Linz verleiht sich selbst gerne viele Titel: Kulturhauptstadt, Friedensstadt, Klimastadt, Digitalisierungshauptstadt… eine längst fällige Zuschreibung fehlt allerdings: MÜLLHAUPTSTADT. Überquellende Mistkübel, Müll auf Gehsteigen und Grünstreifen, verdreckte Plätze: Die Beschwerden über mangelnde Sauberkeit in Linz häufen sich. Und ausgerechnet jetzt zückt die Stadt bei der Reinigung den Sparstift – die Landstraße wird seltener gewaschen, öffentliche Mistkübel werden nur mehr dreimal pro Woche statt wie bisher täglich entleert. Für Stadtvize Martin Hajart Hajart (ÖVP) ein fatales Zeichen: „Es muss mehr statt weniger gereinigt werden.“
„So dreckig war’s noch nie“ – diesen Eindruck gewinnen offenbar immer mehr Linzerinnen und Linzer beim Gang durch die Stadt. Ein Gradmesser dafür ist die stadteigene Plattform „Schau auf Linz“: Dort häufen sich Meldungen über illegal entsorgten Müll, verschmutzte Straßen, Grünflächen und Gehsteige.
Weniger Wasserwägen, weniger Leerungen
Die Reaktion der Stadt auf die angespannte Finanzlage: Bei der Reinigung wird gespart. Und das gleich an mehreren Stellen. Die Landstraße wurde bislang alle zwei Wochen durchgewaschen, künftig soll das nur noch alle drei Wochen passieren. Gleichzeitig werden dafür statt drei nur noch zwei Wasserwägen eingesetzt.
Noch deutlicher fällt die Reduktion bei den Mistkübeln aus. Bislang waren Mitarbeiter für deren zusätzliche Entleerung täglich zwischen 14 und 22 Uhr im Einsatz. Künftig soll dieser Dienst nur noch dienstags, donnerstags und freitags und in deutlich kürzeren Zeitfenstern stattfinden. Zusätzlich wurden Wochenend-Überstunden bei den Reinigungskräften gestrichen. Die Folge: Werden Mistkübel nicht rechtzeitig geleert, landet der Abfall daneben – und aus einem vollen Kübel wird schnell ein kleiner Müllplatz.
„Wenn öffentliche Räume zunehmend ungepflegt wirken, entsteht sehr schnell der Eindruck, dass sich niemand mehr darum kümmert. Diesen Eindruck dürfen wir in Linz nicht entstehen lassen.“
Hajart: „Putzbesen wird in die Ecke gestellt“
Für VP-Linz-Chef und Vizebürgermeister Martin Hajart sind die Einsparungen angesichts der bereits bestehenden Probleme das völlig falsche Signal: „Die Verwahrlosung nimmt in Linz vielerorts sichtbar zu. Gerade jetzt bei der Stadtreinigung den Sparstift anzusetzen, ist daher das völlig falsche Signal. Die Antwort auf den zunehmenden Schmutz und immer mehr Beschwerden kann nicht sein, dass in Linz der Putzbesen in die Ecke gestellt wird.“
Sauberkeit ist dabei weit mehr als eine Frage der Optik. Verschmutzte und ungepflegte öffentliche Räume beeinflussen auch das Sicherheitsgefühl maßgeblich. „Wenn öffentliche Räume zunehmend ungepflegt wirken, entsteht sehr schnell der Eindruck, dass sich niemand mehr darum kümmert. Diesen Eindruck dürfen wir in Linz nicht entstehen lassen“, so Hajart.
Ausgerechnet die Landstraße
Besonders kritisch sieht der Stadtvize die Entwicklung auf der Landstraße. Die wichtigste Einkaufsstraße der Stadt kämpft ohnehin mit Leerständen, wirtschaftlichem Druck und Diskussionen über ihre Attraktivität. Weniger Reinigung könnte die Situation zusätzlich verschärfen, denn eine saubere Innenstadt ist nicht nur für die Lebensqualität der Bewohner maßgeblich: Sie ist auch eine Visitenkarte für Handel, Gastronomie und Tourismus.
Unterstützung bekommt Hajart von der FPÖ. Auch Sicherheitsstadtrat Michael Raml übt deutliche Kritik an den Einsparungen bei der Stadtreinigung. Dass Linz angesichts der angespannten Finanzlage sparen müsse, stehe außer Frage – entscheidend sei aber, wo der Rotstift angesetzt werde: „Sparen braucht klare Prioritäten. Eine saubere Stadt ist kein Luxus, sondern gehört zu den grundlegenden Leistungen, die sich die Bürger von ihrer Stadt erwarten dürfen“, so Raml.















