Ein überraschend niedriger Preis für einen großen Schnitt: Die Stadt Linz steigt komplett aus dem Flughafen aus und verkauft ihren 50-Prozent-Anteil für vorläufig gerade einmal 1,325 Millionen Euro an das Land Oberösterreich. Was auf den ersten Blick nach einem schlechten Geschäft aussieht, ist angesichts der dramatischen Linzer Finanzlage ein durchaus sinnvoller Befreiungsschlag. Gleichzeitig bekommt der Flughafen die Chance auf einen echten Neustart – mit dem Land am Steuer und privaten Investoren an Bord.
50 Prozent eines internationalen Flughafens für 1,325 Millionen Euro: Diese Zahl lässt zunächst einmal aufhorchen. Doch der Kaufpreis entspricht laut Land und Stadt dem Mittelwert des von KPMG ermittelten Liquidationswertes und wurde durch eine Second Opinion von Ernst & Young bestätigt. Zudem ist die Summe noch nicht endgültig. Wegen der offenen PFAS-Sanierung wird der Kaufpreis zunächst gar nicht ausbezahlt. Erst wenn technische Lösung und Kosten feststehen, wird endgültig abgerechnet. Und sollte das Land innerhalb von fünf Jahren Flughafenanteile zu einem höheren Wert an Private verkaufen, wird Linz über eine Earn-out-Regelung am Mehrerlös beteiligt. Für Vizebürgermeister und ÖVP-Linz-Chef Martin Hajart ist der Ausstieg angesichts der Finanzmisere im Linzer Rathaus überfällig:
„Der Ausstieg der Stadt Linz aus dem Flughafen ist angesichts der dramatischen Finanzlage die einzig sinnvolle Lösung. Die Stadt ist finanziell derart angeschlagen, dass sie sich diese Beteiligung schlicht nicht mehr leisten kann.“
Damit wird auch die Verantwortung neu geordnet. Statt zweier öffentlicher Eigentümer übernimmt vorerst das Land zu 100 Prozent das Steuer. Landeshauptmann Thomas Stelzer sieht darin die Chance für einen Neustart: „Wir wollen den Flughafen Linz wieder wirtschaftlich erfolgreich machen.“ Das neue Management müsse nun eine klare Strategie und Positionierung entwickeln.
Jetzt sollen Private einsteigen
Besonders spannend: Die hundertprozentige Landeseigentümerschaft soll nur eine Zwischenlösung sein. Schon im nächsten Schritt beginnt die Suche nach einem strategischen Partner, der bis zu 49 Prozent übernehmen könnte. Dabei geht es um weit mehr als frisches Geld. Gesucht werden Investoren, die Know-how, internationale Netzwerke, Marktzugang und zusätzliche Passagiere nach Linz bringen können. „Der Flughafen ist für den Großraum Linz und den Wirtschaftsstandort Oberösterreich zu wichtig, um dauerhaft von öffentlichen Zuschüssen abhängig zu sein“, sagt Hajart. Es brauche privates Kapital und unternehmerisches Know-how. „Nur dann wird der Flughafen Linz auch wirtschaftlich wieder abheben können.“
Auch der freiheitliche Linzer Stadtrat Michael Raml begrüßt die bevorstehende Einigung ausdrücklich: „Eine Neuordnung der Beteiligungen der Stadt Linz ist dringend geboten und wurde von mir seit längerem gefordert, auch um die finanzielle Stabilität der Stadt wiederherzustellen.“
In weiterer Folge sei eine Einbeziehung von Investoren und Wirtschaft unerlässlich, um den Flughafen wieder zum Fliegen zu bringen, so Raml. Die aktuell diskutierte Airport City mit Unternehmen, Forschung, Ausbildung, Hotellerie und Aviation-Schwerpunkt sei daher ein vielversprechender Ansatz, so der FPÖ-Stadtrat. Die Attraktivierung von Regionalflughäfen sei alles andere als ein Ding der Unmöglichkeit, weist Raml mit Blick auf die Flughäfen Salzburg und Innsbruck hin. „Die touristische Komponente muss deshalb natürlich Teil einer ganzheitlichen Strategie bei der Neuausrichtung des Flughafens sein – deshalb ist auch die Linzer Tourismus-Stadträtin Lang-Mayerhofer trotz Verkaufs der Anteile der Stadt weiterhin gefordert, sich hier einzubringen“, so Raml.
Stadt steigt aus, steht aber weiter zum Flughafen
Auch Bürgermeister Dietmar Prammer sieht in der Einigung eine langfristige Perspektive. Die Verantwortung für die weitere Entwicklung werde beim Land gebündelt, die Stadt stehe aber weiterhin zur Bedeutung des Flughafens für den Wirtschaftsstandort. Und die Vergangenheit zeigt, dass Hörsching keineswegs zwangsläufig ein Zuschussbetrieb sein muss: Bis 2019 war der Flughafen in der Gewinnzone. Genau dort soll die Reise wieder hingehen. Für Linz bedeutet der Verkauf eine Entlastung in finanziell äußerst schwierigen Zeiten. Für das Land bedeutet er mehr Verantwortung. Und für den Flughafen könnte














