Der Linzer Flughafen soll teilprivatisiert werden: Das Land OÖ will die Mehrheit behalten, bis zu 49 Prozent könnten an einen privaten Partner gehen. Die Hoffnung: frisches Kapital, Know-how und vor allem bessere Kontakte zu Airlines. Ein Blick nach Österreich und Deutschland zeigt allerdings: Eine Privatisierung kann funktionieren – sie kann aber auch gewaltig danebengehen.
Erfolgreiche Modelle
Positive Beispiele gibt es durchaus. Der Flughafen Wien wurde 1992 teilprivatisiert und entwickelte sich zu einem hochprofitablen internationalen Airport. Hamburg setzt seit Jahren auf das gleiche Modell wie nun für Linz geplant (51 % öffentlich, 49 % privat): Seit dem Einstieg wurde kräftig investiert, der Airport schreibt wieder solide Gewinne und bedient stabil rund 14,8 Millionen Passagiere. Ähnlich erfolgreich verläuft Düsseldorf (seit 1997 50/50): Die Passagierzahlen stiegen von damals 15 auf zeitweise über 25 Millionen, aktuell wieder über 21 Millionen, begleitet von massiven Infrastruktur-Investitionen.
Auch die von Fraport (Frankfurt) betriebenen griechischen Regionalflughäfen zeigen, dass erfahrene Flughafenbetreiber mit klaren Investitionsverpflichtungen selbst an kleineren Standorten spürbare Verbesserungen bei Infrastruktur und Verkehr bewirken können. Gemeinsam haben die erfolgreichen Airports einen Vorteil: starke Einzugsgebiete. Ein Investor kann einen guten Standort weiterentwickeln – Nachfrage kann er nicht herbeizaubern.
Warnende Beispiele
Wesentlich relevanter für Linz ist Klagenfurt. 2018 übernahm die Lilihill-Gruppe 74,9 Prozent und versprach enorme Investitionen und eine große Zukunft. Die Pläne blieben weitgehend aus, die Probleme verschärften sich, 2023 drohte die Zahlungsunfähigkeit. Die öffentliche Hand holte den Flughafen zurück. Der Fall zeigt die Risiken, wenn ein Investor vor allem Immobilienpotenziale im Blick hat und verbindliche Zusagen fehlen.
In Deutschland ging Frankfurt-Hahn nach dem Verkauf an die chinesische HNA-Gruppe wenige Jahre später in die Insolvenz. Noch turbulenter verlief Lübeck (mit 217.000 Einwohnern ähnlich groß wie Linz): 2013 privatisiert, bereits 2014 pleite, der nächste Investor folgte – und meldete ebenfalls Insolvenz an.
Was Linz braucht
Linz braucht keinen Investor, der in erster Linie Grundstücke und Immobilien sieht. Sinnvoll ist ein strategischer Partner aus der Flughafen- oder Luftfahrtbranche, der Kapital, Managementerfahrung und Airline-Kontakte mitbringt. Entscheidend sind verbindliche Investitionszusagen und Rückkaufsrechte, falls Versprechen nicht eingehalten werden. Dass Oberösterreich 51 Prozent behalten will, erscheint vernünftig. Die erfolgreichen Modelle Wien und Hamburg zeigen, dass privates Kapital und öffentlicher Einfluss kein Widerspruch sein müssen – vorausgesetzt, der Partner passt und der Standort hat Substanz. Immer noch wartet man in Linz auf ein grundlegendes Konzept samt Positionierung.














