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    Gründberg, Haselgraben, Sankt Magdalena: Der Weinanbau kehrt nach 200 Jahren immer stärker nach Linz zurück

    Der "umgekehrte" Klimawandel macht's möglich

    20. Mai 2026
    in Freizeit
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    Hunderte Jahre lang waren Linz und Oberösterreich große und bedeutende Weinbauregionen. Die heutige Universität oder das Linzer Schloss waren im 15. Jahrhundert umrahmt von endlosen Weingärten. Durch die Kleine Eiszeit zwischen 16. und 19. Jahrhundert endete die Ära. Noch 1820 gab es in St. Magdalena ausgedehnte Weingärten. Jetzt – 200 Jahre später – feiert der Linzer Rebensaft eine Renaissance: So wurde u.a. der Gründberg zum Weinbaugebiet – auch am Pöstlingberg, am Pfenningberg, im Haselgraben, im Donautal und am Schatzweg oberhalb von St. Magdalena wird wieder Wein angebaut.

    Es ist ein klassisches Comeback: Bis vor 200 Jahren wurde rund um Linz massiv Wein produziert. Noch heute gibt es eine Vielzahl von Orts-, Haus- und Flurnamen, die an das traditionsreiche Weinland Oberösterreich erinnern: Die Linzer Weingartshofstraße oder die Bauerhäuser “Oberer und Unterer Weingarten” am Schatzweg in St. Magdalena – westlich der heutigen Universität gab es im 17. Jahrhundert sogar 25 Hektar Weingärten.

    Ganz OÖ wahr jahrhundertelang Weinbaugebiet
    Nicht nur Linz, ganz OÖ war einst ein sehr reichhaltiges Weinanbaugebiet. Auch der Name des Schloss Weinbergs im unteren Mühlviertel erinnert an diese Zeit. Weitere große Weinanbaugebiete erstreckten sich die gesamte Donau entlang bis ins Innviertel und ins Kremstal. Das Stift St. Florian lag ebenfalls inmitten von ausgedehnten Weingärten. Sogar im Salzkammergut bis Gmunden und Bad Ischl gab es vereinzelt Weinbauern.

    Das Wappen Aschachs erinnert an seine große Vergangenheit als Weinbauregion.
    Das Wappen Aschachs erinnert an seine große Vergangenheit als Weinbauregion.

    Aschach als Zentrum des Weinanbaus
    Das Aschacher und Eferdinger Becken waren im Mittelalter das Zentrum des Weinanbaus in unserer Region. 1512 verlieh Kaiser Maximilian I. dem Markt Aschach das charakteristische Wappen mit den beiden Weintrauben, eine blau, eine grün. Der Markt Aschach und vor allem der Aschauer übte auf den Kaiser, der hier mehrmals Station machte, eine hohe Anziehungskraft aus.

    Nachweislich über 1.000 Jahre Weinanbau in Oberösterreich
    Die Anfänge des oberösterreichischen Weinbaus reichen aber noch viel weiter zurück, möglicherweise bis in die Römerzeit. Schriftlich erwähnt ist der oberösterreichische Wein erstmals im 8. Jahrhundert. Im Raum Aschach lassen sich in der Zeit zwischen 770 und 1400 zwei Bistümer und zwölf Klöster mit großem Weingartenbesitz nachweisen. Klar: Wein war nicht nur für die Liturgie wichtig, sondern auch Herrengetränk. Daher legten die Bistümer und Klöster auf Weingärten besonderen Wert.

    Seit 2021 wachsen auch am Linzer Gründberg Weinreben. (Foto: Redaktion)

    Umgekehrter Klimwandel
    Im späten 16. Jahrhundert begann der Niedergang des Weinanbaus in OÖ, der sich bis ins frühe 19. Jahrhundert hinzog. In den “Weinzehenttabellen” der Herrschaft Burg Eferding liest sich das nahende Ende dramatisch: 1751 gab es 2023 Joch Weingärten, 1789 noch 83, während es 1831 nur mehr 27 Joch waren. In Linz verschwanden die Weingärten um 1740, in St. Magdalena wurde noch bis etwa 1820 Wein angebaut. Grund war die “Kleine Eiszeit” zwischen 1650 und Ende des 19. Jahrhunderts. Alte Berichte sprechen von “erfrorenen Rebstöcken”, der Klimawechsel von Warm nach Kalt muss damals durchaus dramatischgewesen und in kürzester Zeit erfolgt sein.

    Auch am Schatzweg oberhalb der Pferdebahnpromenade wird seit fünf Jahren (wieder) Wein angebaut. (Foto: Redaktion)

    Bier auf Wein
    Es gab aber auch Gewinner durch den Niedergang des Weinanbaus: Die Herstellung von Most, Bier und Schnaps kam damals so richtig in die Gänge, speziell der Siegeszug des Biers begann und scheint noch lange nicht zu Ende, wenn man an die vielen Kleinbrauereien und Spezialbiere denkt.

    Oberösterreich holt auf
    Höhere Temperaturen, längere Schönwetterperioden und der frühere Vegetationsbeginn lassen die neuerlichen Klimaänderungen – diesmal aber in die andere Richtung – bereits klar erkennen. Während diese Veränderungen viele Bauern unter Druck bringen, kehrt dadurch der Weinbau nach OÖ zurück. Oberösterreich weist zwar gerade mal einen Anteil von rund 0,2 Prozent an den gesamten Rebflächen Österreichs auf.  Derzeit  bewirtschaften über 50 Winzerbetriebe eine Rebfläche von etwa 130 Hektar. Oberösterreich holt weiter auf: Seit 2015 wuchs die Anbaufläche um 50 Prozent. Die klassischen Wein-Bundesländer sind Niederösterreich (ca. 27.000 Hektar), Burgenland (11.904 Hektar), Steiermark (5.100 Hektar) und Wien (640 Hektar).

    Wein aus Linz
    Auch der Linzer Wein kehrt zurück: Unternehmer Jörg Rigger etwa betreibt mit einigen Freunden („Vinea Lentia“) am Gründberg einen Weinberg. Im Haselgraben und am Schatzweg bauen „Der Manfred und die Seinen“ Wein an. Den Weinberg im Haselgraben gibt’s seit über 20 Jahren. 3.600 Weinreben gedeihen hier auf rund 500 m Seehöhe. 2021 wurde am Schatzweg oberhalb der Pferdebahnpromenade in St. Magdalena ein weiterer Weingarten angelegt, hier wachsen u.a. die Rebsorten Chardonnay, Neuburger und Sauvignon Blanc. Auch am Gaumberg, am Pöstlingberg, am Pfenningberg und im Donautal gibt es mittlerweile (wieder) Weingärten.

    Am Schatzweg oberhalb von St. Magdalena wächst u.a. die Rebsorte Sauvignon Blanc. Sie stammt ursprünglich aus Frankreich aus den Regionen Bordeaux und Loire und wird heute international angebaut – auch zunehmend in Österreich. (Foto: Redaktion)

    Weißwein made in OÖ
    Unser Bundesland punktet vor allem mit fruchtig-frischen Weißweinen aus tonigen Böden. Neben den überwiegenden Weißweinen bieten Oberösterreichs Winzer aber auch Rotweine bester Töne. Der Klimawandel verlängert die Vegetationsperiode und verbessert die Reifechancen für Trauben. Dadurch entstehen neue Möglichkeiten für Qualitätsweinbau in Regionen, die zweihundert Jahre lang als zu kühl galten. Oder anders gesagt: So schließt sich der Klima-Kreis.


    Kommentar

    Klimawandel: Warum nicht nutzen?
    Ernst gemeinte Frage: Der unbestreitbare Klimawandel lässt sich zumindest kurz- und mittelfristig nicht aufhalten. Man kann also entweder weiter den Weltuntergang herbeisehnen oder auch (notgedrungen) die Chancen und Möglichkeiten, die diese Entwicklung mit sich bringt, konzeptionell nutzen: Weniger Heiztage (warum steigen eigentlich trotzdem die Wärmetarife dennoch ständig?) bedeuten veränderte (günstigere) Bedingungen für den Wohnbau, es ergeben sich neue Möglichkeiten für die Landwirtschaft (Marillen, Pfirsiche, Melonen, Oliven, Wein made in OÖ – den es vor einigen hundert Jahren übrigens im gesamten Linzer Becken schon gab…). Das Zu-Tode-Jammern ohne Blick nach vorne hilft am Ende des Tages jedenfalls niemandem.
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