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„Den Linz-Frankfurt-Flug mit Millionensubventionen aufleben zu lassen, ist absolut sinnlos“

Die nicht gedeckelte Übernahme von etwaigen Millionenverlusten durch das Land OÖ ist Teil der Ausschreibung

16. Januar 2026
in Freizeit, Land, Linz, Politik
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Verrennt sich Wirtschafts-Landesrat Markus Achleitner da komplett in einem sinnlosen und möglicherweise millionenteuren Projekt? Er will dem Linienflug nach Frankfurt mit Millionensubventionen wieder neues Leben einhauchen. Ein „Kompensationsmechanismus“, der offensichtlich nicht nach oben gedeckelt ist, soll  Verluste eines möglichen Carriers abdecken. Medial war zuletzt die Rede von 5 Millionen Verlust pro Jahr auf der Frankfurt-Strecke. Brisant sind in diesem Zusammenhang die Aussagen des Geschäftsführers eines großen Linzer Unternehmens, das den Frankfurt-Flug in der Vergangenheit oft nutzte, mittlerweile seit Jahren aber davon abgesehen hat: „Die Wirtschaft in OÖ benötigt diese Anbindung nicht mehr, sonst hätte man diese auch genutzt.  Wenn schon, würde eine Linienverbindung mit British Airways nach London mehr Sinn ergeben, auch mit Turkish nach Istanbul und dem großen Streckennetz hätte mehr Erfolg.“

Wieviel Verlust Austrian/Lufthansa mit der Strecke Linz-Frankfurt vor Einstellung der Verbindung einflog, bleibt ein Betriebsgeheimnis. Es dürfte aber eine beträchtliche Summe gewesen sein, sonst hätte man die aus oö. Sicht „unverzichtbare“ Strecke nicht eingestellt (der Flug war ein Jahr zuvor bereits schon einmal für längere Zeit nicht mehr im Flugplan zu finden). Laut einem Bericht der Kronenzeitung soll der Abgang zuletzt Millionen Euro pro Jahr betragen haben – bei einer vierjährigen Wunschlaufzeit des Vertrages mit einer neuen Airline könnte da zweistellige Verluste drohen, die mit Steuergeld abgeglichen werden müssten.

Nicht inkludiert ist in der Rechnung die Grundförderung zur Aufnahme der Verbindung, die noch dazukommt – plus die dringend nötige Pistensanierung des Linzer Flughafens, die mit weiteren 25 Millionen Euro zu Buche schlägt. Heißt: Bis zu 50 Millionen Euro an Steuergeld für den Linz Airport sind keine Utopie, da der Betrieb des Linzer Flughafens auch abseits des Frankfurt-Fluges schwer defizitär ist.

„Linz ist via Wien ans Star Alliance Streckennetz perfekt angeschlossen, auch darum ist der Frankfurt-Flug sinnlos und ein Minderheitenprogramm. Wenn schon, würde eine Linienverbindung mit British Airways nach London mehr Sinn ergeben, auch mit Turkish nach Istanbul und dem großen Streckennetz hätte mehr Erfolg.“

Nach oben hin abgesichert hat man sich in irgendeiner Richtung zumindest laut Ausschreibung noch nicht, was die Übernahme etwaiger Verluste über den geplanten Zeitraum von vier Jahren betrifft. Laut Landesrat Achleitner sei das „noch Verhandlungsache“. Die ganze Sache könnte auch für die Stadt Linz teuer werden, da sie ja bekanntlich immer noch 50-prozentiger Eigentümer des Linz Airports ist.

Die Eckpunkte zur Ausschreibung für den Linz-Frankfurt Flug. (Quelle: Land OÖ).

Der Geschäftsführers eines großen Linzer Unternehmens (Name der Redaktion bekannt) ließ uns auf Anfrage ein paar brisante Statements zukommen:

  • „Die Verbindung Frankfurt mit Millionensubventionen wieder aufleben lassen, ergibt absolut keinen Sinn. Wenn die Strecke profitable für eine Airline wäre, würde sie diese Verbindung weiterhin bedienen.“
  • „Die Wirtschaft in OÖ benötigt diese Anbindung nicht mehr, sonst hätte man diese auch genutzt.“
  • „Die neue Frequenz der Flüge soll ähnlich sein wie bei Austrian. Warum soll dasselbe Angebot, das seit Jahren nicht mehr funktioniert, nun genutzt werden? Somit wird sich an der Verlustrechnung langfristig nichts ändern.“
  • „Wir werden diese Strecke als Businesskunden nicht mehr buchen, da wir in der Vergangenheit zu viele schlechte Erfahrungen gemacht haben aufgrund von Flugausfällen und Umbuchungen. Und wie will man eine neue Airline zwingen, einen fast leeren Flug nicht ausfallen zu lassen?“
  • „Die Ticketpreise für die Frankfurt-Anbindung waren im 1:1 Vergleich zu Salzburg oder Graz immer viel zu hoch, von Wien gar nicht zu reden.“
  • „Der Zug ab Linz zum Flughafen Wien ist perfekt auf Transferzeit und Abfahrtsdichte abgestimmt. Die Steuergelder sollte man nachhaltiger investieren, dass man z.B. gratis mit dem Flugticket aus ganz OÖ mit den Öffis nach Wien anreisen kann.“
  • „Linz ist via Wien ans Star Alliance Streckennetz perfekt angeschlossen, auch darum ist der Frankfurt-Flug sinnlos und ein Minderheitenprogramm. Wenn schon, würde eine Linienverbindung mit British Airways nach London mehr Sinn ergeben, auch mit Turkish nach Istanbul und dem dortigen großen Streckennetz hätte mehr Erfolg.“
  • „Warum soll die Politik Steuergeld verschwenden, wenn die Wirtschaftlichkeit und Bedarf nicht gegeben ist? Man kann die Betriebe finanziell besser unterstützten (etwa bei den Energiekosten) als etwas künstlich am Leben zu erhalten.
  • „Auch werden die Ticketpreise durch die Steuergeld-Subventionen nicht günstiger – weder für Firmen noch für Touristen.“

 

Die Gesamtkosten für ein klassisches Kurz- und Mittelstreckenflugzeug wie dem Airbus A320 liegen für die Strecke Linz-Frankfurt-Linz grob geschätzt bei etwa 32.000 Euro inklusive aller Steuern und Gebühren (Austrian Airlines gaben in der Vergangenheit für vergleichbare Routen Ausgaben von etwa 15.600 Euro inklusive aller variabler Kosten pro Leg an, mittlerweile hat die Inflation diese Summe aber wohl noch weiter nach oben getrieben).

Bei mindestens 14 wöchentlichen Frankfurt-Verbindungen (wie sie in der Ausschreibung gefordert werden) sind das bis zu 1,8 Mio. Euro/Monat (oder fast 22 Mio. Euro pro Jahr), die „verflogen“ werden. Bei einer kleineren Maschine wie der ATR 72 mit 70 Plätzen (die als Mindestforderung in der Ausschreibung genannt werden) sinken die Kosten zwar, bleiben aber wohl trotzdem bei weit über einer Million Euro/Monat. Die Vertragsdauer soll laut Ausschreibungsunterlagen vier Jahre betragen.

Klar ist auch: Erst bei einer Mindestauslastung von etwa 80-85 % würde sich die Strecke tatsächlich rechnen und ohne Zuschüsse seitens des Auftraggebers Land OÖ auskommen. Heißt: In einem 150-sitzigen Flugzeug müssten jeden Tag mindestens 120 Passagiere sitzen – jeweils in beide Richtungen wohlgemerkt. Zuletzt soll es im Frankfurt-Flug immer wieder mal einstellige (!) Passagierzahlen gegeben haben…


Kommentar
Irgendwie wird einem mulmig, wenn man sich diese gesamte Gemengelage rund um Linz und Frankfurt ansieht. Da will Wirtschaftslandesrat möglicherweise Millionenbeträge pro Jahr aufwenden, um eine Flugverbindung zu erhalten, die überspitzt gesagt eigentlich kaum jemand will (abgesehen von Politikern, die via Frankfurt nach Brüssel fliegen und ein paar Geschäftsleuten, denen die Zugfahrt nach Wien zu bodenständig ist).

Bitte nicht vergessen: Wir sprechen hier über ein Produkt, das trotz fehlender Konkurrenz oder Mitbewerber kaum angenommen wurde – obwohl zuletzt nur mehr kleines, 70-sitziges Fluggerät zum Einsatz kam.

Dass jetzt die große Welle an Geschäftsreisenden und Privatpersonen hochschwappt, die alle von Linz nach Frankfurt fliegen wollen, bleibt wohl Wunschdenken. Längst hat sich bei den meisten Urlaubsreisenden (ja, gerade die braucht es, damit diese Verbindung überhaupt funktionieren würde) die durchaus bequeme und flotte Verbindung mit dem Zug direkt zum Flughafen Wien als angenehme Alternative etabliert – vor allem auch, weil sogar das Zugticket längst günstiger ist als die Parkgebühr am Linz Airport…

 

 

Foto: Linz Airport

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