, denkt zuerst an öffentlichen Verkehr, Photovoltaik oder begrünte Dächer. Dabei steht eine der wirksamsten natürlichen „Klimaanlagen“ längst rund um die Stadt: der Wald. Wälder speichern Kohlenstoff, filtern Schadstoffe und Staub aus der Luft, bieten Lebensraum und wirken durch Schatten und Verdunstung kühlend. Gerade in dicht besiedelten Regionen gewinnt diese Funktion an Bedeutung. Doch der Klimawandel macht auch vor dem Wald selbst nicht halt. Steigende Temperaturen stellen die Forstwirtschaft vor ein besonderes Problem: Ein Wald lässt sich nicht innerhalb weniger Jahre umbauen.

Was jetzt gepflanzt wird, muss auch 2100 noch funktionieren
„Oberösterreichs Waldbauern denken seit jeher in Generationen. Durch klimatische Veränderungen werden bisherige Erfahrungswerte jedoch zusehends auf die Probe gestellt. Mit den Waldlaboren testen wir heute, welche Baumarten mit dem Klima von morgen zurechtkommen“, sagt Forst-Landesrätin Michaela Langer-Weninger.

 „Was heute gepflanzt wird, soll auch kommenden Generationen einen gesunden und wirtschaftlich nutzbaren Wald sichern. Deshalb müssen wir jetzt vorsorgen.“

Denn wer heute einen jungen Baum setzt, entscheidet darüber, wie OÖs Wälder ab 2050 aussehen. In tieferen und trockeneren Lagen könnten bis zum Ende des Jahrhunderts Bedingungen herrschen, für die manche heute verbreitete Baumart nicht geschaffen ist.

Dürre setzt vor allem der Fichte zu
Wie dringend der Waldumbau ist, zeigen Trockenperioden bereits heute. Hohe Temperaturen und fehlende Niederschläge bedeuten Stress für die Bäume. Besonders problematisch ist das für die Fichte. Der jahrzehntelange wirtschaftliche „Brotbaum“ der Forstwirtschaft gerät auf warmen und trockenen Standorten zunehmend unter Druck. Geschwächte Fichten werden zudem anfälliger für Schädlinge wie den Borkenkäfer. Was jahrzehntelang als sicherer Waldbestand galt, kann damit binnen kurzer Zeit zum Problemfall werden. „Die aktuelle Dürre führt uns deutlich vor Augen, dass Klimafitness im Wald keine Frage für irgendwann ist. Trockenstress wirkt sich bereits heute auf unsere Bestände aus“, warnt Langer-Weninger. 

Zehn Waldlabore suchen die Gewinner des Klimawandels
Genau hier setzt das Land Oberösterreich mit seinen mittlerweile zehn Waldlaboren an. Auf wissenschaftlich begleiteten Versuchsflächen wird unter realen Bedingungen untersucht, welche heimischen – aber auch potenziell geeigneten nicht heimischen – Baumarten und Herkünfte mit Hitze und Trockenheit besser zurechtkommen.

Erste Erfahrungen zeigen: Der Wald der Zukunft dürfte vielerorts deutlich vielfältiger aussehen. Neben Eiche, Weißtanne und Buche werden auch Baumarten beziehungsweise Herkünfte aus wärmeren Regionen Europas untersucht. Besonders trockenheitsverträgliche Arten wie Schwarzkiefer und Atlaszeder weisen laut den bisherigen Versuchsergebnissen meist nur sehr geringe Ausfälle auf.

Hoffnung aus Kalabrien
Ein besonders spannender Hoffnungsträger kommt aus Süditalien: die kalabrische Weißtanne. Sie hat sich in den oberösterreichischen Versuchen – insbesondere in tieferen Lagen – bislang als vital und wachstumsstark erwiesen.

Das Land hat deshalb eine Zusammenarbeit mit dem kalabrischen Forstdienst aufgebaut. 43 ausgewählte Bäume wurden zur Anzucht und Vermehrung in Österreich beerntet. In einer heimischen Plantage soll die genetische Vielfalt dieser Herkunft langfristig gesichert werden.

Die Mischung macht‘s
Langer-Weninger setzt dabei aber nicht auf die Suche nach einem einzigen „Superbaum“. Entscheidend sei vielmehr, für jeden Standort die richtige Mischung zu finden. Denn Mischwälder verteilen das Risiko: Kommt eine Baumart mit Hitze, Trockenheit oder Schädlingen nicht zurecht, können andere Arten ihre Funktionen zumindest teilweise übernehmen.

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