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    Linz-Bilder aus sechs Jahrhunderten

    6. Dezember 2024
    in Linz
    176 Seiten, 142 Abbildungen, kostet 33 Euro: Linz-Ansichten aus sechs Jahrhunderten

    176 Seiten, 142 Abbildungen, kostet 33 Euro: Linz-Ansichten aus sechs Jahrhunderten

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    Erstmals präsentiert das Archiv der Stadt Linz ein Werk, das sich mit Linz-Abbildungen vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart befasst. Viele der gezeigten Bilder sind noch nie einem größeren Publikum vorgestellt worden.

    Die ersten Bilder der Stadt Linz stammen aus dem 16. Jahrhundert. In dieser Zeit wurden Stadt und Stadtraum erstmals individualisierter dargestellt. Die umgebende Landschaft hat man vielfach in die Stadtbilder integriert. In der Frühen Neuzeit kam den Stadtansichten besondere Bedeutung zu, die als Drucke verbreitet wurden. So konnte ein relativ großes Publikum erreicht werden. Seit dem 17. Jahrhundert war Linz in gedruckten Ansichtenwerken immer wieder vertreten. Dies reichte etwa von den zwischen 1572 und 1617 herausgegebenen „Civitates orbis terrarum“ des Georg Braun und Franz Hogenberg über die 1649 erschiene-ne „Topographia provinciarum Austriacarum“ des Matthäus Merian bis hin zur „Topographia Austriae Superioris modernae“ eines Matthäus Vischer aus dem Jahr 1674.

    Buch-770Im 19. Jahrhundert waren Ansichten von Siedlungen bis hin zur Darstellung von Ein-zelobjekten wegen des aufkommenden Tourismus besonders gefragt. Eine Lösung stellte vor allem die Lithographie dar, die wegen der geringeren Kosten und der Möglichkeit des Farbdrucks rasch eine bedeutende Stellung erlangte. In Linz war es die 1827 gegründete lithographische Offizin des Josef Hafner, für die eine Vielzahl von Künstlern arbeitete.

    Erstes Linz-Bild in Farbe stammt aus 1593
    Das früheste farbige Linz-Bild ist jenes des niederländischen Malers und Zeichners Lucas van Valckenborch aus dem Jahr 1593. Seit 1577/78 stand Valckenborch als Hofmaler in den Diensten des Erzherzogs Matthias. Das Ölgemälde wurde lange Zeit als Vorlage für Kupferstiche und Druckwerke verwendet.
    Für heutige Vorstellungen ist es ungewöhnlich, wenn frühere ältere Vorlagen von Stadtansichten für die Darstellung von wichtigen Ereignissen der Gegenwart Verwendung fanden. Ein herausragendes Beispiel dafür sind die im damaligen Sinn einer Reportage angefertigten Bilder von der Belagerung der Stadt Linz im Bauernkrieg von 1626. Sie gehen meist auf die Linz-Ansicht von Valckenborch von 1593 zurück und zeigen das Schloss noch vor dem 1604 begonnenen Umbau.

    Fotografie als „Konkurrentin“ der Künstler
    Die Entwicklung der Fotografie seit etwa der Mitte des 19. Jahrhunderts stellte einen starken künstlerischen Einschnitt dar. Sie war auf der einen Seite eine Konkurrentin zur Bildenden Kunst, auf der anderen Seite als eine Erweiterung der Künste zu sehen. Vielfach deckten sich die Standorte der Fotografen bei Gesamtansichten der Stadt mit jenen der Malenden und Zeichnenden. Durch Teleobjektiv oder Weitwinkelobjektiv waren aber neue, bislang ungeahnte Gestaltungsmöglichkeiten vorhanden.

    Stadtentwicklung im Laufe der Jahrhunderte
    Über Jahrhunderte vollzog sich die Entwicklung der Stadt Linz in sehr engen räumlichen Grenzen, nämlich innerhalb der Stadtmauern, die über den Pfarrplatz, entlang des Grabens und der Promenade zum Schloss verliefen. Nach und nach kamen einzelne Gebäude und Straßenzüge außerhalb der ummauerten Stadt in das Bewusstsein der Menschen. Auch die Künstlerschaft, die die Linz-Ansichten herstellte, zählte sie nach und nach zu Linz dazu. Die Entwicklung von Urfahr, Ebelsberg, St. Magdalena, St. Peter und Kleinmünchen vollzog sich in räumlicher Trennung von Linz. Diese Ortschaften kamen erst durch die Eingemeindungen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu Linz. Bei Urfahr handelte es sich seit 1882 sogar um eine eigene Stadt. Trotzdem behielten sie zum Teil bis heute ihre eigenen Identitäten bei.

    Die Gründung der Wollzeugfabrik im Jahr 1672 blieb ein singuläres Ereignis, das die Strukturen und Traditionen der frühneuzeitlichen Stadt nur geringfügig tangierte. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und am Anfang des 20. Jahrhunderts waren in Linz bereits zahlreiche Industriebetriebe vorhanden, die wie die Tabakfabrik, die Schiffswerft, die Kaffeeersatzfabrik Franck und Söhne und die Kleinmünchner Textilindustrie überregionale Bedeutung erlangten.

    Die Nazizeit brachte die bisher größten Eingriffe ins Stadtbild
    Der Anstieg der Bevölkerungszahl blieb lange Zeit bescheiden. Erst in der Zwischen-kriegszeit erreichte Linz durch die Eingemeindungen den Status einer Großstadt mit über 100.000 EinwohnerInnen. Eine große Zäsur stellte in jeder Hinsicht der „Anschluss“ an das nationalsozialistische Deutsche Reich im März 1938 dar. Auch wenn die meisten der NS-Planungen für das künftige „Groß-Linz“ nicht ausgeführt wurden, waren die Eingriffe in das Stadtbild gravierend und nachhaltig: Der Linzer Brückenkopf wurde durch die neue Donaubrücke, die beiden Brückenkopfbauten sowie das heutige Heinrich-Gleißner-Haus völlig verändert. Zahlreiche Wohnanlagen entstanden im gesamten Stadtgebiet. Die meisten davon sind als monumentale oberösterreichische Vierkanthöfe konzipiert und prägen bis heute das Erscheinungsbild mehrerer Stadtteile.
    Die größte Veränderung betraf jedoch die Ortschaft St. Peter-Zizlau, die völlig zerstört wurde. Die NS-Diktatur zwang die Bevölkerung zur Umsiedlung, um Raum für die neuen Industriebetriebe der „Hermann-Göring-Werke“ und der Stickstoffwerke zu gewinnen. Im Linz der NS-Zeit gehörten ZwangsarbeiterInnen aus 20 Nationen sowie Häftlinge dreier Nebenlager des Konzentrationslagers Mauthausen zum Alltag des städtischen Lebens.

    Neuanfang in der Nachkriegszeit
    Nach 1945 ging es darum, unter demokratischen Verhältnissen die nach 22 alliierten Luftangriffen zerstörte städtische Infrastruktur wiederherzustellen und für die neuen Linzer Großbetriebe eine neue Identität zu entwickeln. Mit der bis heute erfolgreichen voestalpine ist dieses Ziel nachhaltig gelungen. Auch Bauten wie das Brucknerhaus im neuen Donaupark und das Stadion auf der Gugl trugen wesentlich zur neuen Linz-Identität nach dem Krieg bei. Größere Veränderungen im Stadtbild der Zweiten Republik erfolgten durch die Gründung der Johannes Kepler Universität, den Autobahnbau, die völlige Umgestaltung des Urfahrer Brückenkopfes mit dem Neuen Rathaus und dem Ars Electronica Center, den Neubau des Bahnhofes und des Musiktheaters sowie in den letzten Jahren durch neue Hochhäuser im Bahnhofsviertel.

    Ausstellung im Wissensturm
    Zeitgleich mit dem Buch gestaltete das Archiv der Stadt Linz eine Ausstellung, die von 4. November 2014 bis 9. Jänner 2015 im Wissensturm, Mo-Fr von 8 bis 18 Uhr (ausgen. Feiertage und 24.12.-02.01.). Eintritt frei.

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