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Wird jetzt der gesamte Donaupark zum „Schiffsbahnhof“?

29. August 2019
in Linz
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Der boomende Personenschiffsverkehr auf der Donau hat auch seine Schattenseiten: An- und abreisende Busse, rund um die Uhr laufende Schiffsdieselaggregate, Müllberge und ein durch Schiffe zugeparkter Donaupark, von dem bereits ein gutes Drittel in Beschlag genommen wurde. Die Tourismusverantwortlichen wollen nun weitere Anlegestellen errichten, aber da regt sich jetzt Widerstand. Tenor: Der größte Linzer Park – noch dazu direkt am Wasser – gehört in erster Linie den Linzer Bürgern. Für Aufregung sorgt dabei Tourismusdirektor Steiner mit einer umstrittenen Aussage. 

„Der Kreuzfahrttourismus hat zweifellos auch positive Auswirkungen auf Linz, die Leidtragenden können aber nicht die Linzer sein. Der schönste und größte Linzer Park darf nicht zum unorganisierten Schiffs- und Busbahnhof verkommen“, sagt Lorenz Potocnik von NEOS Linz. Er fordert eine neue Lösung für den ausufernd wachsenden Kreuzfahrt-Verkehr: „Die Anlegestationen gehören raus aus dem Donaupark – etwa auf das Urfahraner Jahrmarktgelände oder nördlich der Nibelungenbrücke.“ Auch der Hafen sei ein attraktiver Standort, dort sei zumindest kein Naherholungsgebiet und eine Zufahrt mit Bussen wäre ebenfalls unproblematischer.

Ein gutes Drittel des Donauparks ist bereits von Schiffs-Anlegestellen in Beschlag genommen, jetzt soll auch der östliche Teil des Parks mit Anlegestellen ausgestattet werden.
Ein gutes Drittel des Donauparks ist bereits von Schiffs-Anlegestellen in Beschlag genommen, jetzt soll auch der östliche Teil des beliebten Parks (Bild) mit Anlegestellen ausgestattet werden.

„Für Linz bleiben nur Müll und Abgase“
Ins selbe Horn stößt FPÖ-Vizebürgermeister Markus Hein: Für Linz blieben nur Tonnen an zurückgelassenem Müll und die Abgase von Schiffen sowie Bussen, so Hein. Potentielle Linz-Touristen würden  „in Scharen von Linz weggekarrt. Es kann auch nicht sein, dass Linz größtenteils nur für ‚niedrige Dienste‘ herhalten muss, aber am eigentlichen Erfolg der Schifffahrtstouristik kaum partizipiert.“

Zufahrtsbeschränkungen für Busse in den Donaupark gefordert
Hein kritisiert ebenfalls, dass der Tourismusverband und auch die WKO einen Ausbau der Anlegestellen im Donaupark fordern. „Sogar eine eigene Abfahrt von der Neuen Donaubrücke für Busse ist angedacht. Aber zu welchem Zweck? Damit potentielle Gäste noch einfacher und schneller aus Linz in andere Städte abtransportiert werden können? Der Weg muss in eine ganz andere Richtung gehen. Die negativen Auswirkungen für die Stadt müssen beseitigt und die Stadt in den Programmen besser gewürdigt werden“, so Hein, der sich auch in letzter Konsequenz eine drastische Zufahrtseinschränkung zur Lände vorstellen kann.

Nur eine einzige Anlegestelle mit Stromanschluss
Trotz des jahrelangen Schiffs-Booms hat Linz seine Hausaufgaben nicht gemacht: Die Zahl der Anlegungen an Kreuzfahrt- und Ausflugsschiffen hat sich in den letzten zehn Jahren verfünffacht. Laut Medienberichten kommen alleine im nächsten Jahr zehn neue „Weiße Riesen“ dazu: Lediglich eine einzige Anlegestelle verfügt über einen Stromanschluss, bei allen anderen laufen die Schiffsdiesel der ankernden Schiffe Tag und Nacht, um den Strom für Klimaanlage, Küche und die Suiten zu erzeugen.
Laut einer Studie des Landes Oberösterreich kommt es – auch durch den Schiffsverkehr – zu einer regelmäßigen Überschreitung der Luft-Grenzwerte – und das mitten im größten Innenstadt-Park. Potocnik: „Die Linzer Bevölkerung kommt eigentlich zum Erholen und Relaxen ans Donauufer. Statt dessen bekommt sie Abgase und eine versperrte Sicht auf die Donau.“

Tourismusdirektor Steiner: „Schiffsgäste sind Sauerstoff für Kaufleute“
Tourismusdirektor Georg Steiner antwortet den Kritiken in einem OÖN-Interview mit einem seltsamen Vergleich: „Für die Kaufleute in der Innenstadt sind die Touristen ein zusätzlicher Sauerstoff“, sagt Steiner. Eine Aussage, die für Wirbel sorgt. Potocnik: „Diese Aussage ist aufgrund der enormen Abgasbelastung eine Frechheit. Was ist mit dem ‚Sauerstoff‘ für die Parkbesucher? Auch ein Tourismusdirektor sollte zumindest ein bisschen an die Erholungssuchenden denken, auch wenn er selbst  als beruflicher Dauerpendler zwischen Linz und Passau rotiert  und sein Herz gespalten ist.“

 

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