Die initiative „Wir sind LASK“ richtet sich in einem offenen Brief an den Linzer Bürgermeister Dietmar Prammer. Tenor: Die Stadt bekenne sich viel zu wenig zum Fußballsport im Allgemeinen. So gab es für das Meisterteam keinen Empfang und auch keine besondere Ehrung (das Land OÖ bittet hingegen heute zum offiziellen Landesempfang für die Doublegewinner). „Besonders deutlich wird dieses Armutszeugnis auch jetzt wieder bei der aktuellen Fußball-Weltmeisterschaft. Während andere Städte pulsierende Fanmeilen und städtische Public Viewings organisieren, herrscht auf den offiziellen Plätzen der Stadt Linz gähnende Leere, so „Wir sind LASK“. Wir haben den offenen Brei im Original-Wortlaut.
Offener Brief an den Bürgermeister der Stadt Linz
Herr Bürgermeister,
Linz investiert stolz in sein Image als Kulturhauptstadt, als Medienstadt, als Vorreiter der Industrie. Doch wenn es für viele um das populärste Kulturgut des Landes geht – den Fußball –, zieht sich die Stadtpolitik seit Jahren auf eine Position der kühlen Distanz und der emotionalen Ignoranz zurück. Als Linzer Bürger und Fußballfan verfolge ich eine Entwicklung, die mich zunehmend fassungslos macht: Während Kunst und Musik mit städtischen Kampagnen und Events gefeiert werden, wird der Fußball in Linz notorisch wie ein lästiger Fremdkörper behandelt.
Wie tief diese Ignoranz sitzt, hat die jüngste Vergangenheit schmerzhaft gezeigt: Im Mai dieses Jahres hat der LASK Historisches erreicht und erstmals seit 61 Jahren wieder das nationale Double aus Meisterschaft und Cup nach Linz geholt. Ein sportlicher Meilenstein, der die gesamte Region elektrisiert hat.
Und wie reagierte die Stadtpolitik? Mit ohrenbetäubendem Schweigen, unterbrochen nur von ein paar pflichtbewussten, netten Social-Media-Kommentaren aus der Marketingabteilung. Keine große städtische Würdigung, kein stolzer Empfang im Rathaus, der diesem historischen Erfolg gerecht geworden wäre.
Besonders deutlich wird dieses Armutszeugnis auch jetzt wieder bei der aktuellen Fußball-Weltmeisterschaft. Während andere Städte pulsierende Fanmeilen und städtische Public Viewings organisieren, herrscht auf den offiziellen Plätzen der Stadt Linz gähnende Leere. Großevents im Herzen der Stadt werden komplett verweigert oder dem privaten Sektor überlassen. Die Botschaft der Stadtverwaltung ist klar: Fußballfans und die Begeisterung im öffentlichen Raum sind in der Linzer Innenstadt unerwünscht.
„Schauen wir auf die neue Raiffeisen Arena: Für die Stadt Linz war dieser Deal ein finanzieller Befreiungsschlag. Durch die Übergabe des Areals hat sich die Stadt von den enormen Erhaltungskosten und dem Sanierungsstau der alten, maroden Gugl befreit.“
Dabei profitiert die Stadt Linz wirtschaftlich massiv von ihren Vereinen. Der Bau der neuen Stadien wird oft als „Geschenk an den Sport“ verkauft – doch ein genauerer Blick entlarvt dieses Narrativ als reines Kalkül. Schauen wir auf die neue Raiffeisen Arena: Für die Stadt Linz war dieser Deal ein finanzieller Befreiungsschlag. Durch die Übergabe des Areals hat sich die Stadt von den enormen Erhaltungskosten und dem Sanierungsstau der alten, maroden Gugl befreit. Das finanzielle Risiko wurde komplett auf den Verein abgewälzt. Heute investiert die Stadt nichts mehr in den Betrieb, sondern kassiert im Gegenteil Jahr für Jahr eine saftige Baurechtsrente. Gleichzeitig streicht Linz bei Länderspielen des ÖFB-Teams und internationalen Europacup-Nächten die fette Beute ein: Hotellerie, Gastronomie, Handel und der öffentliche Verkehr profitieren massiv von der Umwegrentabilität, die die Vereine erzeugen.
Kurzum: Die Stadt Linz nutzt den Profifußball als lukratives Geschäftsmodell, weigert sich aber beharrlich, sich emotional zu ihm zu bekennen oder die Erfolge unserer Vereine gebührend zu feiern. Viele Fans fordern kein Steuergeld für Millionengehälter. Wir fordern Anerkennung. Wir fordern eine Stadtpolitik, die den Fußball als Teil der Linzer Identität begreift, statt ihn nur als Einnahmenquelle zu betrachten. Wir fordern, dass die Begeisterung für diesen Sport wieder einen Platz im öffentlichen Raum unserer Stadt bekommt – durch sichtbare Anerkennung geschichtsträchtiger Erfolge, echte Imagekampagnen und städtisch organisierte Fanzonen bei Großereignissen.
Es ist an der Zeit, dass Linz nicht nur eine Stadt mit zwei Bundesliga-Stadien ist, sondern endlich wieder eine echte Fußballstadt wird.














