Der vorgesehene Standort für die Interdisciplinary Transformation University Austria (IT:U) im Bereich des Biologiezentrums in Linz-Auhof wird in Fachkreisen und von Bürgerinitiativen hinsichtlich mehrerer Risikofaktoren kritisch betrachtet. Unter anderem soll hier der „Helle Wiesenknopf-Ameisenbläuling“ – ein seltener Schmetterling – leben. Dies könne „artenschutzrechtliche Genehmigungsverfahren verlängern und den Zeitplan für die Umsetzung beeinflussen“, wird in einem offenen Brief der Bürger-Initiative „Retten wir den Grüngürtel“ quasi in Aussicht gestellt. Zudem werden im an die Gründungpräsidentin Stefanie Lindstaedt gerichteten Schreiben weitere Kritikpunkte aufgelistet.
Problematische Verkehrs- und Erschließungssituation
Die geplante Erschließung des Campus soll über bestehende Nebenstraßen erfolgen, die teilweise einspurig ausgeführt sind und in einer verkehrsberuhigten 30-km/h-Zone liegen. Kritiker halten es für schwierig, die erwarteten rund 5.000 Studierenden und Mitarbeitenden zusätzlich zum bestehenden Verkehr der Johannes Kepler Universität (JKU) über dieses Wegenetz abzuwickeln.
„Der Standort bietet nur begrenzte Flächenreserven für ein künftiges Wachstum der Universität. Eine spätere bauliche Erweiterung von Instituten oder Forschungseinrichtungen erscheint daher schwierig.“
Es wird befürchtet, dass dies regelmäßig zu Stausituationen im umliegenden Wohngebiet führen und die Lebensqualität der Anrainer beeinträchtigen könnte. Gleichzeitig würde eine solche Randlage ohne leistungsstarken Schienenanschluss den motorisierten Individualverkehr begünstigen – was den Ansprüchen einer modernen, nachhaltig orientierten „Green University“ widersprechen könnte. Zudem liege das Areal in einer Zone, die als relevante Kaltlufttrasse für den Stadtteil Urfahr fungiere. „Eine großflächige Bebauung könnte diese natürliche Luftzirkulation beeinträchtigen“, heißt es im offenen Brief.

Darüber hinaus ist ein Geländegraben, der sogenannte „5. Elmberg-Graben“ oberhalb des geplanten Geländes bislang nicht hochwassersicher ausgebaut – im Gegensatz zu den vier benachbarten Gräben. Ohne umfangreiche technische Maßnahmen zur Sicherung der Hangwässer bestünde bei extremen Niederschlagsereignissen ein erhöhtes Risiko für das Universitätsgelände und angrenzende Wohngebiete. Zusätzlich wird auf das Vorkommen streng geschützter Arten (darunter der Helle Wiesenknopf-Ameisenbläuling) hingewiesen. Dies könnte artenschutzrechtliche Genehmigungsverfahren verlängern und den Zeitplan für die Umsetzung beeinflussen.
Räumliche und strategische Einschränkungen
Der Standort biete nur begrenzte Flächenreserven für ein künftiges Wachstum der Universität. Eine spätere bauliche Erweiterung von Instituten oder Forschungseinrichtungen erscheint daher schwierig. Darüber hinaus fehlt es vor Ort an geeigneten Flächen für die Ansiedlung von Start-ups, Partnerunternehmen oder kooperierenden Einrichtungen. Dies könnte die Entwicklung eines lebendigen Innovations-Ökosystems behindern, das auf engem Austausch zwischen Wissenschaft und Wirtschaft basiert.
Alternative Überlegungen gefordert
Befürworter einer zentraleren Lage verweisen auf bereits versiegelte Brachflächen im Stadtgebiet, etwa das Areal der ehemaligen Postcity beim Hauptbahnhof oder das frühere Nestlé-Gelände in der Nähe des ÖPNV-Knotens Franckstraße. Eine Realisierung an solchen Standorten würde nach Ansicht der Kritiker eine bessere ÖPNV-Anbindung, engere Kooperationsmöglichkeiten mit Industriepartnern sowie den Erhalt von Grün- und Kaltluftflächen ermöglichen und aufwendige Schutzmaßnahmen gegen Hangwasser überflüssig machen.
Die endgültige Standortentscheidung für die IT:U steht derzeit noch aus; das Land Oberösterreich hat jedoch im Spätherbst 2025 angekündigt, die Umwidmung des Biologiezentrums-Areals bei der Stadt Linz zu beantragen. „Sehr geehrte Frau Präsidentin, wir laden Sie ein, diese Punkte in die weitere Planung einfließen zu lassen. Eine Universität, die den Wandel lehrt, verdient einen Standort, der technologisch sicher, ökologisch vorbildlich und logistisch durchdacht ist“, sagt der Sprecher der Bürgerinitiative, Alexander Jäger.


























