Eines ist fix: Der große „Wumms“ in der Pflege in Oberösterreich kommt ab 2030, wenn die Babyboomer in Pension gehen. Das Land OÖ betreibt enorme Anstrengungen, um diese Herausforderung zu meistern. Kernpunkt ist dabei die Oö. Pflegestrategie 2040, die Soziallandesrat Christian Dörfel intensiv vorantreibt.
„Zwischen 2030 und 2040 kommt der große Schub an Pflegebedürftigen“, weiß Landesrat Christian Dörfel. Aktuell kommen Menschen mit durchschnittlich 87 Jahren in ein Pflegeheim und verbleiben dort im Schnitt für etwa 8,5 Monate. „Die Menschen in Oberösterreich sollen auch künftig ihren Lebensabend so weit es geht in vertrauter Umgebung gestalten können.“ Wenn das nicht mehr möglich ist, stehen landesweit 134 Pflegeheime zur Verfügung, 116 davon sind in öffentlicher Hand so Dörfel. Um für diese personelle Herausforderung die nötigen Mitarbeiter zur Verfügung zu haben, gibt es verschiedene Ansatzpunkte. Einer davon ist die Pflegelehre, die sich sehr gut entwickelt.
„Wir stellen uns der Herausforderung einer alternden Gesellschaft. Mit unserer oö. Pflegestrategie 2040 richten wir unsere Systeme konsequent auf die Zukunft aus.“
2023 waren es 17 Jugendliche, die sich für die Pflegelehre begeistern ließen, im Vorjahr bereits 44. „Ich traue mich zu sagen, dass es in zwei Jahren bereits über 100 sein werden“, so Dörfel. Den Jungen kommt es dabei gar nicht so sehr aufs Geld an (Dörfel: „Hier gab es in der Vergangenheit bereits enorme Verbesserungen“), sondern auf die Arbeitsbedingungen: „Die Jugend ist im digitalen Zeitalter aufgewachsen und möchte diese Möglichkeiten auch im Beruf haben, Listenschreiben will keiner mehr“, weiß die Leiterin der Abteilung Soziales im Land OÖ, Cornelia Altreiter-Windsteiger.
Ein krisensicherer Beruf mit Sinn
Landesrat Dörfel nennt weitere Gründe, warum viele jungen Menschen zur Pflege tendieren: „Die Jugend ist vermehrt auf der Suche nach einem Sinn im Leben und im Beruf, zudem ist ein Job in der Pflege krisensicher.“ Man müsse für den Pflegeberuf aber auch geboren sein und die nötige Menschenliebe und Hilfsbereitschaft mitbringen: „Ohne dem geht’s nicht“, so Dörfel.
Darüber hinaus wird die Ausbildungsoffensive auch 2026 fortgesetzt. Für heuer stehen 84 Lehrgänge mit 1.878 neuen Plätzen für eine Ausbildung im Bereich der Betreuung und Pflege zur Verfügung – ein absoluter Höchststand.
Fokus auf Drittstaatenrekrutierung
Viel Potenzial sieht Dörfel auch in der Drittstaatenkrekrutierung von Pflegekräften, wie sie bereits mit den Philippinen im Rahmen einer Kooperation sehr gut gelang. 400 Arbeitskräfte konnten von dort bereits gewonnen werden – 280 für die Pflege und 120 im Gesundheitsbereich. „Alleine in der Pflege können damit 360 zusätzliche Menschen betreut werden“, zeigt Dörfel das Potenzial auf. Die künftige Blickrichtung liegt auf vier weiteren Ländern: Kolumbien, Indien, Indonesien und Nordmazedonien, wobei hier der Fokus auf den jeweiligen christlich sozialisierten Reil der Bevölkerung gelegt wird.
Eine zusätzliche Herausforderung bei der Personalgewinnung: die weitere Attraktivierung des Pflegeberufs hin bis zur positiven Außendarstellung. Gelingen soll das durch einen starken Markenauftritt und einer koordinierten, umfassenden Beratung zu den Möglichkeiten in der Pflegeausbildung.
Foto: Land OÖ/Charlotte Guggenberger



























