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Problemfall Südliche Landstraße

Neue Umbaumaßnahmen, aber alte Probleme bleiben

9. Juni 2026
in Freizeit, Linz, Meinung, Politik
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2013 – mit der Eröffnung des Musiktheaters – hätte die Aufwertung der heruntergekommenen Südlichen Landstraße abheben sollen. Das Gegenteil war der Fall: Ab der Bürgerstraße läuft die Landstraße aus, Wettbüros, „orientalische“ Geschäfte und ein wenig einladendes Klientel tragen zum tristen Ambiente bei. Das „Innenstadtkonzept“ soll nun helfen. Aber ist die Südliche Landstraße überhaupt zu retten? Eine Analyse.

Ein glanzvoller Abschluss oder ein ebensolcher Endpunkt hätte das Musiktheater 2013 für die auslaufende Linzer Landstraße werden sollen, aber die diesbezüglichen Hoffnungen wurden schnell zu Grabe getragen. Zusätzliche Erwartungen setzte man 2013 in PlusCity-Boss Ernst Kirchmayr, der damals den Schillerpark-Komplex (und etwas später auch die Nachbargebäude) erwarb und im wahrsten Sinn des Wortes Großes vorhatte: Ein Hochhaus samt Shoppingcenter in der Sockelzone hätte dem Areal den dringend nötigen Schub verleihen sollen.

Siegerprojekt-Entwurf des Schillerpark-Hochhauses. (Bild: zVg)

Das Siegerkonzept eines durchgeführten, nicht öffentlichen Wettbewerbs sah einen 100 Meter hohen Doppelturm mit einer Bruttogeschossfläche von 84.000 qm vor – und damit fast gleich viel wie der 109 m hohe Quadrill Tower (85.000 qm). Eine Umsetzung in dieser Form wird es wohl nicht mehr geben – Kirchmayr dürfte sein Interesse am Schillerpark-Projekt verloren haben –, auch weil sein Intimus Klaus Luger, der für das Projekt brannte, nicht mehr als Bürgermeister für den entsprechenden Rückenwind aus dem Rathaus sorgen kann. Gemunkelt wird, dass Kirchmayr den Schillerpark-Komplex weiterverkauft.

Auch die Politik versucht sich immer wieder an Verbesserungen, zum großen Wurf reicht es aber bis heute nicht. Linz weiß nach wie vor nicht so recht, was man mit dem Straßenzug anfangen soll. Die Versuche, die Fußgängerzone vom Palais Kfm. Verein bis vors Musiktheater zu verlängern, blieben halbherzig, eine echte Begegnungszone, wie eigentlich geplant, wurde es auch nicht. Vielmehr ist das 400 Meter lange Landstraßenstück nach wie vor die letzte große Poser-Strecke jugendlicher Autobesitzer mit Migrationshintergrund – unverständlich, denn hier könnte man die Autos problemlos rausschmeißen – ohne allzu große Einschränkungen für den allgemeinen Verkehrsfluss. Positiv: Die Fußgängerzone soll in absehbarer Zeit nun doch noch kommen, das steht zumindest im 118 Seiten starken „Innenstadtkonzept“ (in dem allerdings auch verdammt viel heiße Luft steckt).

Aktuell werden erste Maßnahmen dieses Innenstadtkonzepts umgesetzt, auch die Südliche Landstraße soll davon profitieren. Konkret ist die Umgestaltung des Eingangsbereichs zum Volksgarten an der Goethekreuzung in Arbeit, Kostenpunkt: 424.000 Euro. „Vom Bahnhof in Richtung Innenstadt kommend soll der Volksgarten zum einladenden Eingangstor ins Stadtzentrum werden – ein Entrée, das Natur und Stadt nahtlos verbindet“, heißt es seitens der Stadt Linz. Dies sei „ein Beitrag zur Steigerung der Aufenthaltsqualität in der Innenstadt“. Nett, aber einmal mehr wieder nur Stückwerk, wenn der Rest mit dem neuen Entrée nicht Schritt halten kann. Konkret: die Mieter und der Branchenmix. Wettbüros, orientalische Geschäfte, Leerstand und fragwürdige, herumlungernde Gestalten prägen das Bild nach wie vor – daran wird sich auch in Zukunft wenig ändern – ein hübsches Entrée hin oder her.

„Mehr Aufenthaltsqualität“: Plan zur Umgestaltung der Problemzone Volksgarten/Goethekreuzung. (Rendering: DnD)

Auch der Schillerpark soll in weiterer Folge umgestaltet werden. „Um die Durchlässigkeit zwischen dem Schillerpark und der Landstraße herzustellen, Frequenzen durch den Park und die ihn säumenden Erdgeschosszonen zu erhöhen und letztlich auch die Zugänglichkeit des Parks zu verbessern, sollen die Staudenpflanzungen und Geländer entfernt werden“, heißt es dazu im Innenstadtkonzept. Auch die „Problemzone Würschtlstandl“ am Schillerpark steht im Fokus, zumindest eine Umpositionierung an den Rand des Parks scheint sinnvoll.


Kommentar

OB DAS NOCH WAS WIRD?
Die Methode ist „altbewährt“ – zumindest in Linz: Zuerst wird mindestens ein Jahr lang ein „Gesamtkonzept“ (dessen Kosten selbstredend stets im sechsstelligen Euro-Bereich liegen) unter Einbeziehung aller „Stakeholder“ erstellt. Dem folgen (sofern diese nicht aus Kostengründen immer weiter nach hinten verschoben werden) diverse Umbau- alias „Verbesserungsmaßnahmen“ inklusive einer glanzvollen Eröffnung, ehe nach einigen Monaten alles wieder so wie vorher ist, weil die Stadt auf das Wichtigste vergisst: das Sich-drum-Kümmern. Siehe die Umgestaltung des Grünmarkts oder die unzähligen Maßnahmen am Südbahnhofmarkt, die aufgrund fehlender Nachbetreuung und „Kümmerei“ ins Leere liefen.

Immer wieder wird diagnostiziert und herumgedoktert, ein beträchtlicher Betrag investiert und dann der maximal halb genesene Patient als unsterblich aus der Intensivstation entlassen. Heißt: Sich nur an Konzepten abzuarbeiten und danach ein bisschen umzubauen und/oder aufzuhübschen, ist zu wenig. Wenn sich die Stadt in weiterer Folge nicht darum kümmert, Leben in die Südliche Landstraße zu bringen – Veranstaltungen, Vernetzung, die Suche nach den richtigen Mietern und Shops –, hilft das schönste „Entrée“ in den Schillerpark nix.

Auch in der Domgasse hat sich ein ähnliches Bild gezeigt: Einem durchaus koketten (und günstigen) Umbau folgte … nichts. Keine Initiativen, keine Events, keine Aufwertung durch mögliche neue Mieter, sondern nur Sendepause. Ich nenne es das „Linz-Airport-Syndrom“. Dort wundern sich auch alle, warum keine Airline nach Linz will, obwohl man doch so ein schönes Abfertigungsgebäude hat …

PS: Die Mietersituation in der „Wettbüro-Meile“ Südliche Linzer Landstraße wäre eigentlich genau das Aufgabengebiet des neuen Linzer Standortmanagers, der seit Jänner 2026 seinen gut dotierten Dienst versieht – bislang allerdings relativ geräuschlos. Gibt‘s den überhaupt noch?

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