Die KPÖ Linz stellt sich für die Gemeinderatswahl 2027 neu auf: Michael Roth-Schmida (54), HTL-Lehrer und seit 2021 Gemeinderat, übernimmt Platz eins. Auf Platz zwei folgt die 32-jährige Sozialwirtin Christina Pree. Die langjährige Frontfrau Gerlinde Grünn wechselt hingegen auf die Landesebene und wird Spitzenkandidatin für die Landtagswahl.
Damit beginnt bei den Linzer Kommunisten eine neue Ära. Grünn sitzt seit 2009 im Gemeinderat und hat die KPÖ in Linz über viele Jahre geprägt. Bei der Gemeinderatswahl 2021 schaffte die Partei mit 3,3 Prozent und 2.831 Stimmen zwei Mandate.
Roth-Schmida und Pree wollen vor allem mit leistbarem Wohnen, sozialen Themen und nachhaltiger Stadtentwicklung punkten. Roth-Schmida bringt insbesondere Verkehrsthemen ein, Pree will ihren Schwerpunkt auf soziale Angebote, öffentlichen Raum und ein kinderfreundliches Linz legen. Die KPÖ verweist dabei auch auf bisherige Initiativen wie Kautionsfonds, Schulstartpaket, Energiegutschein oder vergünstigte Saisonkarten für die Linz AG Bäder. Politisch will man sich ausdrücklich auch von der Linzer SPÖ abgrenzen.
Michael Roth-Schmida: „Die Bilanz der vergangenen fünf Jahre zeigt, warum es in Linz eine konsequente linke Stimme braucht. Auch die SPÖ steht bei vielen wichtigen stadtpolitischen Fragen auf der falschen Seite. Statt fortschrittliche Mehrheiten für eine soziale und nachhaltige Stadtentwicklung zu suchen, wird vielfach gemeinsam mit ÖVP und FPÖ Politik gemacht. Linz braucht deshalb eine Partei wie die KPÖ, die soziale Gerechtigkeit und Solidarität in allen Bereichen der Stadtpolitik zum Maßstab macht. Wir betreiben keine Politik für die eigene Inszenierung, sondern setzen uns gemeinsam mit den Menschen und sozialen Bewegungen für konkrete Verbesserungen ein. Uns geht es nicht um Schlagzeilen, sondern darum, dass sich das Leben der Menschen verbessert.“
Und wer weiß: Vielleicht schaut das neue Spitzenduo ja ein bisserl nach Süden. In Graz schaffte die KPÖ 2021 mit Elke Kahr schließlich das, was zuvor kaum jemand für möglich gehalten hatte: Sie wurde mit 28,84 Prozent stärkste Partei, Kahr anschließend Bürgermeisterin. Von den Linzer 3,3 Prozent bis ins Bürgermeisterbüro ist es freilich noch ein ziemlich weiter Weg. Aber ein wenig träumen wird auch bei der KPÖ erlaubt sein…
Kommentar
Klein, aber oho – das fällt einem ein, wenn man die Arbeit der nur zwei Köpfe starken KPÖ-Fraktion im Linzer Gemeinderat Revue passieren lässt. Da waren durchaus brauchbare und sinnvolle Ideen dabei, die man auch als nicht bis in die Untergatt‘ rot gefärbter „Kummerl“ gut finden kann. Wohltuend ist jedenfalls, dass sich die beiden KPÖ-Gemeinderäte Michael Roth-Schmida und Gerlinde Grünn weitgehend von kommunistischen oder ultralinken Kampfparolen fernhalten und stattdessen solide und für eine Stadt wichtige Sozialpolitik forcieren.
Mit dem Wechsel von Michael Roth-Schmida auf die Nummer-1-Position könnte die Linzer KPÖ zusätzlichen Schwung bekommen. Der HTL-Lehrer fühlt sich an vorderster Front samt politischer Reibebaum-Funktion sichtlich wohl. Gerlinde Grünn wiederum zieht weiter und tritt 2027 als Spitzenkandidatin der KPÖ zur Landtagswahl an.
„Vota Comunista!“ – diesem augenzwinkernden Kampfesruf könnten 2027 vielleicht mehr Linzer folgen als beim letzten Urnengang 2021, als die KPÖ 3,3 Prozent und zwei Mandate holte. Auch deshalb, weil die SPÖ in Sachen soziales Gespür derzeit nicht überall glaubwürdig performt und die Grünen thematisch über ihr Baum- und Begrünungsthema so gut wir nicht hinauskommen (wollen).
Foto: Redaktion















