Ohne Künstliche Intelligenz geht in Zukunft wohl kaum noch etwas. Oberösterreich will Vorreiter sein und sich als führende KI-Region Europas etablieren. Über den Weg dorthin spricht Landesrat Markus Achleitner im LINZA-Talk.
OÖ soll sich zu einer führenden KI-Region Europas entwickeln. Wie sieht der dazugehörige Fahrplan aus?
Entscheidend für OÖ ist, KI rasch aus der Forschung in die Anwendung zu bringen – in unsere Betriebe, in neue Produkte und Geschäftsmodelle. Zugleich wollen wir Talente und Startups stärken und die Menschen mitnehmen. Denn KI ist kein Selbstzweck: Sie soll unsere Unternehmen wettbewerbsfähiger machen, Beschäftigte unterstützen und zusätzliche Wertschöpfung und damit Arbeitsplätze und Wohlstand schaffen.
Welche Voraussetzungen hat OÖ, um eine führende KI-Region zu werden, was hat OÖ diesbezüglich zu „bieten“?
Oberösterreich hat optimale Voraussetzungen, um zu einem führenden Standort für Zukunftstechnologien zu werden: Eine starke industrielle Basis, international anerkannte Forschung, hervorragende Hochschulen und vor allem die enge Verbindung von Wissenschaft und Wirtschaft. Mit unserer OÖ. KI-Exzellenzstrategie wollen wir diese Stärken noch schneller in die Anwendung bringen.
„Wenn wir bei KI international vorne mitspielen wollen, dürfen wir Innovation nicht durch Bürokratie verhindern.“
Ohne eine breite Akzeptanz der Bevölkerung wird es gerade beim Thema KI nicht gehen. Wie sehen Sie das?
Wenn OÖ zu den führenden KI-Regionen Europas gehören soll, müssen wir bei der Spitze und in der Breite stark sein. Deshalb geht es nicht nur um Spitzenforschung und industrielle Anwendungen, sondern auch darum, die Menschen mitzunehmen. Wir wollen zeigen, welche Chancen KI bietet, Kompetenzen vermitteln und Berührungsängste abbauen. KI soll den Menschen dienen, Arbeit erleichtern und Chancen für Beschäftigung und Wohlstand schaffen.
Speziell im Alltag sichtbar wird KI beim autonomen Fahren: Während in den USA bereits seit Jahren Taxis ohne Fahrer erfolgreich unterwegs sind, bremst Minister Hanke und redet von einer Modellregion, die zudem erst im Jahr 2028 starten soll. Geht das nicht alles zu langsam?
KI eröffnet auch beim autonomen Fahren große Chancen: für mehr Verkehrssicherheit, neue Mobilitätsangebote und insbesondere auch für unseren starken Automotive-Standort. Klar ist aber auch: Wo KI Entscheidungen im Straßenverkehr übernimmt, muss Sicherheit oberste Priorität haben. Deshalb braucht es umfassende Tests, klare Regeln und höchste Standards bei Cybersecurity. Anspruch muss sein, Innovation zu ermöglichen und gleichzeitig das Vertrauen der Menschen in diese neuen Technologien zu stärken.
Der Einsatz von KI birgt aber auch Gefahren. Braucht es ein begleitendes Regelwerk?
Künstliche Intelligenz braucht klare Spielregeln, denn Vertrauen und Sicherheit sind entscheidend für ihre Akzeptanz. Gleichzeitig dürfen wir diese Zukunftstechnologie nicht mit überbordender Regulierung ausbremsen. Europa muss die richtige Balance schaffen: So viel Regulierung wie für Sicherheit und Vertrauen notwendig, aber so viel Freiheit wie möglich für Forschung, Innovation und wirtschaftliche Anwendung. Wenn wir bei KI international vorne mitspielen wollen, dürfen wir Innovation nicht durch Bürokratie verhindern.
„KI darf nicht zum Ersatz für menschliche Verantwortung werden. Wo es um gesellschaftliche Werte und weitreichende Entscheidungen geht, muss der Mensch das letzte Wort haben.“
Elon Musk hat angekündigt, seinen humanoiden Roboter „Optimus“ spätestens 2028 zum Preis von 30.000 US-Dollar auf den Markt zu bringen. Was löst das in Ihnen aus: Schauer, Neugier oder Bewunderung?
Humanoide Roboter können zu einem wichtigen Baustein für die Produktion der Zukunft werden. Gerade für einen starken Industriestandort wie Oberösterreich bietet die Verbindung von KI und Robotik große Chancen: Beschäftigte können bei körperlich belastenden oder gefährlichen Tätigkeiten entlastet, Produktivität gesteigert und der zunehmende Fachkräftebedarf abgefedert werden. Entscheidend wird für uns sein, diese Entwicklung nicht nur zu beobachten, sondern frühzeitig eigenes Know-how aufzubauen und die Technologie in die industrielle Anwendung zu bringen.
Was kann KI besser und wo sollte der Faktor Mensch unverzichtbar bleiben?
Künstliche Intelligenz kann riesige Datenmengen schneller analysieren und uns viele Routinearbeiten abnehmen. Aber KI darf nicht zum Ersatz für menschliche Verantwortung werden. Wo es um gesellschaftliche Werte und weitreichende Entscheidungen geht, muss der Mensch das letzte Wort haben. Unser Ziel muss daher sein, die Stärken von Mensch und Maschine miteinander zu verbinden: KI als Werkzeug, das den Menschen unterstützt, entlastet und ihm bessere Entscheidungen ermöglicht.
Es gibt bereits virtuelle Influencer und digitale Avatare für alle Lebensbereiche. Was halten Sie etwa von einem „KI-Landesrat“, der sämtliche Regierungsbeschlüsse, Förderungen, Budgets und Versprechen analysiert und Bürgerfragen rund um die Uhr beantwortet?
Wenn ein „KI-Landesrat“ bedeutet, dass Bürger einfach und schnell Informationen bekommen, dann sollten solche Möglichkeiten durchaus geprüft und genutzt werden. Wenn damit aber gemeint ist, politische Entscheidungen an eine Maschine zu delegieren, ziehe ich eine klare Grenze. Politik bedeutet, unterschiedliche Interessen abzuwägen, Entscheidungen zu treffen und dafür Verantwortung zu übernehmen. Das kann und darf uns keine KI abnehmen. KI soll die Politik und Verwaltung besser machen – aber nicht die demokratisch legitimierten Entscheidungsträger ersetzen.















