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Die Richtung stimmt… nicht

Problemfall Rangnick: die LINZA WM Nachlese

5. Juli 2026
in Meinung
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Kein Sommermärchen, auch kein „mehr, als man erwarten durfte“ – das war die Performance des österreichischen Nationalteams bei der Fußball-WM in den USA, Kanada und Mexiko. Mit vier durchwegs überschaubaren bis bescheidenen Leistungen musste man bei der ersten WM-Teilnahme nach 28 Jahren relativ früh die Heimreise antreten – wie bei Großereignissen mittlerweile gewohnt. Einmal mehr hat sich gezeigt: Wenn es wirklich um die Wurst geht, liefert unser Team nicht. Zudem gab es seit der EM 2024 eher Rück- als Fortschritte. Aus dem mutigen Auftritten gegen Polen, die Niederlande und Frankreich vor zwei Jahren wurde ein ängstliches, zaghaftes und überwiegend defensives Allerweltsgekicke. Insofern ist es auch völlig unverständlich, dass der Vertrag von Ralf Rangnick bereits vor dem ersten Anpfiff in den USA verlängert wurde.

Vorweg die entscheidende Frage: Was wurde unter dem Strich in der Ära Rangnick tatsächlich erreicht? Die EM-Qualifikation 2024, an der seit 2016 gleich 24 europäische Nationen teilnehmen? Selbst Fußball-Laien tun sich schwer, in Europa 24 Länder auszumachen, die fußballerisch stärker sein sollten als Österreich – es sei denn, man nimmt San Marino, Andorra, Liechtenstein oder Gibraltar für voll. Dann war es natürlich eine besondere Leistung.

„Bei einer auf 48 Nationen aufgeblähten Endrunde war es fast schon schwieriger, sich nicht zu qualifizieren als teilzunehmen – außer man heißt Italien.“

Und nein: Auch die erstmalige WM-Qualifikation nach 28 Jahren war keine Top-Leistung und schon gar keine Sensation. Bei einer auf 48 Nationen aufgeblähten Endrunde war es fast schon schwieriger, sich nicht zu qualifizieren als teilzunehmen – außer man heißt Italien. Wobei bereits die Leistungen in der Qualifikation wenig Anlass zum Jubel boten. Erst in der allerletzten Runde sicherte sich Österreich mit einem glücklichen 1:1 gegen Bosnien die WM-Teilnahme. Schon damals war vom Elan der Anfangszeit unter Rangnick nur noch wenig zu sehen – und jenem Mut, mit dem man bei der EM vor zwei Jahren gegen Topteams wie die Niederlande oder Frankreich auf Augenhöhe spielte.

„Warum fehlte jeder Mut? Warum diese komplett defensive Ausrichtung? Glaubte man ernsthaft, sich gegen Spanien über 120 Minuten mit einem 0:0 ins Elfmeterschießen retten zu können?“

Und jetzt? Bereits das erste Spiel in den USA blieb weit hinter den Erwartungen zurück. Erst durch ein Eigentor gelang Österreich noch der glückliche Turnaround gegen Jordanien – eine Mannschaft, die trotz des ständigen Starkredens durch Medien und Trainerstab eigentlich kein echter Gradmesser hätte sein dürfen.

Gegen Argentinien verzwergte man sich bereits vor dem Anpfiff selbst – und spielte anschließend auch wie das sprichwörtliche Kaninchen vor der Schlange. Dasselbe Bild zeigte sich gegen Spanien. Warum fehlte jeder Mut? Warum diese komplett defensive Ausrichtung? Glaubte man ernsthaft, sich gegen Spanien über 120 Minuten mit einem 0:0 ins Elfmeterschießen retten zu können? Diese Ängstlichkeit bleibt unerklärlich.

Da bekommt man vielleicht nur einmal im Leben die Chance, bei einer Weltmeisterschaft aufzulaufen, zu glänzen und Tore zu schießen – und verweigert dann wie gegen Algerien über weite Strecken jede offensive Initiative. „Dummheit“, wie David Alaba es bezeichnete, ist dafür noch eine maßlose Untertreibung.

Dass Argentinien und Spanien durchaus zu packen wären, haben andere, fußballerische Zwergnationen bei dieser WM bereits bewiesen, da helfen auch die medial inflationär vervielfältigten Behauptungen, gegen solche Kaliber sei man bereits vor dem Anpfiff quasi ohne jede Chance. Man müsste sich halt trauen, statt sinnlos zu taktieren.

Apropos ängstlich: Das trifft auch auf die Partie gegen Algerien zu. Statt selbstbewusst aufzutreten und mit einem klaren Sieg Selbstvertrauen für das Sechzehntelfinale zu tanken, wurde taktiert und ab der 60. Minute praktisch aufgehört, Fußball zu spielen. Man muss sich das vor Augen führen: Da bekommt man vielleicht nur einmal im Leben die Chance, bei einer Weltmeisterschaft aufzulaufen – und verweigert dann über weite Strecken jede offensive Initiative. „Dummheit“, wie David Alaba es bezeichnete, ist dafür noch eine maßlose Untertreibung.

Natürlich wollte man dem langjährigen Kapitän wohl als Dankeschön möglichst viel Einsatzzeit geben. Aber bei allem Respekt: Für derartige Loyalitätsbekundungen sind WM-Endrunden mit ihrem Hopp-oder-tropp-Charakter der falsche Ort.

Auch über den Stammplatz von David Alaba muss gesprochen werden. Warum? Der Teamkapitän kam praktisch ohne Spielpraxis zur WM, wirkte offensichtlich nicht fit und fiel vor allem durch Querpässe auf. Natürlich wollte man dem langjährigen Kapitän wohl als Dankeschön möglichst viel Einsatzzeit geben. Aber bei allem Respekt: Für derartige Loyalitätsbekundungen sind WM-Endrunden mit ihrem Hopp-oder-tropp-Charakter der falsche Ort.

Unter dem Strich war es eine enttäuschende Weltmeisterschaft für Österreich. Es sei denn, man bleibt der eigenen Selbstverzwergung treu und klammert sich weiter an die seit Jahrzehnten gepflegte Erzählung, dass für ein kleines Land wie Österreich eben nicht mehr möglich sei. Wie es allerdings die ebenfalls kleine und fußballerisch keineswegs besser ausgestattete Schweiz geschafft hat, sich seit dem Jahr 2000 für elf von 14 möglichen EM- und WM-Endrunden zu qualifizieren, bleibt ein Rätsel.

Unter dem Strich haben nicht nur große Namen wie David Alaba und Marko Arnautovic es verabsäumt, sich in die Sportgeschichtsbücher hineinzureklamieren. Übrig bleibt ein Allerweltsauftritt Österreichs beim größten Ereignis, das diese Fußballwelt zu bieten hat. Sehr, sehr schade.

 

 

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