Integration ist und bleibt die große Herausforderung auch in OÖ: Dazu haben Experten und Vertreter aus Religionen, Bevölkerung, Politik und Integration gemeinsam eine „Hausordnung für Oberösterreich“ mit 13 zentralen Regeln erarbeitet. Diese wurden nun präsentiert, die Umsetzung startet mit 2. Februar 2026. Ziel: klare Regeln für ein gutes Zusammenleben zwischen „Dasigen“ und Zugewanderten.
„Geschaffen wurde ein Regelwerk mit 13 Regeln, die festhalten, wie wir in OÖ miteinander leben wollen und was wir voneinander erwarten“, sagt Landeshauptmann Thomas Stelzer. Es gehe um „Verbindlichkeit und Klarheit“. Die oö. Hausordnung soll bereits morgen, am 29. Jänner im oö. Landtag beschlossen werden. Ziel: Spannungen wegbringen, den Zusammenhalt stärken. Keinesfalls solle die oö. Hausordnung ein „Papiertiger“ sein, die Regeln müssen auch gelebt werden, so Stelzer.

Basis dafür war eine Studie von Paul Eiselsberg, in deren Rahmen im April 1.000 Landsleute befragt wurden. Die Antworten fielen klar aus: Bei der Frage, ob die Verantwortung bei der Integration zu einem großen Teil bei den Zugewanderten und weniger bei den Inländern liegt, antworteten 74 Prozent der Befragten mit „voll und ganz“ bzw. „eher“.
„ Die OÖ Hausordnung sagt verständlich, was uns wichtig ist und was wir voneinander erwarten. Integration heißt für mich nicht Beliebigkeit, sondern Zugehörigkeit auf Basis von Respekt, Verantwortung und Leistung. Mit der landesweiten Umsetzung sorgen wir dafür, dass diese auch im Alltag gelebt werden.“
Landeshauptmann Thomas Stelzer
Eingebunden bei der Erstellung wurden alle Bevölkerungsschichten und -gruppen. Die Umsetzung der oö. Hausordnung beginnt bereits am 2. Februar zu Maria Lichtmess‘. Integrations-Landesrat Christian Dörfel: „Der Termin ist nicht zufällig gewählt, Lichtmess‘ ist ein Zeichen für Aufbruch. Die Hausordnung ist das Wertefundament für die Zukunft unserer Heimat. Mit der oö. Hausordnung wollen wir Klarheit und Orientierung geben und aufzeigen, was bei uns geht und was nicht.“ Bislang wurde nie klar definiert, was eigentlich „unsere“ Werte seien, so Dörfel.
„Die OÖ Hausordnung ermöglicht auch die wichtige Unterscheidung zwischen Leistungsträgern, die zum Wohlstand beitragen, und Integrationsverweigerern, die unsere Systeme ausnutzen wollen.“
Integrations-Landesrat Dr. Christian Dörfel
Die 13 zentralen Regeln der oö. Hausordnung
- Jeder Mensch hat Würde und verdient Respekt
Alle Menschen sind gleich viel wert. Wer Respekt will, muss selbst respektvoll handeln – in Worten und Taten. Höflichkeit und gute Umgangsformen gehören dazu. - Freiheit braucht Verantwortung – sie endet dort,wo die Freiheit des anderen beginnt
Frei sein heißt, sein Leben selbst zu gestalten, ohne anderen zu schaden. Freiheit gilt für alle, nicht nur für einen selbst. - Frauen und Männer sind gleichberechtigt – ohne Wenn und Aber
Frauen dürfen nicht unterdrückt, kontrolliert oder schlecht behandelt werden – ganz gleich, welche Kultur oder Religion man hat. Männer und Frauen verdienen sowohl beruflich als auch privat den gleichen Respekt. - Kein Platz für Hass und Extremismus – egal von welcher Seite
Demokratische, faire Spielregeln gelten für alle und schützen uns. Wer andere bedroht, abwertet oder ausgrenzt, verletzt unser Miteinander. Das wird nicht geduldet. - Deutsch und Bildung öffnen Türen – sie sind Pflicht, nicht Kür
Sprache schafft Verständigung, Bildung eröffnet Perspektiven. Wer dazugehören will, muss lernen. Eltern tragen die Verantwortung für die Bildung ihrer Kinder. - Zukunft und Wohlstand sichern – mit Leistung und Gemeinsinn
Leistung, Fleiß und Tatkraft sind die Grundlage für persönlichen Aufstieg und Wohlstand. Wer Verantwortung übernimmt und das Gemeinwohl mitdenkt, stärkt unser Land und gestaltet unsere Zukunft mit. - Hilfe für alle, die sie wirklich brauchen – nicht für jene, die sie ausnutzen
Wer unterstützt wird, muss bereit sein, selbst etwas beizutragen – durch Arbeit, Weiterbildung und Integration. Wer das ausnutzt, verletzt die Solidarität und muss mit Konsequenzen rechnen. - Streitigkeiten werden mit Argumenten gelöst nicht mit Gewalt
Meinungsverschiedenheiten gibt es immer. Sie müssen mit Argumenten und Verständigung gelöst werden, nicht mit Drohungen oder Gewalt. - Gemeinsame Räume verlangen gegenseitige Rücksicht
Öffentliche Orte wie Straßen, Parks und Plätze gehören uns allen. Rücksicht, Sauberkeit und angemessenes Verhalten werden von allen verlangt. - Vielfalt schätzen – klare Grenzen bei Fehlentwicklungen
Unterschiede machen das Miteinander oft bunter und lebendiger. Vielfalt ist aber keine Ausrede, um Menschenwürde, Gleichberechtigung oder das Gesetz zu untergraben. - Heimat bewahren und gemeinsam gestalten
Heimat entsteht, wo sich Menschen zugehörig und verantwortlich fühlen. Wer dazugehören will, sollte bereit sein, durch Engagement und Ehrenamt seinen Beitrag zu leisten. - Religion gibt Halt und Orientierung – aber keine Religion steht über dem Gesetz
Jeder darf glauben, oder nicht glauben, was er möchte – aber niemand darf seine Religion über andere oder das Gesetz stellen. - Unsere Kultur verdient Respekt – wer hier lebt, hat sie zu achten
Wer hier lebt, kann Neues einbringen, muss aber die Werte und Gewohnheiten achten, die unser Land geprägt haben – und sich anpassen, ohne gleich die eigene Identität aufgeben
zu müssen.
Eigene Webseite als zentrale Anlaufstelle: ooe-hausordnung.at
Als zentrale Anlaufstelle dient eine eigens eingerichtete Webseite. In den kommenden Wochen werden hier zudem Übersetzungen in zehn Sprachen verfügbar sein, um die zentralen Regeln des Zusammenlebens in Oberösterreich auch in der jeweiligen Muttersprache zu vermitteln.
Kritik kommt von den Grünen: „Keine noch so große Inszenierung kann die Entbehrlichkeit dieser Hausordnung wettmachen. Denn deren Werte sind unbestritten, sie decken sich mit dem Grundkonsens in unserer Gesellschaft und Verfassung“, sagt die grüne Integrationssprecherin Ines Vukajlović.

























